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CD THOMAS JENSEN LEGACY Vol. 2: DANISH RADIO SYMPHONY ORCHESTRA DRSO mit Werken von Shostakovich, Stravinsky, Riisager, Honegger und Bartók; danacord

04.12.2021 | cd

CD THOMAS JENSEN LEGACY Vol. 2: DANISH RADIO SYMPHONY ORCHESTRA DRSO mit Werken von Shostakovich, Stravinsky, Riisager, Honegger und Bartók; danacord

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Seit 1925 gibt es schon das Dänische Radio Sinfonieorchester, ab 1928 folgten wöchentliche Konzerte. Der Kkangkörper ist ohne Übertreibung das kulturelle  Flagschiff Dänemarks, von Bedeutung für das Kulturleben des Landes und der genuin künstlerischen Qualität mit den großen Rundfunkorchestern Deutschlands und Österreichs durchaus auf Augenhöhe. Dem aktuellen Chefdirigenten Fabio Luisi (vorerst bis 2023 bestellt) gingen als stilprägende Dirigenten international renommierte Musiker wie Herbert Blomstedt, Lamberto Gardelli, Leif Segerstam, Ulf Schirmer, Gerd Albrecht, Thomas Dausgaard und Rafael Frühbeck de Burgos voraus. Auch Fritz Busch dirigierte das Orchester in Konzerten beim Edinburgh Festival 1950 und sorgte so für internationale Aufmerksamkeit. 

In der vorliegenden Box werden Teile des akustischen Erbes (Live- und Studioaufnahmen) einer großen dänischen Dirigentenpersönlichkeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und in Erinnerung gerufen. Bis jetzt sind von Thomas Jensen – zumindest in Dänemark – sieben Doppel-CDs erschienen. Thomas Jensen wird ein authentisches Wissen um viele Werke nordischer Komponisten des 20. Jahrhundert bescheinigt, weil er als Cellist selbst bei so mancher Ur- und Erstaufführung dabei gewesen ist, so bei Nielsens vierter und fünfter Symphonie und bei den meisten Sibelius Symphonien. 

Thomas Jensen, 1898 in Kopenhagen geboren, besuchte gemeinsam mit Carl Nielsen das Royal Danish Conservatoire of Music. Bis 1927 hatte er diverse Orchesterpositionen als Cellist inne. Als Dirigent in Paris und Dresden ausgebildet, trat er bald den Posten eines Dirigenten der Philharmonic Society in Aarhus an. 1935 gründete Jensen dort das Aarhus Civic Orchestra mit 26 permanent engagierten Musikern. Parallel absolvierte Jensen zahlreiche Gast-Dirigate beim DRSO und dem Tivoli Orchestra. Seinen schwersten Rückschlag bildete der nur dritten Platz bei seiner Bewerbung um den Posten eines zweiten Dirigenten beim DRSO. Den Posten erhielt Fritz Mahler, dessen Vater ein Cousin des Komponisten Gustav Mahler war. Schon während einer anstrengenden Tour des DRSO in die Vereinigten Staaten war Jensen 1952 Retter in der Not, mit 39 Konzerten in 38 Städten wechselte Jensen sich mit Erik Tuxen am Pult ab. 1957, als 60-jähriger mit beginnender Taubheit übernahm er schließlich den Posten eines Ständigen Dirigenten beim DRSO. Sechs Jahre lang stand der dem Orchester vor, bevor er 1963 unerwartet starb.

Die Rundfunk-Aufnahmen auf der vorliegenden Box stammen aus dem Zeitraum 1949 bis 1963. Auf der ersten CD sind zwei der populären Donnerstagskonzerte des Orchesters verewigt. Der allerletzte live Broadcast vom 31.10.1963 nur zwei Wochen vor Jensens Tod mit einer aufrüttelnden Wiedergabe der „Fünften Symphonie“ von Dmitri Shostakovich und ein Konzert vom 4.11.1954 (Erstveröffentlichung) mit Igor Stravinskys „Konzert für Klavier und Blasinstrumente“. Dazu gibt es Knudage Riisagers „Concertino für Trompete und Streicher“ (Entstehung 1933) zu entdecken. 

Ein ganz besonderes Zuckerl enthält CD 2 mit 20 Minuten Musik aus der Oper „Katerina Izmailova“ von Dmitri Shostakovich mit Galina Vishnevskaya. Dazu gibt es die Fünfte Symphonie „Di tre re“ von Arthur Honegger und das Zweite Violinkonzert von Bela Bartók mit Henryk Szeryng als Solisten zu hören. Letztere Aufnahmen stammen von einem Live-Broadcast aus Anlass des United Nations Day Konzerts in Paris am 24.10.1962.

Für musikhistorisch Interessierte bietet die Serie eine willkommene Bereicherung in Sachen Orchesterführung und nicht zuletzt eine Fundgrube für hierzulande wenig bekannte Komponisten wie Hans Christian Lumbye (Vol. 7) oder Niels Viggo Bentzon (Vol. 6). Die Aufnahmen wurden allesamt klanglich erstklassig restauriert. 

Thomas Jensen war ein überaus temperamentvoller Dirigent und starker Charakter, der höchsten Wert auf Präzision, die große Form und ein intensiv üppiges Klangerlebnis legte. Seine Aufnahmen sind wahre Energiebooster. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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