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CD „THE THREE QUEENS“ – SONDRA RADVANOVSKY singt die Schlussszenen aus DONIZETTIS „Anna Bolena“, „Maria Stuarda“ und „Roberto Devereux“; Pentatone

08.03.2022 | cd

CD „THE THREE QUEENS“ – SONDRA RADVANOVSKY singt die Schlussszenen aus DONIZETTIS „Anna Bolena“, „Maria Stuarda“ und „Roberto Devereux“; Pentatone

Live Mitschnitt eines szenischen Konzerts aus der Lyric Opera of Chicago

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Diana Damrau hat es im Studio unter dem Titel „Tudor Queens“ getan, jetzt folgt die kanadisch amerikanische Sopranistin Sondra Radvanovsky nach. In einem Mitschnitt der Lyric Opera Chicago hat sich die vor allem im dramatischen italienischen Fach beheimatete Sopranistin die drei finalen Schlüsselszenen der auf unterschiedliche Art in den Opern pathetisch sterbenden englischen Königinnen vorgenommen. Von Donizetti wurden diese Königinnen als effektvolles koloraturakrobatisches Divenfutter konzipiert. So hat auch Radvanovsky die drei Partien an der MET in der Saison 2025/2016 dargestellt und damit große Erfolge beim Publikum einheimsen können. 

Mit beiden Versuchen im ach so heiklen Belkanto-Fach will man nun (auf Tonträgern) und im Fall der Radvanovsky einige Jahre später nicht glücklich werden. Mangelt es bei Diana Damrau im jetzigen Stadium der Karriere an dramatischer Attacke, Höhe und Koloraturgewandtheit, so fehlt mir bei bei der technisch versierteren Kollegin Radvanovsky mit dem sehr spezifisch dunkel metallischen Timbre und kurzem Vibrato einfach Glanz, Strahl und eine freie Höhe. Radvanovsky verfügt nicht über die spektakulären Akuti etwa einer Beverly Sills, deren Stimmcharakter ebenfalls Geschmacksache war, sondern wird in der extremen Höhe unangenehm scharf.

Radvanovsky, die es im internationalen Operngeschäft besonders in Verdi- und Verismo- Rollen an die internationale Spitze gebracht hat – am 12.3. wird sie in Rom neben Jonas Kaufmann (Kalaf), Ermonela Jaho (Liú) und Michael Spyres (Altoum) unter der musikalischen Leitung von Antonio Pappano die Turandot auch für eine Schallplattenproduktion sein – ist grundsätzlich eine hochmusikalische Künstlerin, die über erstaunliches interpretatorisches Raffinement, ein tolles Legato, eine tragfähige Tiefe und Mittellage, eine echte Pianokultur und unbedingten Ausdruckswillen verfügt. Atemberaubender Belcanto ist aber stets eine gut dosierte Mischung aus Leuchtkraft und Dramatik, leichtgängigen Verzierungen und die Fähigkeit, im Stratosphärenwahnsinn zu glänzen. All das steht Radvanovsky im Vergleich zu den historischen „Göttinnen“ in diesem Fach, hier seien etwa Leyla Gencer, Joan Sutherland oder Montserrat Caballé erwähnt, nur eingeschränkt zur Verfügung. 

Riccardo Frizza leitet den Chor und das Orchester der Lyrik Opera Chicago mit Umsicht. Zusätzlich zu den Finali hören wir die Ouvertüren der Opern. In weiteren Rollen ist Hausmannskost aufgeboten: Eric Ferring (Tenor) als Sir Hervey und Lord Cecil, Anthony Reed (Bass) als Lord Rochefort, Mario Rojas (Tenor) als Riccardo Percy und Robert Leicester, Lauren Decker (Kontraalt) als Smeton, Kathleen Felty (Mezzo) als Anna Kennedy und Sara, David Weigel (Bass-Bariton) als Guglielmo Cecil, Christopher Kenney (Bariton) als Giorgio Talbot, und Riccardo José Rivera (Bariton) als Duca di Nottingham. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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