CD „THE BIG B’s“ – Das JANOSKA ENSEMBLE spielt Arrangements von Bach, Beethoven, Brahms, Bartók, Bernstein und Brubeck; Deutsche Grammophon
„Ein Plädoyer für die Kunstform Album“

Arrangements und Bearbeitungen von ohnedies schon eingängigen Klassikern stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber. Allzu oft wird Musik lediglich zuckrig wattiert, um sie hintergrundmusiktauglich zu banalisieren.
Da ist das Janoska Quartett, bestehend aus den Brüdern Ondrej Janoska (Violine), Roman Janoska (Violine), Frantisek Janoska (Klavier) und Julius Darvas (Kontrabass) schon aus einem anderen Holz geschnitzt. Ihr drittes Album für Universal Music befasst sich mit bedeutenden Improvisationsgeistern der Musikgeschichte, zu denen sie sich mit ihrem Stegreifmusizieren verwandt fühlen.
Also wurde man fündig bei Johann Sebastian Bach („Violinkonzert in d-Moll, BWV 1043), Ludwig van Beethoven („Adagio cantabile aus der Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll, „Pathétique“); Johannes Brahms („Ungarischer Tanz Nr. 1“ in g-Moll), Béla Bartók („Rumänische Volkstänze“), Dave Brubeck („Blue Rondo à la Turk“) und Leonard Bernstein (Ouvertüre zu „Candide“). Dazwischen erklingen fünf Werke der drei Brüder Janoska: „Souvenir pour Elise“, „Buenos dias Marco“, „Belissima Naomi!“, „Bagatelle pur Va-Le“ (für Ondrejs Töchter Valentina und Letizia) und „9 Symphonies in 9 Minutes“ als Paraphrase über Themen aus Beethovens Neunter Symphonie.
Jazz meets Classic: Das scheint’s ganz aus dem Augenblick geborene Musizieren, der groovige Ton, die spielerische Komplexität der Harmonien, aber auch der sinnliche Glanz der Streicher, das Wahnsinnstempo mancher Stücke (so im Ungarischen Tanz), das sensitive kammermusikalische Miteinander und Verschmelzen ergeben eine Art ureigenstes Gesamtkunstwerk. Überzeugen Sie sich selbst im Video über Bach:
https://www.youtube.com/watch?v=JyRGQu5SpdU
Außerdem gefällt mir, dass das Quartett auch für das Format des Albums, sei es als Schallplatte (Vinyl), Musikkassette oder CD wirbt, weil es ein „Innehalten, eine Selbstvergewisserung in puncto Emotionalität und Technik zu einem bestimmten Zeitpunkt“ markiert.
Ganz nebenbei erfahren wir, dass der kurvige titelgebende lateinische Buchstaben B aus dem protosinaitischen Alphabet stammt, das um 1700 a.C. von kanaanitischen Wanderarbeitern entwickelt wurde. Das ‚Bet‘ bedeutete bei den Phöniziern Haus. Und was für ein unverwechselbares musikalisches Gebäude betreten wir mit dieser CD.
Auf jeden Fall ist es ein temperamentvolles „Gute Laune Album mit Anspruch“ geworden, das in seinem musikantisch vollblütigen Stil sowohl Liebhaber von klassischen als auch von jazzigen Klängen begeistern wird.
Dr. Ingobert Waltenberger

