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CD „The Art of Virtuoso Baritone“ – GIORGIO CAODURO singt Arien von GIOACCHINO ROSSINI; Glossa

Caoduro auf den Spuren von Filippo Galli und Henri-Bernard Dabadie  

03.06.2021 | cd

CD „The Art of Virtuoso Baritone“ – GIORGIO CAODURO singt Arien von GIOACCHINO ROSSINI; Glossa

 

Caoduro auf den Spuren von Filippo Galli und Henri-Bernard Dabadie

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Eine seltene Spezies ist er, der genuine Rossini-Bariton, der die Dramatik der großen Verdi-Rollen mit einer unverschämten Flexibilität verbindet, um die vielen Koloraturen, Fiorituren und wie all die Verzierungen höchster Belcanto-Kunst noch so heißen mögen, in affenartig sich steigernden Tempi Prosecco-moussierend runterspulen zu können. Daneben wäre es auch nicht schlecht, eine Stimmumfang vom Bassbariton bis hin in eisige tenorale Höhen mitzubringen. Natürlich soll die erlauchte Stimme Samt und Metall gleichermaßen besitzen, einen gewissen Erotikfaktor aufweisen und nebstbei zwischendurch spöttischen Humor versprühen können.

 

Die beiden Baritonstimmen, die ich live erlebt habe und all dies im Übermaß hatten, waren Boris Martinovic (mir unvergesslich sein Assur in „Semiramide“ konzertant im Wiener Konzerthaus mit Montserrat Caballé und Kathleen Kuhlmann vom Jänner 1987 unter Oleg Caetani) und immer wieder Samuel Ramey. Und siehe da: Jetzt gibt es von Neuem – diesmal einen italienischen – Klasse-Bariton, der in anderer Mixtur über viele Vorzüge eines vor vibrierenden Testosteron strotzenden Rossini-Baritons verfügt. In der Tat: Ein männlicher Vokalakrobat mit heldischer Attacke ist dieser Giorgio Caoduro.

 

Giorgio Caoduro fühlt sich in den anspruchsvollen Rollen Rossinis (buffas, semi-serias und serias), Donizettis, Verdis und Mozarts gleichermaßen zu Hause. Auf seinem neuen Album singt er nicht nur landläufig Bekanntes aus „La Cenerentola“, „Semiramide“ und „Guillaume Tell“, sondern hat sich nicht alltägliche Reißer ausgesucht, wie die Arie des Herzogs ,Oh qual voce d‘intorno rimbomba‘ aus der Oper „Torvaldo e Dorliska“, die Szene des Fernando aus „La gazza ladra“, die Arie ,Nel teatro del gran Mondo‘ aus „Il Signor Bruschino“ und ,Una voce m‘ha colpito‘ aus „L‘Inganno Felice“. Ein besonderes Gustostückerl bildet die Szene und Arie für Bass ,Alle voci della gloria‘. Ob sie – wie lange vermutet – für die Figur  des Blansac in „La scala di seta“ geschrieben wurde, ist nicht gesichert, weil Rossini Blechbläser und Schlagwerk im Orchester vorsieht, Instrumente, die in Rossinis frühen Partituren sonst fehlen. 

 

Bei Rossini sind Bariton-Helden, ob Schurken, Tyrannen, Verfolgte oder humorvolle Charaktere mit ähnlichen kompositorische Erfolgsrezepten ausstaffiert und klingen demnach ziemlich ähnlich. Was soll‘s, wenn diese atemberaubenden Trapezkünste ohne Seil so hinreißend interpretiert werden wie hier von Giorgio Caduro. Mehr davon!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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