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CD „SPRING NIGHT“ – Lena Belkina und Natalia Sidorenko mit Liedern von Tchaikovsky and Rachmaninov solo musica

13.01.2022 | cd

CD „SPRING NIGHT“ – Lena Belkina und Natalia Sidorenko mit Liedern von Tchaikovsky and Rachmaninov solo musica

Die ukrainische Mezzosopranistin Lena Belkina und die russische Pianistin Natalia Sidorenko widmen sich auf ihrer neuen CD „Spring Night“ den emotional reichhaltigen Liedkompositionen von Peter Tschaikovsky und Sergej Rachmaninow.

Album Spring Night (Russian Songs by Tchaikovsky and Rachmaninov) , Various  Composers von Lena Belkina | Qobuz: Download und Streaming in hoher  Audioqualität

Liegt es in der spezifischen Mentalität, dass der Terminus „Romanze“ in der russischen Musik allgemein für Liedkomposition gilt? Weil ein „echtes“ Lied erst dann ein solches ist, wenn viel Leidenschaft und eine weit ausschlagende Gefühlsamplitude im Spiel ist? Man könnte dies annehmen angesichts einer neuen Aufnahme mit der Mezzosopranistin Lena Belkina, die sich mit ihrer großen Stimme schon in allen wichtigen Partien des Opernrepertoires bewährt hat: Unter dem Titel „Spring Night“ widmet Lena Belkina sich zusammen mit der Pianistin Natalia Sidorenko der kleinen, intimen Form – und die wurde auch von den am meisten gefeierten russischen Komponisten Peter Iljitsch Tchaikowsky und Sergej Rachmaninov mit viel Herzblut und über die gesamte Vita gepflegt.

Lena Belkina hatte diese Lieder schon während ihres Studiums an der Tchaikowsky-Akademie in Kiew schätzen gelernt. In Wien gingen Lena Belkina und Natalia Sidorenko für die Aufnahmen in Klausur, nachdem sie sich hier einen für diese Aufnahme prädestinierten Saal gesucht hatten. Wie verlässlich diese Kombination wirkt, erschließt sich auf dieser Aufnahme mit dem ersten Ton: Die kraftvolle Sängerin und die hellwache Pianistin üben sich in der hohen Kunst des Zuhörens, was der perfekten Ausbalanciertheit zwischen Gesangsstimme und Klavier entgegen kommt. Lena Belkinas charaktervoller und dunkel timbrierter Mezzosopran breitet eine weit gespannte Gefühlsskala aus. Aus ihrer künstlerischen Herkunft von der großen Opernbühne macht sie keinen Hehl – auch das steht diesem spätromantischen Repertoire angesichts einer manchmal ungestümen Ausdruckswucht sehr gut. Ebenso sorgt eine ausgeprägte Delikatesse in der Phrasierung für emotionale Wechselbäder auf kleinstem Raum.

Warum solches Repertoire außerhalb der Landesgrenzen wenig berühmt wurde, liegt oft genug an der Sprachbarriere. Aber Lena Belkinas Gesang, vor allem ihre dramatischen Qualitäten darin, machen die Schönheit dieser Sprache auch für den des Russischen Unkundigen gut erfahrbar. Tschaikovsky und Rachmaninow haben – und das wird beim konzentrierten Hören dieser hierzulande selten erlebten Stücke deutlich, durchgängig so komponiert, dass der Gestus der Wörter und Sätze immer sehr unmittelbar die Rhetorik der Musik dominiert.

Schade, dass keine Textübersetzungen dieser Lieder beigefügt sind, denn so etwas bietet auch immer einen literarischen Mehrwert. Dennoch liefert der fundierte Begleittext gute Hintergrundinformationen: Lange vor allen Verwerfungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des eisernen Vorhangs war die russische Kultur doch viel stärker im gesamteuropäischen Kulturraum zentriert, so dass auch die deutsche Romantik eine starke Ausstrahlung auf die hier hörbaren Werke russischer Komponisten hatte. Darüber gibt diese neue Aufnahme vielfältig Aufschluss, etwa in Peter Tcchaikowskys Romanze „Nur wer die Sehnsucht kennt“, die von Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahren inspiriert wurden

Stefan Pieper

 

 

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