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CD SONATEN FÜR KLAVIER UND VIOLINE Gesamteinspielung – RENAUD CAPUCON Violine; KIT ARMSTRONG Klavier; Deutsche Grammophon

03.07.2023 | cd

CD SONATEN FÜR KLAVIER UND VIOLINE Gesamteinspielung – RENAUD CAPUCON Violine; KIT ARMSTRONG Klavier; Deutsche Grammophon

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„Wir haben, um eine Analogie aus der Kulinarik zu verwenden, gänzlich auf unsere angeeignete Fertigkeit verzichtet, gewöhnliche Zutaten zu verfeinern, haben wir doch gespürt, dass wir es hier mit außergewöhnlichen Zutaten zu tun haben. Wir sind uns sicher, dass unsere Zuhörer sie als solche zu schätzen wissen.“ Kit Armstrong

16 Sonaten für Klavier und Violine hat Mozart geschrieben. Renaud Capuçon und Kit Armstrong fügen in ihrer maßstabsetzenden Gesamteinspielung noch die Zwölf Variationen über „La Bergère Célimène“ sowie die Sechs Variationen über „Helas, j’ai perdu mon amant“ hinzu.

Die vier CD-Box ist Teil eines größeren Plans. Renaud Capuçons Mozart-Projekt für die Deutsche Grammophon umfasst drei Alben und zwei STAGE+-Aufführungen, die alle noch in diesem Jahr erscheinen werden. Die Publikationen sollen die facettenreiche Karriere Capuçons als Konzertsolist, Kammermusiker, künstlerischer Leiter und Mentor herausragender junger Talente abbilden. So viel sei verraten: Die Violinkonzerte, aufgenommen mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne, dessen künstlerischer Leiter Capuçon ist, sollen am 29. September 2023 veröffentlicht werden. Die Klavierquartette, aufgenommen mit drei von Capuçon betreuten Nachwuchskünstlern, wird am 10. November folgen und das Label Capuçon-DG Beau Soir einweihen.

Der Gesamteinspielung der Violinsonaten im Berliner Teldex Studio (Oktober 2022) gingen gemeinsame Konzerte im Salzburg ab dem Jahr 2016 voraus. Das hört man, das Zusammenspiel des französischen Stargeigers mit dem in Los Angeles geborenen und in einer aufgelassenen französischen Kirche lebenden Pianisten ist von einer befreienden Natürlichkeit getragen. Harmonie des Miteinander und Schönheit des Tons gehen hier vor aufgerauter Originalklangästhetik. Gespielt wird in dieser Logik natürlich nicht vibratolos historisierend, sondern mit üppig vollem Geigenton. Armstrong hat sich für einen soft perlenden Bechstein Flügel D 282 entschieden, Capucon konzertiert auf seiner Guarneri del Gesù „Panette“ von 1737, die zuvor Isaac Stern gehörte.

Mich erinnert dieser Ansatz an die wunderbaren Aufnahmen von Arthur Grumiaux und Clara Haskil, wo der Zauber der Mozartschen Invention, die Spontanität, der leichte Fluss der Musik, die Empfindung, ja Empfindsamkeit vor einer alle Dämonen aufscheuchenden Klangexegese geht. Das passt zwar erwartungsgemäß einigen Kommentatoren nicht, bereichert aber die Diskografie um eine in ihrer künstlerischen Geschlossenheit, zeitlosen Eleganz und brillanten Tontechnik unüberbietbaren Box. Wer es anders haben will, sollte zu Isabelle Faust und Alexander Melnikov greifen. Was ich je nach Hörlaune auch nicht ungern mache.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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