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CD „SOLO II“ TABEA ZIMMERMANN spielt Werke für Bratsche solo von JOHANN SEBASTIAN BACH und GYÖRGY KURTÁG; myrios

08.11.2020 | cd

CD „SOLO II“ TABEA ZIMMERMANN spielt Werke für Bratsche solo von JOHANN SEBASTIAN BACH und GYÖRGY KURTÁG; myrios

Für Bratsche solo gibt es relativ wenig Literatur. Tabea Zimmermann spielt auf ihrer fantastisch sonor klingenden Étienne Vatelot aus 1980 die Suiten Nr. 3 und 4 für Cello solo, BWV 1009 und 1010 von Johann Sebastian Bach. Für Zimmermann ist die Wahl des modernen Instruments deshalb entscheidend, weil es um spezifische Klangvorstellungen geht. Hier wiederum ist die Geschwindigkeit, mit der der Bogen über die Saite gezogen werden kann, ausschlaggebend. Eingeschoben hören wir das Stück „Signs, Games and Messages“ von György Kurtág. Eine unorthodoxe Kombination, in der Dringlichkeit und Kraft der Tiefe der Stücke aber durchaus sinnstiftend,

Im Booklet wird vermutet, dass Bach auch Instrumente wie das Violoncello piccolo oder die Viola da spalla (d.i. ein von einem Gurt gehaltenes Instrument, vor dem Körper zu spielen) für seine Suiten im Sinn gehabt haben mag. Auf jeden Fall kann Tabea Zimmermann, zehn Jahre nachdem sie die Suiten Nr. 1 und 2 vorgelegt hat, erneut überzeugen. Dabei nutzt sie alle Möglichkeiten des Studios bis hin zum Experiment, wie weit bei einer Wiederholung der Klang als Echo schattiert werden kann. Dass es sich bei all den Préludes, Allemandes, Courantes, Sarabandes und Gigues um stilisierte Tanzsätze handelt, ist für Zimmermann besonders wichtig. Die „Regelmäßigkeit im großen Puls“ als Voraussetzung für interpretatorische Freiheit muss stets spürbar sein.

Dazu hat Zimmermann aus einem unvollendeten Zyklus von György Kurtág sechs Solostücke ausgewählt, die Kurtág für befreundete Musiker schrieb: Das “Klagende Lied”, “Zank Kroatisch”, “Doloroso”, aber auch “…eine Blume für Tabea…”, das der Komponist der Solistin nach dem überraschenden Tod ihres Mannes David Shallon schenkte. Ein klingendes Manifest der Vergänglichkeit, zart und flüchtig hingetupft. 

Eintauchen, sich Wiederfinden, Ankunft. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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