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CD SERGEI PROKOFIEV Sinfonia concertante Op. 125, Cellosonate Op. 119 – der junge Shooting Star BRUNO PHILIPPE begeistert auf seinem Cello Carlo Tononi; harmonia mundi

04.12.2019 | cd

CD SERGEI PROKOFIEV Sinfonia concertante Op. 125, Cellosonate Op. 119 – der junge Shooting Star BRUNO PHILIPPE begeistert auf seinem Cello Carlo Tononi; harmonia mundi

Auf ihrer neuesten CD bieten der junge französische Cellist Bruno Philippe, der Pianist Tanguy de Williencourt, unterstützt vom Frankfurt Radio Symphony unter der musikalischen Leitung von Christoph Eschenbach ein eigentlich für den legendären russischen Cellisten Rostropovich maßgeschneidertes Programm. Prokofiev war Kompositionslehrer von Rostropovich und hat ihm die ganz in der Tradition des „Großen Klassizismus der Sowjetunion“ stehende Sonate für Cello und Klavier Op. 119 1949 auf den Leib komponiert. Öffentlich erklang diese C-Dur Sonate erstmals 1950 im Moskauer Konservatorium, als Pianist war damals neben Rostropovich Svjatoslav Richter zu bewundern.

Der Hit des Albums ist aber die Sinfonia Concertante Op. 125, aus einer vollständigen Revision des Cellokonzerts Op. 58 (geschrieben 1933-1938) hervorgegangen. Dirigiert hat die Uraufführung 1952 der Pianist Svjatoslav Richter (!) –  allerdings war das ein Versuch, den er nicht wiederholt hat. 

Die polystilistische Kunst Prokofievs zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite. Der Komponist gibt dem Solisten alle Gelegenheit, die Sonorität des Soloinstruments zu wandeln wie ein Chamäleon die Hautfarbe. Marschthemen, punktierte Rhythmen,  Läufe durch alle Lagen, Pizzicati, Doppelgriffe, motorische Wiederholungen, arpeggierte und Staccato-Figuren, höllisch schwere Kadenzen scheinen wie eine Schule der Cellotechnik zu sein. Thematisch finden sich neben hochromantischen Melodien und schwärmerisch meditativen Elementen auch Dissonantes, ein komplexes Ineinander des Cello mit anderen Instrumenten des Orchesters wie Violine, Trompete, Fagott, Oboe und jazzige Passagen. Diese schillernde Sinfonia Concertante ist nichts weniger als ein fast vollständiger Abdruck des Universums der hohen russischen Kompositionsschule in Sowjetzeiten, durchspickt von ironischen Brechungen, Zitaten westlicher Musik sowie dem kraftvollen Ausdruckswillen einer sich nicht beugenden Individualität. 

Bruno Philippe spielt das technisch herausfordernde Stück mit allem einem Cellisten zu Gebote stehenden Raffinement. Seine grenzenlose Virtuosität, seine fulminante Bogentechnik und vitale Musikalität begeistern vom ersten bis zum letzten Ton. Dirigent und Orchester bemühen sich um Sanglichkeit und Wohlklang, wagen sich aber kaum über eine gebremste Expressivität hinaus.  Dennoch insgesamt ein durchaus beindruckendes Album nicht nur für alle, die jetzt schon von Weihnachtsmusik genug haben.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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