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CD „ROOTS“ SALAPUTIA BRASS – BLECHBLÄSERMUSIK aus England; Oehms Classics

08.02.2021 | cd

CD „ROOTS“ SALAPUTIA BRASS – BLECHBLÄSERMUSIK aus England; Oehms Classics

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Was sich in der Musik so profan „Blech“ nennt, kann auch gülden glänzen. Und erst recht samtig klingen. Die 2007 gegründeten „Knirpse“, auf lateinisch heißt so ein kleiner Held „Salaputium“, haben nebst Spitzensolisten aus diversen deutschen Sinfonieorchestern gleich auch einen Komponisten und Arrangeur in ihren Reihen. Auf dem neuesten Album mit dem wenig originellen Titel „Roots“ ist dieser Peter Dörpinghaus für zwei umso hinreissendere und vergnügliche Medleys, und zwar „Bond for Brass“ und „All you need is Brass“, verantwortlich. Da wird aus elf James Bond-Filmmusiken bzw. 18 Beatle Songs flott zusammengerührt und duftig gebacken, was das Zeug hält. Unterhaltsam auf höchstem Niveau. Bei den Pilzköpfchen-Zitaten auch zum Mitsingen geeignet.

 

Sonst gibt es eine lauthals hinausposaunte und -trompetete Hommage an englische Komponisten aus drei verschiedenen Jahrhunderten zu hören. Anthony Holbornes Suite „The Fairie Round“ (arr. Roger Harvey & Salaputia Brass) mit feierlich höfischen Renaissanceklängen, Gustav Holst mit der spätromantischen Komposition „A Moorside Suite“ (trans. Peter Dörpinghaus) sowie Arthur Butterworth mit der virtuosen „Triton Suite“ Op. 46.

 

Dass England ein Vorreiter der Blasmusikbands war, liegt historisch an der Industrialisierung. Wie der junge Trompeter Dörpinghaus dazu festhält, „bot die Musik den Industriearbeitern eine willkommene Abwechslung zu ihrer körperlich schweren Arbeit und wurde aufgrund ärztlicher Einschätzung als Präventivmaßnahme gegen die gesundheitsschädliche Luft im Kohlebergbau sogar durch die Arbeitgeber unterstützt und gefördert. Noch heute existieren viele Bands, die nach wie vor die ursprüngliche Firma im Namen tragen.“

 

Auch in Österreich gibt es noch viele solcher Betriebskapellen, die freilich auch Holzbläser integriert haben. Ich selber habe jahrelang das Flügelhorn in der Kapelle meines Vaters (der hatte die schönere Trompete für sich reserviert) malträtiert, und bei allen möglichen Märschen mitgetrötet. Das war sicher keine heroische künstlerische Leistung, aber lustig allemal.

 

Was wir auf der vorliegenden CD hören, ist hingegen das Non plus Ultra luxuriösen „Blechsounds“. Mit einem spektakulären Kiekser dürfen Sie also nicht rechnen. Die Instrumente der 11 Musiker plus Schlagzeug glänzen auf dem Cover frisch poliert, die akustische Entsprechung bereitet ein gleichermaßen makelloses Vergnügen. Ihre spezifische Zusammensetzung (5 Trompeten, 4 Posaunen, ein Horn, eine Tuba und ein Trommler) verdankt die Gruppe dem Engländer Philip Jones, der diese Kammermusikformation mit seinem Philip Jones Brass Ensemble kultivierte und somit quasi zur Nachahmung einlud.

 

Als Stimmungsmacher der Zeit ist auf dem Album „From Koris By“ des 1980 in der einstigen „British Steel“ Stadt Corby geborenen Paul McGhee zu hören. Sieben Geschichten will die Musik erzählen von der frühzeitlichen  dänischen Ansiedlung bis zur Moderne. 

 

Auf die Frage „Lieben Sie Blech?“ gibt es nach Hören dieses Albums ein eindeutiges JA. Sie dürfen den strammen „Kerlchen“ auch Hurra zurufen!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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