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CD RICHARD STRAUSS: SÄMTLICHE TONDICHTUNGEN – François-Xavier ROTH dirigiert das SWR SINFONIEORCHESTER BADEN-BADEN und FREIBURG 

25.01.2021 | cd

CD RICHARD STRAUSS: SÄMTLICHE TONDICHTUNGEN – François-Xavier ROTH dirigiert das SWR SINFONIEORCHESTER BADEN-BADEN und FREIBURG 

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François-Xavier Roth leitete das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg von 2011 bis 2016, dem Jahr, wo es mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart fusioniert wurde. In dieser Zeit von 2012 bis 2015 sind auch die vorliegenden Einspielungen aller Tondichtungen von Richard Strauss entstanden, die auch als Einzelveröffentlichungen erhältlich waren/sind.

 

Eigentlich sind es ja „nur“ zehn sinfonische Dichtungen, die Richard Strauss als Herz seines instrumentalen Schaffens hinterlassen hat: Ein Heldenleben, Tod und Verklärung, Till Eulenspiegels lustige Streiche, Don Quixote, Macbeth, Also sprach Zarathustra, Aus Italien, Eine Alpensinfonie, Don Juan und die Symphonia domestica. Ergänzt werden diese außermusikalische Inhalte vermittelnden Programm-Musiken um die „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher.

 

Der in einem westlichen Pariser Nobelvorort geborene Roth ist wohl einer der interessantesten Dirigenten der Jetztzeit. Seit 1. September 2015 ist er Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln und bekleidet nebstbei die Funktion eines Principal Guest Conductor des London Symphony Orchestra.

 

Der Franzose vermag gerade bei Strauss sein Wissen um Strukturelles, musikalische Formen und Architekturen mit einem überragenden Instinkt für orchestrale Nuancen, das kunstreiche Handling der Balance innerhalb der Instrumentengruppen und genießerischem Jonglieren mit Klängen zu verbinden. Die Durchhörbarkeit der Stimmen sowie der übergeordnete dramaturgische Aufbau bleiben dabei stets gewahrt.

 

Roth, dessen Strauss-Sicht mich an Rudolf Kempe erinnert, aber ein echtes „Kind“ des 21. Jahrhunderts ist, erzählt die märchenhaften Geschichten in hoher Plastizität, orchestral fein aufgedröselt, wie sich das der schlaue Theaterfuchs Richard Strauss so unnachahmlich schön ausgedacht hat. Die vielen kleinen Genreszenen glitzern aufgefächert in allen frechen und humorvoll deklamierten Details. Um von dort aus wieder direkt in den siebenten Strauss‘schen Himmel aufzufahren. 

 

Vom Auftritt her zurückhaltend, zielt Roth nicht auf vordergründig spektakuläre Wirkungen und schon gar nicht auf rekordverdächtige Temposchürzungen ab. Da der Chef des Originalklangensembles „Les Siècles“ natürlich auch die technischen Möglichkeiten und Bogentechniken der Entstehungszeit kennt, klingt „sein“ Strauss weniger auf Hochglanz poliert und noch weniger kosmisch steril. Roth geht vielmehr mit feinem Pinsel und manuell geschliffener Klinge an die Arbeit. Dissonantes darf dabei auch ruhig so rüberkommen. Und es kann auch noch ein wenig nach Leim riechen. Mit zwei Worten: Zukunftsweisend, raffiniert und lustvoll bodenständig zugleich.

 

Das SWR Orchester führt Roth mit diesen Richard Strauss Aufnahmen – wie jetzt in der günstigen Box (5 CDs zum Preis von einer) nachzuhören – auf einsame Höhen. Auf einmal mutiert ein solides, sehr gutes Rundfunkorchester zum schönsten Schwan im Teich.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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