CD RICHARD STRAUSS: ELEKTRA – Live-Gesamtaufnahme mit dem Bergen Philharmonic Orchestra unter Edward Gardner vom Dezember 2023; Chandos
Ohne geeignete Titelinterpretin macht „Elektra“ keinen Sinn

Ich werde mich kurzfassen: Eine verdiente hochdramatische Sopranistin war in zwei Konzerten am 13. und 15. Dezember 2023 in der Grieghallen im norwegischen Bergen als Elektra angesetzt. Nicht nur für den Monolog braucht es weit gespannte Legatobögen, eine ruhig geführte Mittellage und freie glänzende Spitzentöne u.a. bis zum hohen C auf ‚so königliche Siegestänze tanzen.‘ All das stand Iréne Theorin an diesen Abenden nicht zur Verfügung. Stattdessen bieten ein kaum gezähmter Wobble und das ausgeprägte Tremolo besonders im Monolog – auf diesem technisch exzellenten, brutal alle vokalen Unzulänglichkeiten noch vergrößernden Tonträger – kein Hörvergnügen, nicht einmal den Anschein davon.
Schade! Denn die instrumental dramaturgisch gut erzählte, spannungsvolle Interpretation Gardners kann auch mit einer gediegenen Restbesetzung punkten: Jennifer Holloway als frisch jugendlich dramatischer Chrysothemis, Tanja Ariane Baumgartner als fast schon zu seriöser Klytämnestra, Nikolai Schukoff als tenorcharakterlich plastisch gezeichneter Ägisth und Iain Paterson als zwar nicht mehr taufrischer, dafür eindringlicher Orest. Auch wenn Iréne Theorien ab der Szene Elektra-Chrysothemis an Intensität und stimmlicher Qualität zulegt, kann ich die Aufnahme – bei der gegebenen Konkurrenz auf dem Plattenmarkt – nicht empfehlen.
Dr. Ingobert Waltenberger

