CD Rezension: Lisa Shklyaver (Klarinette) Gyorgy Voylochnikov (Klavier)
…nicht nur Fantasiestücke
Niels Wilhelm Gade | Alexander Gretschanninow | Nikolai Medtner | Robert Schumann
Ars Produktion 2023

Robert Schumanns Fantasiestücke opus 23 begegnen drei bemerkenswerten Schöpfungen von heute eher unbekannter Komponisten. Und war so, dass beides einander befruchtet. Die Rede ist von einer neuen Veröffentlichung auf dem Label Ars Produktion. Lisa Shklyaver, Klarinette und Georgy Voylochnikov bilden ein fabelhaft aufeinander eingespieltes Kammermusik-Duo. Um Robert Schumanns Fantasiestücke Opus 73 in eine gute Gesellschaft zu rücken, stießen sie auf drei Komponisten, die Robert Schumanns Kunstideale hörbar in die Zukunft transportierten. Aber die drei ausgewählten Tonschöpfer aus Dänemark und Russland wussten sich auch von solchen Prägungen des 19. Jahrhundert zu emanzipieren. Niels Wilhelm Gades „Fantasiestücke Opus 73“ breiten zu Beginn des Programms eine heitere Anmut aus, was auf dieser Aufnahme zum Einstieg die wunderbar symbiotische Musikzierkultur dieses Duos offen legt.
Noch spannender wird es im Folgenden: Alexander Gretchaninow ist vor allem vielen Klavierschülerinnen und – schülern als Etüdenkomponist bekannt. Aber seine Sonate Nr. 2 geht in zwei Sätzen weit über ein Lehrwerk voraus, denn diese Musik sprüht nur so vor Ambition und leichtfüßigem Fortschrittsgeist. Fast neoklassizistisch, manchmal ganz zart an Strawinski erinnernd kommt der erste Satz daher – eine trickreiche Gegenüberstellung von Walzerlyrik, romantischen Stilzitaten und vielen anderen musikalischen Ideen verleiht vor allem dem zweiten Satz so viel innovativen Charme. Damit ist eigentlich dieses zweite Werk auf dieser CD der Höhepunkt.
Nicolai Metners einsätzige „Sonata-Vocalise“ wird ihrem Titel gerecht, denn sie pflegt eine ausgeprägte kantable Linie, in der vor allem Lisa Shklyavers Klarinettenton empfindsam aufblüht. Nach so belebenden neuen Entdeckungen, die voller Respekt und kreativer Neugier auf vergangene Traditionen zurück blicken, wirkt es fast wie ein Nachhausekommen, wenn die ersten Töne von Schumanns Fantasiestücken erklingen. Lisa Shklyaver und Georgy Voylochnikov zeigen sich auch hier als eingespielte Symbiose. Einmal mehr überzeugt dieser weiche, charmante Ton von Lisa Shiklavers Klarinette. Immer dicht dran an jedem Ausdrucksmoment der Klarinette ist der Pianist Georgy Voylochnikov und macht dieses beseelte Musizieren komplett, welches trotz vieler impulsiver Ecken und Kanten auch immer den geschmeidigen dramaturgischen Bogen aufrecht er
Stefan Pieper

