CD-Rezension: Händel: Neun deutsche Arien HWV 202-210

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Eilika Wünsch (Sopran), Teo Raul Arias (Violine), Johann-Sebastian Sommer (Cello) Bernhard Wünsch (Klavier/Arrangements)
hänssler Classic HC 22009
Dass Georg Friedrich Händel inmitten seiner Londoner Erfolge mit englisch- und italienischsprachigen Großwerken einen intimen Arienzyklus in seiner Muttersprache komponiert hat, ist ebenso verwunderlich wie ein Glücksfall. Die „Neun deutschen Arien“ sind ein schönes Beispiel von Musik der frühen Empfindsamkeit, die nicht mehr ausschließlich barocker Formenpracht entspringt. Für nur vier Ausführende sind sie komponiert, nämlich Singstimme, Melodie-Instrument und Basso continuo. Interessant ist, dass jede Arie eine eigene Opusnummer im Werkverzeichnis bekommen hat – also auch einzeln aufgeführt werden kann und darf. Eine zyklische Aufführung ist natürlich trotzdem ein Mehrwert, Aufbau und Reihenfolge der Werke nach den Texten des Hamburgers Barthold Heinrich Brockes sind wohl durchdacht. Die Sopranistin Eilika Wünsch legt nun eine Neueinspielung vor (hänssler classic) – zusammen mit ihrem Ehemann, dem Pianisten und Dirigenten Bernhard Wünsch, Tea Raul Arias (Bamberger Sinfoniker, Violine) und Johannes-Sebastian Sommer (Göttinger Sinfonie-Orchester, Cello). Das Quartett musiziert nicht „historisch informiert“, wohl aber mit hörbarem Formbewusstsein und einer passenden klangliche Identität, weich und ohne zuviel Vibrato. Dass alle instrumentalen Melodiestimmen (im Original auch Flöte und Oboe) in derselben Besetzung gespielt werden, verleiht der Aufnahme noch mehr Geschlossenheit. Zwischen Stimme und Instrumenten wird intelligent ausbalanciert, der Schwerpunkt mal hier und mal dort gelegt. Der Hall auf dem Sound sorgt für einen Wohlfühlklang, manchmal aber auf Kosten der Textverständlichkeit – das ist hin und wieder schade. EIlika Wünsch gelingt es immer wieder, neue und überraschende Klangfarben anzubieten – besonders in der glockenhellen Höhe. Und wer bei Händel ein paar Hits sucht, bekommt sie mit „Ombra mai fu“ und „Lascia ch´io piango“ als Bonus mitgeliefert. Eine schöne Weihnachtsmusik für alle, die Händel abseits von „Messias“ und „Wassermusik“ hören möchten! Und die Texte sind im Booklet komplett abgedruckt.
Moritz Liebknecht

