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CD REED TETZLOFF und SIR JOHN ELIOT GARDINER mit Klavierkonzerten von ROBERT SCHUMANN und EDVARD GRIEG; aparte

03.12.2025 | cd

CD REED TETZLOFF und SIR JOHN ELIOT GARDINER mit Klavierkonzerten von ROBERT SCHUMANN und EDVARD GRIEG; aparte

„Von einer in sich gekehrten Poesie zu nordischem Feuer.“ Reed Tetzloff

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Es funktioniert doch, das generationenübergreifende Einverständnis, ja die musikalische Symbiose, möchte man in diesem Fall einer selten exquisiten künstlerischen Partnerschaft anmerken. Schlanker Ton und orchestrale Transparenz, klares Ausdrucksgewebe bei jugendlichem Elan und Schwung, dynamisch bewegter musikalischer Fluss, expressive Detailarbeit, federnd elastische Leichtigkeit und ein kleiner hochprozentiger Schuss an Unbekümmertheit.

Der US-amerikanische Pianist Reed Tetzloff und der einstige Originalklang Avantgardist Sir John Eliot Gardiner musizieren gemeinsam und das mit dem Luxembourg Philharmonic abseits aller historischen Instrumente Robert Schumanns und Edvard Griegs Klavierkonzerte in a-Moll, Op. 54 in der Version 1843 bzw. in a-Moll, Op. 16.

Dass die beiden in viel gespieltem und oftmals aufgenommenem Mainstream Repertoire auftreten, hindert sie nicht, mit eigenen Akzenten und Farbtupfern eine Art von ursprünglichem Interesse an beiden Konzerten zu wecken.   

Reed Tetzloff ist wie sein Kollege Vikingur Olafsson gerne bereit dazu, über Musik didaktisch und reflektorisch zu sprechen. Darüber hinaus verfasst er kluge Essays über Komponisten, wie zum Beispiel über Robert Schumann.

Für den technisch so versierten, glasklar anschlagenden – wunderbar sparsam schonender Umgang mit dem Pedal – und intellektuell sprühenden Künstler sind die beiden auf dem Album zu hörenden Klavierkonzerte „komplementäre Visionen des romantischen Klavierkonzerts auf dem Höhepunkt der Gattung“. Während das Klavierkonzert von Schumann, gedanklich und emotional verbunden mit seiner Identität und derjenigen seiner Frau Clara, sich wie eine intim zarte bis zum Fantastischen sich steigernde Konversation zwischen Klavier und Orchester anfühlt, legt Grieg mit seinen waghalsig ausgeführten Gesten und dramatischen Kontrasten einen extravertierten und heroischen Ton vor.

Tetzloff liebt es, die Musik im Sinne, von, was hat sie uns heute (noch) zu sagen, wo liegt die emotionale Wahrheit (schwieriges Thema), immer neu zu hinterfragen.

Was Schumanns Klavierkonzert anlangt, haben sich Tetzloff und Gardiner dazu entschlossen, auf eine Zwischenfassung des damals einzig existierenden Kopfsatzes aus dem Jahr 1843 zurückzugreifen. Anm.: Erst 1845 fügte Schumann ein Intermezzo und ein Rondo hinzu und vollendete das Klavierkonzert.

Was dabei so taufrisch aufmuntert und die Schumann-Aufnahme ungeheuer vital und spontan wirken lässt, ist die organisch sangliche Natur der Wiedergabe, ihr am schlagenden Herzen der angebeteten Liebsten orientierter Gestus. Wir können uns geheime Zeugen wähnen, der vertrauten Rhetorik intimer Seelen zu lauschen, Teil ihrer Sehnsüchte, ihrer spielerischen Auseinandersetzungen, final ihres unbeschreiblichen Liebesglücks zu sein, was insbesondere den ersten Satz ‚Allegro affettuoso‘ zu einem Schlüsselerlebnis des imaginierten Verhältnisses von Robert zu Clara erhebt. Was für ein großes musikalisches Gedicht, was für eine berührende Liebeserzählung in drei Akten hier unter den beredt rezitierenden Händen Tetzloffs und der ebenso sensitiven Stabführung von Sir Eliot Gardiner sich offenbaren!

Ganz anders ist das Klavierkonzert von Edvard Grieg in den Ecksätzen charakterisiert: martialisch, wuchtig, theatralisch und folkloristisch tänzerisch im dritten Satz. Oder sollen wir besser sagen hochromantisch extrovertierter? Der damals „24-jährige, wagemutige norwegische Komponist dazu bereit, Europa zu erobern?“ mutmaßt Reed Tetzloff, der dem Konzert eine Virtuosität und Bravour à la Liszt attestiert.   

Aber es erkennt sich auch, das artistische Band zwischen Schumann und Grieg, der in der Melodieführung und in seinen kammermusikalischen Schöpfungen nicht selten auf die Traditionen Schumanns rekurriert. Freilich darf sich Griegs Konzert seiner effektvollen Bravour auch mit Tetzloff/Gardiner schmücken. Wie nobel und feierlich, wie märchengleich sich dafür das lyrische Adagio verströmt. Im Finale rauscht es mitreißend temperamentvoll bis atemberaubend leidenschaftlich auf. Da lassen Tetzloff und Gardiner noch einmal ihren innovativen Musikergeist Funken schlagen, ihn zu kulminierten Höhepunkten freilaufen.

Fazit: Alte Schlachtrösser der Klavierliteratur im starken Galopp unbezwingbarer ‚Quarter Horses‘ völlig neu erlebt. Große Klasse!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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