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CD REBEKKA SUSANNE BRÄM: VULNERABLE & STRONG – Wesendonck-Lieder (Wagner), Zigeunermelodien op. 55 (Dvořák), Vier Lieder op. 27 (Strauss); Ievgeniia Iermachkova, Klavier; ARS Produktion

12.07.2026 | cd

CD REBEKKA SUSANNE BRÄM: VULNERABLE & STRONG – Wesendonck-Lieder (Wagner), Zigeunermelodien op. 55 (Dvořák), Vier Lieder op. 27 (Strauss); Ievgeniia Iermachkova, Klavier; ARS Produktion

bräm

Wagner, Dvořák und Strauss auf einer Lied-CD – das klingt zunächst nach einem weiten Feld. Doch was die Schweizer Sopranistin Rebekka Susanne Bräm hier vorlegt, ist mehr als die Aneinanderreihung dreier Repertoire-Blöcke. Es ist ein Programm mit These: Drei Liederzyklen zeigen drei Facetten desselben emotionalen Grundstoffs – Liebe, Sehnsucht, Natur, Freiheit – und legen zugleich den musikhistorischen Zusammenhang dahinter offen.

Diese Programmarchitektur ist die eigentliche Stärke des Albums. Wagners Wesendonck-Lieder legen die Messlatte gleich hoch: metaphysische Innerlichkeit, Klang gewordene Sehnsucht – Material, das teilweise schon den Tristan vorbereitete. Dvořáks Zigeunermelodien öffnen den Raum in eine ganz andere Richtung: erdiger, volksliedhafter, kontrastreich zwischen Melancholie und trotziger Lebensbejahung. Die Strauss-Lieder op. 27 schliessen den Bogen, indem sie beide Pole aufnehmen – die grosse romantische Geste und die intime Naturbetrachtung, kompositorisch auf höchstem Niveau verdichtet. Der gemeinsame Nenner ist dabei nicht nur thematischer Art, sondern auch historischer: Eine Linie führt von Wagners Zürcher Exil über seinen Einfluss auf Smetana und Dvořák bis zu Strauss, der sein Opus 27 schrieb, nachdem seine Frau Pauline als Elisabeth in Bayreuth debütiert hatte. Bräm hat diese Fäden im Booklet sorgfältig aufgearbeitet, mit Quellenkenntnis und persönlicher Reflexion – ein editorischer Mehrwert, der heute nicht mehr selbstverständlich ist.

Stimmlich bringt Bräm einen dramatischen Sopran mit, dessen wärmende Substanz dem Repertoire entgegenkommt. Man hört eine Sängerin, die den Text nicht illustriert, sondern von innen heraus gestaltet: Ausdruck entsteht aus dem Wort, nicht aus dem Effekt. Die Interpretation setzt durchgehend auf Gewicht und Textdurchdringung und lässt eine Künstlerin erkennen, die den Gehalt dieser Lieder ernst nimmt.

Wesentlichen Anteil am Gelingen der Aufnahme hat Ievgeniia Iermachkova. Ihr Klavierspiel versteht sich durchgehend als gleichberechtigter Dialogpartner – in den Wagner-Liedern mit feinem Gespür für die Gratwanderung zwischen kammermusikalischer Transparenz und orchestraler Andeutung, bei Dvořák mit rhythmischer Lebendigkeit und atmosphärischer Farbigkeit, im Strauss mit jener grosszügigen Geste, die dieses Repertoire verlangt. Hier hören zwei Musikerinnen einander spürbar zu.

Die Klangtechnik des ARS-Labels tut das Ihre: transparent und ausgewogen abgemischt, der Klavierklang detailreich erfasst, die Stimme natürlich platziert, ohne künstliche Nähe oder Distanz. Räumlichkeit und Dynamik bewegen sich auf dem hohen Niveau, das man von diesem Label kennt.

Das eröffnende Gedicht Vulnerable & Strong, von Bräm selbst verfasst, mag zunächst wie ein persönliches Statement wirken, das über den Rahmen einer Lied-CD hinausgreift. Es setzt jedoch den emotionalen Grundton, der die gesamte Aufnahme trägt: Musik als Sprache dort, wo Worte nicht reichen. Ob man diesen programmatischen Zugang teilt oder die Musik lieber für sich sprechen lässt, bleibt dem Hörer überlassen. Sie hält beides aus.

Stefan Pieper

 

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