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CD / PIOTR BECZALA – Vincerò ! PENTATONE LC 12686

02.06.2020 | cd

CD / PIOTR BECZALA – Vincerò !

PENTATONE LC 12686

Vincerò!

Vierzehn Jahre sind es her seit meiner ersten unvergesslichen Live-Begegnung mit Piotr Beczala als „Werther“, was hat sich die großartige Stimme inzwischen entwickelt und nun präsentiert der inzwischen international renommierte Tenor sein Recital mit italienischen Arien auf dem Label Pentatone.

Sieben Rollen-Portraits aus der Feder Giacomo Puccinis lassen das herrliche Material des polnischen Tenors in purem Belcanto erstrahlen. Schmelzreich preist der Maler die Schönheit der geliebten „Tosca“ und erinnert sich schmerzvoll zu E lucevan le stelle an glorreiche Tage.

Vorzüglich phrasiert schwärmt Des Grieux von „Manon Lescaut“ und lässt burschikos Tra voi, belle folgen. Mit dem Schalk im Nacken singt Beczala die Canzone Avete torto aus dem musikalischen Schwank „Gianni Schicchi“, reumütig, schmerzvoll zu Addio fiorito asil nimmt er Abschied von „Madama Butterfly“.

Piotr Beczala gestaltet sehr durchdacht in idiomatischen Einfärbungen dank seines Belcanto-Timbres, welches prädestiniert für die Puccini-Kantilenen in bestechender Klangschönheit ertönen. Faszinierend realisiert der vielseitige Sänger Piano-Qualität, überragenden Höhenglanz, facettenreiche Erzählprosa gepaart mit Eleganz und tonalen Emotionen. Gehaltvoll, kernig, dunkelgefärbt erstrahlen glanzvoll Ch´ella mi creda libero aus „La Fanciulla del West“ und sehr leidenschaftlich Orgia, chimera dall´occhio vitreo des „Edgar“.

Mit dem Ausflug in veristische Gefilde demonstriert die Genese des Sängers ungemein und in prächtiger Vokalise erstrahlen zwei Pretiosen aus „Andrea Chenier“ und das kurze Arioso Amor ti vieta aus „Fedora“ (Umberto Giordano). Noch unbeschwert singt Turriddu Intanto amici und nimmt sodann schmerzvoll Abschied von Mamma Lucia (Evgeniya Khomutova) im sizilianischen Drama „Cavalleria rusticana“ (Pietro Mascagni) und bringt die Verzweiflung Canios mit Recitar.. aus „I Pagliacci“ (Ruggero Leoncavallo) sehr ausdruckvoll dar. Drei Arien des Maurizio aus „Adriana Lecouvreur“ (Francesco Cilea) gestaltet Beczala stilversiert, zu eminentem Instinkt und in vokaler Schattierungskunst ebenso höchst eindrucksvoll.

In wenigen Passagen assistierte der Cor de la Generalitat Valencia. Lyrisch, dramatisch, rhythmisch in bester Instrumental-Qualität begleitet das Orquestra de la Comunitat Valencia unter der sensiblen Stabführung von Marco Boemi.

 Mit dem unverwüstlichen Nessun dorma aus „Turandot“ beschließt der Tenor sein interessantes Recital. Nach 53 Minuten ist der Zauber vorbei und man hätte sich gerne noch einige Arien dieser herrlichen Stimme auf dem verbliebenen Silberscheibenrest gewünscht.

Für Freunde tenoralen Belcantos sowie einer der schönsten Stimmen unserer Zeit, sei die CD bestens empfohlen.

Gerhard Hoffmann

 

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