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CD: PIETRO ANTONIO CESTI: LA DORI – Accademia Bizantina, Ottavio Dantone

21.01.2021 | cd

CD: PIETRO ANTONIO CESTI: LA DORI – Accademia Bizantina, Ottavio Dantone

 Barocke Oper vom Allerfeinsten!

Marc (Pietro) Antonio Cesti: La Dori, overo Lo schiavo reggio (Oper in 3  Akten) (2 CDs) – jpc

2019 führten die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik aus Anlass des 350. Todestages von Pier Antonio Cesti dessen «Dramma musicale» «La Dori, overo Lo schiavo reggio» auf. Nun ist diese Produktion bei Label cpo als CD erschienen.

Antoni Cesti, von 1637 bis 1659 mit dem Ordensnamen Pietro Franziskaner, gehört neben Francesco Cavalli, zu den wichtigsten Protagonisten der venezianischen Oper. Cavallis Bedeutung liegt in der Konsolidierung der Gattung Oper in Venedig, Cestis Bedeutung darin, die Oper in die Länder nördlich der Alpen gebracht zu haben. Die entscheidenden Stationen hierfür sind Innsbruck, wo er von 1652 bis 1657 «maestro di cappella della camera» in der Privatkapelle von Erzherzog Ferdinand Karl war, und Wien, wo er von 1665 bis 1667 Kapellmeister am Hof von Kaiser Leopold I. war.

Im 1654, an der Stelle, wo heute das Tiroler Landestheater steht, eröffneten Hoftheater von Christoph Gumpp dem Jüngeren, kamen drei Opern von ihm und seinem ebenfalls aus Arezzo stammenden Librettisten Giovanni Filippo Apolloni zur Aufführung: 1655 zu Ehren der zum Katholizismus konvertierten Königin Christina von Schweden, die auf dem Weg nach Rom in Innsbruck Station machte, «L’Argia», 1656 «L’Orontea» und 1657 «La Dori, overo Lo schiavo reggio».

«La Dori, overo Lo schiavo reggio» gehört neben Cestis wohl berühmtesten Werk «Il pomo d’oro» zu den beliebtesten Werken des 17. Jahrhunderts

Am höchst komplizierten Libretto der Verkleidungs- und Verwechslungskomödie, dem für die zeitgenössischen Librettistik so typischen Verwirrspiel um zwei junge Paare, kann es, obwohl es zum Vorbild für andere Librettisten wie Apostolo Zeno wurde, nicht gelegen haben. Der auch für Cestis Rolle als Vermittler der Oper entscheidende Punkt ist die Musik: Cestis Werke sind durch eine dramatische und primär musikalische Textbehandlung geprägt. Als glanzvoller Melodiker legte er starkes Gewicht auf die Arien und forcierte so mit dem Resultat gesteigerter Expressivität die Trennung von Rezitativ und Arie. Ein Vergleich überlieferter Bearbeitungen von «La Dori» lässt die Entstehung der klassischen Standard-Szene mit Abgangsarie erkennen. Verschiedentlich fügte er Arien ohne die entsprechenden Rezitative zusammen und schuf so grössere Zusammenhänge. Von geschlossenen Nummern zu sprechen wäre wohl noch verfrüht.

Die Accademia Bizantina unter ihrem musikalischen und künstlerischen Leiter Ottavio Dantone spielt einen traumhaft farbigen Cesti voll Leben und Energie und trägt die Sänger auf Händen durch die ohne Prolog gut zweieinhalb Stunden Musik.

Das Ensemble der Solisten kann man sich besser kaum denken: Barocke Oper vom Allerfeinsten! Francesca Ascioti als Dori/Ali, Emőke Baráth als Tolomeo/Celinda und Francesca Lombardi Mazzulli als Arsinoe versprühen um die Wette vokalen Liebreiz allererster Güte. Die Rollen des Oronte und Bagoa sind mit Countertenören besetzt: Rupert Enticknap und Konstantin Derri. Mit Federico Sacchi als Artaxerse, Bradley Smith als Arsete, Alberto Allegrezza als Dirce, Pietro Di Bianco als Erasto und Rocco Cavalluzzi als Golo wissen die tieferen Register genauso zu begeistern. Kurz und gute: eine perfekte Ensemble-Leistung

Ein Traum!

 

21.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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