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CD: PAUL WRANITZKY: Orchestral Works • 6 – Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Marek Štilec

29.07.2023 | cd

CD: PAUL WRANITZKY: Orchestral Works • 6 – Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Marek Štilec

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WORLD PREMIERE RECORDINGS

Ein mährischer Meister in Wien

Der am 30. Dezember 1756 im mährischen Neureisch (heute: Nová Říše) geborene Komponist und Dirigent Paul Wranitzky und sein jüngerer Halbbruder Anton (1761-1820) spielten im Musikleben Wiens im ausklingenden 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Nach seiner ersten musikalischen Ausbildung im Prämonstratenserkloster seiner Heimatstadt und Studien in Iglau (heute: Jihlava) und Olmütz (heute: Olomouc) kam Wranitzky 1776 nach Wien, um auf Wunsch seiner Eltern Theologie zu studieren. Hier fasste er rasch Fuss und wurde Musikdirektor am theologischen Seminar und 1783 Musikdirektor beim Grafen Johann Baptist Esterházy de Galántha, einem Verwandten der in Eisenstadt residierenden Esterházys. Auf Empfehlung des Grafen wurde Wranitzky Mitglied der Loge «Zur gekrönten Hoffnung» und mit der Zusammenlegung von drei Wiener Logen im Jahre 1785 Logenbruder Mozarts. Im Rahmen der Loge lernte Wranitzky 1783 auch Joseph Martin Kraus (1756-1792) kennen, als sich dieser in Wien aufhielt. Ob der bereits arrivierte Komponist ihn nur ermunterte oder auch Unterricht erteilte, ist nicht überliefert. 1785 wurde Wranitzky Musikdirektor am Kärntnertortheater, 1787 dann auch am Burgtheater. Beide Positionen behielt er bis zu seinem Tod. Wranitzkys erstes Bühnenwerk, das Singspiel in drei Akten «Oberon, König der Elfen» wurde am 7. November 1789 im Freihaustheater von der Truppe Emanuel Schikaneders uraufgeführt. Der Erfolg war so gross, dass Schikaneder in der Folge mehrere Märchenopern produzierte, unter denen Mozarts Zauberflöte wohl die Bekannteste ist. Die Popularität von Wranitzkys Singspiel war bis Carl Maria von Webers Oberon von 1826 ungebrochen. Von 1794 bis 1807 war Wranitzky Sekretär der Tonkünstler-Societät, er feierte Erfolge als Dirigent und war der bevorzugte Komponist der Kaiserin Maria Theresia. Am 26. September 1808 starb Wranitzky in Wien. Sein Schaffen, mit 45 überlieferten Sinfonien war er in den 1790ern der auf diesem Gebiet führende Komponist, stand bald im Schatten jenes seiner Freunde Mozart, Haydn und Beethoven.

Für die sechste Aufnahme der Reihe «Tschechische Meister in Wien» hat sich Marek Štilec aus m Schaffen Wranitzkys drei Schauspielmusiken ausgesucht. Als Musikdirektor gehörte es zu seinen Pflichten für neue Stücke Musiken bestehend aus einer Sinfonia zu jedem einzelnen Akt und allenfalls einzelne weitere Stücke zu komponieren.

Schon die Musik zu August von Kotzebue (1761–1819) «Die Spanier in Peru, oder Rollas Tod» (1795) zeigt einerseits Wranitzkys Willen konkret auf den Inhalt der Stücke (ein an Mozarts Entführung und deren Janitscharen-Musik gemahnender Marsch) einzugehen und die Übernahme einzelner Passagen in seine grossen Sinfonien die Sorgfalt, mit der er diese Kompositionen erledigte.

Die Musik zu «Jolantha, Königin von Jerusalem» (1797), eine Kreuzrittergeschichte, von Friedrich Wilhelm Ziegler (1761–1827) ist geprägt vom Gegensatz der religiösen und militärischen Sphäre.

Bei Achmet und Zenide von by August Wilhelm Iffland (1759–1814), das im Gouverneurs-Palast einer fernen türkischen Provinz spielt, arbeitet Wranitzky meisterhaft mit der Couleur locale

Das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Leitung von Marek Štilec musiziert gewohnt zuverlässig, höchst aufmerksam, farbig und spielfreudig und setzt die «romantische Wiener Klassik» aufs Prächtigste um. Es wird richtig in den Klängen geschwelgt. Die Spannung und die hörbare Spiellaune und vor allem die enthusiasmierende Wirkung der Musik halten die ganze Aufnahme hindurch.

Erneut: Herrliche Musik!

29.07.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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