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CD: OPERA COMIQUE OUVERTURES – ORF Radio Symphony Orchestra Vienna, Michael Halász

12.05.2020 | cd

CD: OPERA COMIQUE OUVERTURES – ORF Radio Symphony Orchestra Vienna, Michael Halász

 Leichte Kost gut zubereitet

Die Opéra comique gehört neben der Grand Opéra und dem Drame lyrique zu den drei Gattungen, die die französische Oper des 19. Jahrhunderts prägen. Die Opéra comique ist aber auch, was ab und an zu Verwechslungen führt, Institution und Truppe.

Auch wenn schon vorher Stücke mit dieser Gattungsbezeichnung existierten, setzt die Wissenschaft den Beginn der Geschichte der Opéra comique mit der Vereinigung der Comédie Italienne und die Opera-Comique unter dem Namen Comédie-Italienne bzw. Theatre-Italien im Februar 1762 an. Schon 1780 erhielt die Institution offiziell den Namen Opera Comique, wenngleich die Öffentlichkeit und in der Presse noch bis 1793 an dem Begriff Comédie-Italienne festhielten. Die Entstehung und Geschichte der Opéra comique ist geprägt durch Streitigkeiten mit der Comédie-Française, die ihr den Dialog auf der Bühne verbieten ließ, und mit der Opéra, die gegen die Verwendung von Musik und Tanz vorging. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass die aus dem Volkstheater des 17. Jahrhunderts entstandene Opéra comique zu wenig elitär war.

Eine grosse Blüte, gerade auch als Pendant zu Grand Opéra erlebte die Opéra comique in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Charakteristikum der Opéra comique ist, wie von Anfang an, grundsätzlich der Wechsel zwischen gesprochenem Dialog und gesungenen Nummern, wohingegen in der Grand Opéra „nur“ gesungen wird. Für die Stoffwahl der Opéra comique war von Anfang an das literarische Bemühen wichtig, stets zeitgemäße und zeitkritische Stoffe (von der Farce, Parodie, Sittenkomödie bis zum realistischen, historischen oder politischen Drama) auf die Bühne zu bringen, während dem sich die Grand Opéra auf grosse historische Stoffe verlegte. Opéra comique war von Anfang an immer auch Parodie: In der Anfangszeit auf die Tragédie lyrique, dann auf andere Opern und die Parodie wird dann auch ein ganz wichtiges Charakteristikum ihrer Spätzeit und ihrer Nachfolgerin, der Operette.

Zu den Schwierigkeiten der Rezeption gehört einerseits das Sprachproblem, dass die Opéra comique ganz wesentlich auch von der Sprache lebt und deren Eigenheiten nur sehr schwierig übersetzt werden können und andrerseits die heutige Geringschätzung gegenüber der „leichten“ Muse.

Das Radio Symphonieorchester Wien unter Michael Halász hat nun beim Label Naxos eine CD mit Ouvertüren zu Opéras comiques des 19. Jahrhunderts vorgelegt. François-Adrien Boieldieu mit „Le calife de Bagdad“ und Etienne-Nicolas Méhul mit den Ouverturen zu „Joseph“ und Héléna“ repräsentieren die Opéra comique des frühen 19. Jahrhunderts. Die klassische Opéra comique wird von Ferdinand Herold („Zampa“), Jacques Fromental Halévy („Les Mousquetaires de la Reine“) und Louis-Aimé Maillart („Les dDragons de Villars“) vertreten. Ergänzt wird die vorzügliche Zusammenstellung durch Werke von Gounod („La nonne sanglante“), Offenbach („Le Mariage aux lanternes“), Lecoq (La Petite Mariée“) und Delibes („Le Roi l’a dit“).

Das Radio Symphonieorchester Wien musiziert so farbig und leicht, dass die Lust auf mehr Opéra comique mit jedem Track wächst.

12.05.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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