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CD: OFFENBACH FANTASTIQUE – SYMPHONIC MUSIC BY JACQUES OFFENBACH  – Leipziger Symphonieorchester, Nicolas Krüger

09.04.2020 | cd

CD: OFFENBACH FANTASTIQUE – SYMPHONIC MUSIC BY JACQUES OFFENBACH  – Leipziger Symphonieorchester, Nicolas Krüger

 

„Mein Traum war immer, eine Versicherung auf Gegenseitigkeit zur Bekämpfung der Langeweile zu gründen.“

Offenbach Fantastique! | HIGHRESAUDIO

Als Nachtrag zum Offenbach-Jahr (2019, 200. Geburtstag) hat das Leipziger Symphonieorchester unter Nicolas Krüger eine CD mit „sinfonischer Musik“ veröffentlicht.

Leider offenbart das Booklet, dass das Jubiläumsjahr unbemerkt und folgenlos an den Verantwortlichen vorübergezogen ist. Die auf der CD versammelten Werke, abgesehen von Orpheus in der Unterwelt, als unbekannt zu bezeichnen, zeugt von Unkenntnis der aktuellen Spielpläne. Sowohl „Fantasio“ (https://onlinemerker.com/koeln-philharmonie-fantasio-pazifistische-oper-von-jaques-offenbach) wie auch „König Karotte“, „Barkouf“, „Robinson Crusoë“ und „Les Fées du Rhin“ waren in den beiden vergangenen Spielzeiten im nicht französischsprachigen Europa ein- oder mehrfach zu erleben.

„Barkouf ou un chien au pouvoir“ (https://onlinemerker.com/koeln-oper-barkouf-ou-un-chien-au-pouvoir-von-jaques-offenbach/) war für seine Zeit schon ausgesprochen modern und scheint es, wenn als „haarsträubend“ bezeichnet wird, auch noch für manche Geister der Gegenwart zu sein.

Bei „Les Fées du Rhin“ (https://onlinemerker.com/biel-solothurn-les-fees-du-rhin-von-jaques-offenbach-premiere/) handelt es sich keineswegs um zusammengeschusterte Versatzstücke früherer Werke, sondern ein durchdachtes Werk des Pazifisten Offenbach. Für einmal war Offenbach nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Ein Friedensappell des naturalisierten Franzosen Offenbach an die Deutschen am Vorabend des Krieges musste in Wien ungehört verhallen. Die Idee ein patriotisches Lied als Liebeslied mit Harfenbegleitung zu gestalten stand dem Erfolg gleichermassen entgegen wie die Umstände der der Uraufführung in Wien: „Les Fées“ wurde in einer mässigen Übersetzung von Alfred von Wolzogen an der Hofoper uraufgeführt, nachdem die Proben zur Uraufführung von Wagners „Tristan und Isolde“ abgesagt wurden. Das löste Unmut bei Wagner selbst, vor allem aber auch bei der wagnertreuen Presse aus. Eduard Hanslick, auf den auch der falsche deutsche Titel des Werks zurückgeht, riet Offenbach in seiner Kritik der Uraufführung, er solle sein Territorium „nur ausdehnen, aber nicht wechseln“.

Das Leipziger Symphonieorchester unter Nicolas Krüger spielt in unpassend grosser Besetzung auf. Entsprechend romantisch breit, aber längst nicht mehr zeitgemäss, ist der Klang.

Mit dieser Aufnahme wird die Langeweile eher gefördert.

 

09.04.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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