CD-OC 1729 RICHARD WAGNER: „TRISTAN UND ISOLDE“
an orchestral passion

OEHMS CLASSICS veröffentlichte in der Vergangenheit u.a. eine Reihe von Orgel-Transcriptionen (einige Rezensionen waren bereits hier gedruckt) des Organisten Hansjörg Albrecht, auf der neuen CD ist nun der geniale Solist als Dirigent der Staatskapelle Weimar und zwar mit Richard Wagners „Tristan und Isolde – an orchestral passion“ zu erleben. Über das Werk bemerkte dereinst der Philosoph Slavoj Zizek: Erlangen der erwünschten Seligkeit.
Bei der vorliegenden Aufnahme kann man diese Worte akustisch nachvollziehen, Hansjörg Albrecht zeigt sich hier im Zentrum seiner großartigen Kompetenz und inspirierte die Staatskapelle Weimar zu einfach hinreißender Interpretation. Nun möchte ich keine Instrumentalgruppen besonders hervorheben denn dem Gesamt-Klang-Apparat gebührt das höchste Lob. In ruhigem Atem, gleich einer Meditation erhob sich das Vorspiel, steigerte sich allmählich in den farbenprächtigen leidenschaftlichen Rausch der Lichtstimmungen. Transparent geleitete der subtile Hörnerschall in Isoldes ungeduldiges Liebesverlangen des zweiten Aufzugs, die Emotionen des Paares kochen hoch, fanden im traumhaft intonierten Streicherklang bei O sink hernieder geradezu sphärische Erfüllung, von Harfenschlag umhüllt erklang, nein wurde der Wachgesang zelebriert, sodann steigerten sich die Instrumentalwogen in höchster Lust in die hymnische Ekstase der Liebenden. In feinfühligem Gespür verwebte Albrecht dank der famosen Disposition der hervorragend musizierenden Staatskapelle die thematischen Gefühlswelten zu orchestraler Prachtentfaltung. Schwermütig intonierte das Englischhorn die bretonische klagende Weise, in beschwörender Formation steigerten sich die orchestralen Eruptionen zu Tristans Visionen , man fieberte mit dem Helden.
Elegisch erhob sich das Violinsolo zu Isoldes Liebestod berauschend steigerten sich die Wogen ins Finale.
Diese „Tristan-Symphonie“ belebte Wagners phänomenales Liebes-Epos auf akustisch-narkotische Weise erneut und dürfte selbst hartgesottene Gegner dieses Metiers überzeugen, ja verzaubern. Nur schade, dass man mit 58:02 Spieldauer weitere Themen geflissentlich verschenkte.
Gerhard Hoffmann

