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CD: Nightingale String Quartet mit Streichquartetten von Vagn Holmboe bei dacapo records

12.01.2021 | cd

 Nightingale String Quartet mit Streichqaurtetten von Vagn Holmboe

Neu auf CD bei dacapo records: Streichquartette von Vagn Holmboe/

Auf Entdeckungsreise

Vagn Holmboe: Sämtliche Streichquartette Vol.1 (CD) – jpc

 

Er gilt als Dänemarks wichtigster Sinfoniker neben Carl Nielsen. Aber auch die Streichquartette von Vagn Holmboe sind höchst expressiv und stark von Bela Bartok beeinflusst. Er schrieb 30 Streichquartette. Die vier Musikerinnen des dänischen Nightingale String Quartets betonen, dass es gerade von Holmboe Streichquartette gibt, die noch niemals eingespielt wurden. Es handelt sich also insofern um eine echte Wiederentdeckung des 1996 gestorbenen Komponisten. Die erste CD dieser ambitionierten Reihe präsentiert nun die Streichquartette Nr. 1, Nr. 3 und Nr. 5. Die Beeinflussung durch Volksmusik aus dem Balkan ist beim Streichquartett Nr. 1 auffallend. Bei den beiden anderen Quartetten Nr. 3 und 15 dominiert die dänische Klangwelt und Harmonik deutlich. Das 1949 entstandene Streichquartett Nr. 1 trägt den Untertitel „In memoriam Bela Bartok“. Balkan-Rhythmen und die für Bartok typische Brücken-Form treten hier deutlich heraus. Dies zeigt sich vor allem beim langen Bratschensolo. Auch das Streichquartett Nr. 3 op. 48  ist von Bartok beeinflusst. Aber Holmboe orientiert sich auch an Joseph Haydn, was die eng miteinander verwobenen Motive beweisen. Joseph Haydn war Holmboes großes Vorbild – und dies nicht nur in der klassischen Form. Am eindrucksvollsten wirkt bei dieser Aufnahme das Streichquartett Nr. 15, wo der „Schrei der Seemöve“ immer wieder deutlich zu hören ist. Vagn Holmboe liebte melodische Fragmente und Teilstücke, die er flexibel einsetzte. Dies arbeiten die gut aufeinander abgerstimmten Musikerinnen präzis heraus. Das Nightingale String Quartet mit Gunvor Sihm (Violine), Josefine Dalsgaard (Violine), Louise Broholt Jensen (Viola) und Louisa Schwab (Violoncello) ist der Überzeugung, dass sich der Komponist häufig an der Grenze zur Atonalität bewegt. Seine Musik lasse sich nicht nur mit Bartok, sondern auch mit Schostakowitsch vergleichen. Den typisch nordischen Sound arbeiten die vier Musikerinnen eindringlich heraus. Vagn Holmboe war sehr an der Natur interessiert. Manche schneidende Schärfe martialischer Partien kommt bei der Einspielung grell zum Vorschein. Die Klangfluten fächern sich in Cluster-Manier auf. Dynamische Steigerungen und Kontraste fallen stark ins Gewicht. Die Instrumente scheinen sehr direkt zum Zuhörer zu sprechen, Holmboes intensive Melodik möchte dem Publikum stets etwas mitteilen. Es herrscht ein unaufhörlicher Bewegungsmodus zwischen komplexen kontrapunktischen Strukturen oder chromatischen Aufschwüngen. Die suggestive Metamorphose thematischer Fragmente erinnert oft auch an Jean Sibelius. Diese Musik besitzt manchmal einen grüblerischen, schwermütigen Charakter. Allerdings wird den Klangwelten zuweilen ganz auf den Grund gegangen. Hier agieren die Muskerinnen des Nightingale String Quartets ausgesprochen emotional, geradezu leidenschaftlich – niemals verhalten oder gar vordergründig. Man kommuniziert in direkter Form mit dem Zuhörer. Es ist zu wünschen, dass diese Musik bald auch in deutschen Konzertsälen zu hören ist.      

Alexander Walther

 

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