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CD: Neue CD mit Werken von Philippe Gaubert bei claves records erschienen/ Impressionen der Flöte

06.01.2023 | cd

Neue CD mit Werken von Philippe Gaubert bei claves records erschienen/

Impressionen der Flöte

gau

Bei den Kompositionen des Franzosen Philippe Gaubert (1879 bis 1941) spielt die Flöte die Hauptrolle. Das wirkt expressionistisch und exotisch zugleich. Bis heute sind die meisten von Gauberts Kompositionen hierzulande unbekannt. Die frankoschweizerische Flötistin Nolwenn Bargin hat sich mit dem von ihr gegründeten Kammerensemble Chant du Vent zusammen mit der Pianistin Maki Wiederkehr jetzt auf Spurensuche begeben. Klar ist, dass Philippe Gaubert im Schatten von Claude Debussy steht. Gaubert ist stark von den Stilrichtungen der Musik in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Wie kaum ein anderer hat sich dieser Flötist,  Dirigent und Komponist für sein Instrument engagiert. Bei der reizvollen „Sicilienne“ für Flöte und Klavier steht eine eindringliche Melodie im Mittelpunkt, die an die Sicilienne eines Gondoliere erinnert. Die „Fantaisie“ für Flöte und Klavier  ist ein sehr virtuoses und impressionistisches Werk, das auch an Gabriel Faure gemahnt. Selbst eine große Kadenz wirkt hier exotisch. Interessant und klangfarbenreich sind außerdem die subtil interpretierten „Medailles antiques“ für Flöte, Violine und Klavier, wo differenzierte harmonische Klangfarben vorherrschen, die für Gaubert typisch sind. Das Madrigal für Flöte und Klavier besticht nicht nur durch große formale Klarheit, sondern vor allem auch durch klangliche Leuchtkraft und ausgesprochen kantable Momente. Auch hier wird der große Einfluss von Gabriel Faure deutlich. Abwandlungen der klasssisch-romantischen Überlieferungen sind dabei erkennbar. Bei „Deux Esquisses“ für Flöte und Klavier aus dem Jahre 1914 faszinieren neben den Reminiszenzen an Beethoven vor allem die betont lyrischen  Passagen. Poetische Inspirationen fallen immer wieder in besonderer Weise auf.  Bei „Trois Aquarelles“ für Flöte, Cello und Klavier, die während des ersten Weltkriegs entstanden sind, herrscht ein elegischer Grundton vor – vor allem bei der „Serenade“. Die „Ballade“ für Flöte und Klavier ist wiederum lyrisch und virtuos zugleich. Neben differenzierter Harmonik fallen vor allem chromatische Finessen ins Gewicht, die Nolwenn Bargin mit ihrem Ensemble Chant du Vent in ausgesprochen reizvoller Weise zu Gehör bringt. „Nocturne et Allegro scherzando“ für Flöte und Klavier wirken nocturneartig und kantabel zugleich. Zuweilen fallen Dur-Parallelen ins Gewicht. Klanglich inspirierend ist ferner das „Divertissement Grec“ für zwei Flöten und Harfe, wo die filigranen melodiösen Verästelungen positiv auffallen. Es ist eine berührende Erinnerung an Griechenland mit seinen Faunen und Nymphen. „Sur l’eau“ für Flöte und Klavier sowie „Berceuse“ für Flöte und Klavier sind ebenfalls Schmuckstücke der Kammermusik, die neben großer kombinatorischer Fantasie auch klassisch-romantische Vorbilder erkennen lassen. Die schlichte Melodik wird dabei zum Ereignis.

Alexander Walther

 

Zum Video:
https://www.youtube.com/watch?v=IQrl7b1xf5M

 

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