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CD NATALE VENEZIANO – Polyphoner Ensemblegesang im Venedig des Frühbarocks – Il Pomo d’Oro mit weihnachtsliturgischer Musik. Arcana

11.11.2025 | cd

CD NATALE VENEZIANO – Polyphoner Ensemblegesang im Venedig des Frühbarocks – Il Pomo d’Oro mit weihnachtsliturgischer Musik von Monteverdi, Andrea und Giovanni Gabrieli, Bassano, Cavalli, Schütz und einem Magnificat von Alessandro Grandi (Weltersteinspielung); Arcana

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Barockmusik zu Weihnachten passt immer. Seien es die festlich jauchzenden Weihnachtsoratorien von J.S. Bach oder von M. A. Charpentier, die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz, Weihnachtsresponsorien des Spaniers José de Nebra oder sinnlich Barockes aus Venedig oder Neapel vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

In der vorliegenden Anthologie sakraler Werke entführt uns der 2021 gegründete Chor Il Pomo d’Oro, begleitet von Orgel, Harfe und Violone, unter der musikalischen Leitung von Giuseppe Maletto durch das vokal venezianisch-weihnachtliche Musikschaffen des 16. und 17. Jahrhunderts. In der Zeitspanne von etwa hundert Jahren von Andrea Gabrieli bis Francesco Cavalli war das religiös und ökonomisch aufgeschlossene Venedig solch historischen Ereignissen wie der kollektiven Exkommunikation durch Papst Paul V., dem Erbfolgekrieg von Mantua oder der Pest 1630 (was den Tod etwa der Hälfe der regionalen Bevölkerung zur Folge hatte) unterworfen. Als Dank für die Befreiung von der Seuche errichteten die Venezianer die Kirche Santa Maria della Salute.

Von all dem Ungemach ist in den vorliegenden Werken musikalisch rein gar nichts zu spüren. Inwieweit individuelle Biografien, etwa das Überleben der Pest, wie Claudio Monteverdi das große Glück hatte es zu schaffen, in der Inspiration eine Rolle spielte, sei der Mutmaßung der Hörerschaft anheimgestellt.

Formal haben wir es mit Motetten bzw. vertonten Psalmen mit ihren kunstvollen Chören und Doppelchören in unterschiedlichen Stimmgruppenkombinationen und Besetzungsstärken zu tun. Vom Klangcharakter her reicht die Bandbreite von genuin Protestantischem (H. Schütz „Hodie Christus natus est“), bis zu vier – bis achtstimmig Madrigaleskem in einer breiten affektiven Rangfolge von intim bis freudig tänzelnd und majestätisch festlich.

Il Pomo d’oro pflegt einen schlanken, transparenten Klang, wobei die einzelnen Sängerinnen und Sänger als Solisten durchaus ihre individuellen Stimmfarben und -charaktere entfalten können. Die Musik schwingt und wogt in angenehmen Amplituden, die organische Atmung und Phrasierung verleiht den Gesängen etwas natürlich Federndes.

Meine Favoriten: Claudio Monteverdis „Confitebor tibi Domine“, SV 265, (=Ich will den Herrn loben von ganzem Herzen) auf den Psalm 111 im stile concertato mit einander reizvoll abwechselnd Passagen aus Terzett und Chor zu wiederkehrenden harmonischen Mustern. Aber auch dessen achtstimmiges „Laudate Dominum“, SV 274, in dem zwei Sopranistinnen und das gesamte Vokalensemble kontrastierend alternieren, zeugt von höchster freudig-feierlicher Prachtentfaltung. Balsam für Ohr und Gemüt. Weihnachten kann kommen!

  • Heinrich Schütz: Hodie Christus natus est, SWV 456
  • Claudio Monteverdi: Dixit Dominus, SV 191; Confitebor tibi Domine, SV 265; Beatus vir, SV 269; Laudate pueri Dominum, SV 196; Laudate Dominum, SV 274
  • Andrea Gabrieli: Angelus ad pastores ait
  • Giovanni Bassano: Quem vidistis pastores
  • Giovanni Gabrieli: O Jesu mi dulcissime
  • Francesco Cavalli: Alma redemptoris mater; Salve Regina
  • Alessandro Grandi: Magnificat

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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