CD: Mozart, Sinfonie Nr 35, Haffner-Sinfonie, Klavierkonzert c-Moll KV 491, Hans-Jürg Strub, Würtembergische Philharmonie Reutlingen, Christian Erny; ARS-Produktion

Um Raritäten handelt es sich bei Mozarts „Haffner-Sinfonie“ und dem c-Moll-Klavierkonzert KV 491 gewiss nicht. Ein Blick in den Katalog genügt, um festzustellen, dass diese Werke zu den meistgespielten des Salzburger Meisters gehören. Die Diskographie reicht von den legendären Einspielungen unter Bruno Walter über die stilbildenden Interpretationen eines Karl Böhm bis hin zu den historisch informierten Lesarten der Gegenwart. Dennoch gelingt es dem Schweizer Pianisten Hans-Jürg Strub und seinem ehemaligen Schüler, dem Dirigenten Christian Erny, zusammen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen eine bemerkenswerte Neueinspielung vorzulegen, die aufhorchen lässt.
Die aus Mozarts reifer Schaffensphase der 1780er Jahre stammenden Werke könnten in ihrer Grundstimmung kaum unterschiedlicher sein. Die ursprünglich als Serenade für eine Salzburger Patrizierfamilie komponierte Haffner-Sinfonie entfaltet im Dreiermetrum des ersten Satzes einen unwiderstehlichen Sog. Christian Erny und das hellwach reagierende Orchester lassen die Kontraste der Partitur mit beeindruckender Präzision aufleuchten. Markante Sforzati setzen kluge Akzente, während die Streicher ihre Linien mit natürlicher Noblesse zeichnen. Besonders beeindruckt die Transparenz des Orchesterklangs, die auch in dichten Tuttistellen nie verloren geht.
Das Andante besticht durch den warmen, samtigen Ton der Holzbläser, deren Dialoge sich kammermusikalisch intim entfalten. Ernys Erfahrung als Chorleiter kommt der vokalen Gestaltung der Melodielinien hörbar zugute – jede Phrase atmet und singt mit natürlicher Eloquenz. Im Menuett gelingt die Balance zwischen höfischer Eleganz und volkstümlicher Derbheit vorbildlich, während das Finale mit sprühendem Esprit und präzise ausgespielten dynamischen Kontrasten überzeugt.
Sein kluges Statement, dass Mozart keine revolutionäre Neuinterpretation brauche, gibt den Schlüssel zum Verständnis dieser Einspielung. Dies zeigt sich besonders im c-Moll-Klavierkonzert: Schon die orchestrale Einleitung lässt mit ihrem spannungsgeladenen Paukenwirbel aufhorchen. Hans-Jürg Strubs Spiel besticht durch hellsichtige Kultiviertheit und durchdringende Musikalität. Heikle Oktavsprünge geraten nicht zu virtuosen Schaustücken, sondern fügen sich als essentielle Bausteine in den dramatischen Gesamtausdruck. Die dynamische Bandbreite ist wohldosiert und rankt sich um verschiedene, klug abgestufte Schattierungen.
Das lyrische Larghetto offenbart in seiner schlichten Gesanglichkeit eine fast opernhafte Qualität. Strub verzichtet auf überflüssige Sentimentalität und lässt die Melodien in ihrer natürlichen Schönheit sprechen. Die Orchesterzwischenspiele sind von bemerkenswerter Delikatesse, wobei besonders die Holzbläser durch ihren nuancierten Vortrag bestechen.
Im abschließenden Rondo Allegro demonstriert Strub bestechende Präzision bei gleichzeitig angenehm sinnlichem Zugriff. Virtuose Passagen blühen auf, als würden perlende Arpeggien wie natürliche Wasserfälle durch die Oktavlagen strömen. Selbst im schnellsten Tempo behält er souveräne Kontrolle über Tempo und Agogik, was der spielerischen Eleganz stets neue Nahrung gibt. Die Kadenz gerät zum Höhepunkt pianistischer Gestaltungskunst, ohne dabei je den stilistischen Rahmen zu sprengen.
Stefan Pieper

