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CD – MONET QUINTETT: BLÄSERQUINTETTE von TAFFANEL, HOLST, FRANCAIX und DUBUGNON; Cavi Music

08.09.2020 | cd

CD – MONET QUINTETT: BLÄSERQUINTETTE von TAFFANEL, HOLST, FRANCAIX und DUBUGNON; Cavi Music

Flöte, Oboe, Horn, Klarinette Fagott: Im 18. Jahrhundert wurden Serenaden und andere artige Ständchen an adeligen Höfen dieser seltenen, aber klanglich reizvollen kammermusikalischen Formation anvertraut. Spätestens mit der französischen Revolution war dann Schluss mit den delikaten Flötereien in Quintetten, die sich nur mühsam einen Weg in bürgerliche Salons bahnen konnten. Zu vorherrschend waren da Klavier & Co.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tritt der französische Flötist und Komponist Paul Taffanel auf den Plan. Mit ihm hat die zweite Geburtsstunde für Bläserquintette geschlagen. Sein spätromantisches Bläserquintett in g-Moll aus dem Jahr 1876 steht programmatisch am Beginn der auf vier Etappen angelegten Zeitreise. Das Monet Quintett hat die CD einer Reihe von Kompositionen gewidmet, die Marksteine in der Fortführung der Taffanel‘schen Bläserquintett-Tradition bis heute darstellen.

Das deutsche Monet Quintett fand 2014 zueinander, die jungen Leute trafen sich beim Bundesjugendorchester: Anissa Baniahmad – Flöte, Marc Gruber – Horn, Nemorino Scheliga – Klarinette, Johanna Stier – Oboe und Theo Plath – Fagott. Heute gehören diese glorreichen Fünf  – in solistischen Positionen tätig – renommierten alteingesessenen Klangkörpern an und haben erfreulicherweise ihr Interesse an diesem selten zu hörenden kammermusikalischen Genre nicht verloren.

Das Album starten sie mit Richard Dubugnons „Frenglish Suite“ aus 1997. Dieser großartige, humorvolle und vor Imaginationskraft übersprudelnde Musiker war lange Zeit Kontrabassist im Orchester der Opera de Paris. Ich hatte das Vergnügen, Richard – immer ein verschmitztes Lächeln und ein ironisches Wort auf den Lippen – während meiner sieben Pariser Jahre als Künstler und Mensch schätzen zu lernen. In seiner fünfteiligen Komposition folgen auf eine Ouverture das melancholische Folksong-Thema „Geordie“ mit den Variationen I-VII, sodann das Funèbre Lullaby und die Fermeture. Das französische Lied „Á la claire fontaine“ verarbeitet Dubugnon in der dritten Variation und im Lullaby. Richard Dubugnon entwirft einen akustischen Stadtspaziergang, lässig die Hände in den Hosentaschen, aber auch kunstvoll Themen und ihre Anverwandlungen ineinander zu verstricken. Licht und Schatten scheinen durch Blätter im Wind gefiltert ein fragiles Lichtspiel an die Häuserfronten zu werfen. Ein „Schweizer in Paris“ hat da seine Angeln über den Kanal ins Englische ausgeworfen. Der Fisch an der Leinen weiß nicht genau, wo er herkommt, zappelt aber hurtig zu Oboe und Klarinette. 

Ein Zeitsprung 120 Jahre zurück führt uns in romantische Gefilde zu Taffanel, dem das Verdienst zukommt, Gleichberechtigung hergestellt und Horn und Fagott aus ihrer typischen Rolle als Harmonie- und Begleitinstrument befreit zu haben. Nun dürfen auch sie sich im Ensemble an Melodien weiden und so ein wenig aus dem Halbschatten treten. Das konventionelle Bläserquintett vermittelt jedoch im ersten und zweiten Satz einen steifen und melodisch wenig inspirierten Eindruck. Auch im Spiel des Monet Quintetts vermisse ich hier Tiefe, Leidenschaft und Spannung. Das Vivace hingegen perlt bezaubernd wie ein kleine Fontäne. 

Gustav Holsts Bläserquintett in As-Dur, Op. 114, aus 1903 ist ein spätromantischer Gruß, der seinen neoklassischen Einschlag aus der Alten Musik holt. Nicht Planeten leuchten da in großsprecherischer Wucht, sondern Pavane, Menuett und Choral weisen den abwechslungsreichen Weg, der auch mit volkstümlichem Liedgut gepflastert ist. Das überaus einfallsreiche, „in dichten Harmonien“ gesetzte Quintett wurde erst von Holsts Tochter Imogen herausgegeben, der Vater dürfte das Werk nicht geschätzt haben. Das Monet Quintett rehabilitiert das aparte Stück zurecht in guter Spiellaune und fein austarierter Klangkultur. Besonderes Lob gebührt hier dem Hornisten Marc Gruber. 

Den Abschluss der CD bildet das quirlige, bunt schillernde Bläserquintett Nr. 1 des zwanzigjährigen Jean Françaix. 1948 geschrieben, weist das viersätzige Werk „hohe Schwierigkeitsgrade“ auf. Wie die fünf Musiker befinden, ist der Charakter der Musik trotz der außerordentlichen technischen Herausforderungen „leicht, charmant-ironisch und voller Witz“, was wiederum die atmosphärische Klammer zu Dubugnons „Frenglischer Suite“ bildet.

Fazit: Tolle CD! Es muss auch 2020 nicht immer Beethoven sein. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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