CD MASQUES: PAUL-ANTOINE BÉNOS-DIJAN und das CAFÉ ZIMMERMANN mit Musik von ANTONIO VIVALDI; alpha
Venezianisch-karnevaleske Lebenslust mit Musik für Orchester, Alt und Instrumentalsolisten
Veröffentlichung: 16.1.2026

Das neue Album mit dem französischen Countertenor Paul-Antoine Bénos-Dijan glänzt durch locker temperamentvolles Musizieren und einen erstaunlichen Abwechslungsreichtum. Das Instrumentalensemble Café Zimmermann unter der Leitung des Gründers und Geigers Pablo Valetti hat ein tolles Programm zusammengestellt.
Außer der Sinfonia in F-Dur zur Oper „Il Bajazet“, dem Violinkonzert in d-Moll, RV 241, der Introduzione al Gloria aus der Motette „Longe mala, umbrae, terrores“, RV 640, dem Concerto für zwei Hörner in F-Dur, RV 538 und dem Flötenkonzert in F-Dur, RV 434, erquicken das silvesterböllergeplagte Ohr die Arien für Altstimme aus den Opern „La verità in cimento“, „Orlando Furioso“ und „Motezuma“.
Einen Höhepunkt markiert das dreisätzige Violinkonzert in d-Moll, das der typischen Dramaturgie flotter erster Satz, nachdenkliches Grave und überschäumendes Finale folgt. Die hier verwendete Partitur stammt aus Dresden, Vivaldis Schüler Johann Georg Pisendel, Geiger des Dresdner Hoforchesters, dürfte sie aus Venedig mitgebracht haben.
Die enormen Qualitäten des Paul-Antoine Bénos-Dijan, neben dem Polen Jakub Józef Orliński der vielleicht exquisitest timbrierte und stilistisch untadeligste Altist der jüngeren Generation, liegen einmal in den vollmundig, mit großer Ruhe vorgetragenen, weit ausschwingenden Phrasen. Der elegische Liebesgesang mit Querflötenbegleitung ‚Sol da te, mio dolce amore‘ aus dem ersten Akt der Oper „Orlando furioso“ bietet hier ein Schulbeispiel an Legatokultur, die der Countertenor den ewig gesponnenen barocken Melodien zuteilwerden lässt. In der temperamentvolleren geistlichen Arie aus der Solo-Motette „Longe mala, umbrae, terrores“ schickt Bénos-Dijan barocke Verzierungskunst in Vollendung und fantastische Kuppeltöne ins Rennen.
Ein immenses Hörvergnügen bereitet das Konzert für zwei Hörner und Streicher, RV 538. Im langsamen Satz greift Vivaldi tief in seine prall gefüllte Trickkiste, um die Krux der damals tonumfänglich begrenzten Möglichkeiten der Hörner zu umschiffen. Er ersetzt die edlen, doch so heiklen Blasinstrumente kurzerhand durch ein Cello, das dieses in den Ecksätzen so virtuose Stück mit einem weiteren, völlig anderen Klangcharakter bereichert.
Das Album endet mit zwei weiteren „Vivaldi-Hits“: Beim Flötenkonzert RV 434 handelt es sich um das fünfte der sechs Flötenkonzerte Op. 10. Reizvolle sordino Effekte der Streicher und der Klang der Traversflöte verbünden sich zu einem zauberhaften romantischen Stelldichein.
Bénos-Dijan hat das letzte Wort. Die mit Koloraturen gespickte Bravourarie im Rachemodus der Königin Mitrena ‚S’impugni la spada‘ aus der unvollständig erhaltenen Oper „Motezuma“ profitiert nicht nur von der Begleitung durch zwei Hörner, sondern erklingt hier erstmals in einer rekonstruierten Fassung des B-Teils der Arie.
Fazit: Ein hoch willkommenes Vivaldi-Raritäten-Album der Superlative, quellfrisch und klangkulinarisch wie sinnlich von allen Beteiligten interpretiert, noch dazu aufnahmetechnisch brillant! So soll das Tonträger-Jahr 2026 beginnen.
Dr. Ingobert Waltenberger

