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CD: MARTIN KLETT spielt Musik von CARLOS GUSTAVINO und SERGEI RACHMANINOFF; CAvi music

01.12.2018 | cd

CD: MARTIN KLETT spielt Musik von CARLOS GUSTAVINO und SERGEI RACHMANINOFF; CAvi music

 

Seine Leidenschaft gilt dem argentinischen Tango. 2008 gründete der deutsche Pianist Martin Klett folglich das erfolgreiche Cuarteto SolTango. Somit es auch nicht verwunderlich, dass Martin Klett sich tiefer als andere mit der südamerikanischen Musikgeschichte auseinandergesetzt hat. Auf der vorliegenden, ich glaube siebten CD des Künstlers kombiniert er Werke für Klavier solo aus dreieinhalb Schaffens-Jahrzehnten des im Jahr 2000 verstorbenen argentinischen Komponisten Carlos Gustavino mit der zweiten Klaviersonate in B-Moll, Op. 36, von Sergei Rachmaninoff.

 

Das Programm beginnt mit dem Tänzchen „Bailecito“, eigentlich ein klassisches Zugabenstück, mit dem Martin Klett als Stimmungs-Teaser einen perfekten Einstieg gefunden hat. In der dreisätzigen „Sonatine“ geht die althergebrachte Form mit folkloristischen Elementen einher. „Das hat etwas sehr Lyrisches und Anrührendes und ist dabei harmonisch sehr interessant“, beschreibt der Pianist dieses charmante Stück. Von den zehn Liedern ohne Worte,  den tänzerisch-einfach gehaltenen Kurz- und Kürzeststücken „Cantos Populares“ genannt, hat Martin Klett sieben ausgewählt und sie zwei virtuosen Nummern aus den „Tres Romances Nuevos“ (La Niña del Rio dulce, El Chico que vino del Sur) gegenübergestellt. Mit den hochkomplexen und dennoch leicht perlenden „Las Niñas“ (Die Mädchen) findet Klett den musikalischen Übergang zur großartigen zweiten Klaviersonate von Rachmaninoff.

 

Faszinierend nachzuvollziehen ist, wie Klett die Stilistik seines Spiels entwickelt von der herb melancholischen Einfachheit und sehnsuchtsvollen Bodenständigkeit des Argentiniers hin zur rauschhaften Entäußerung des letzten großen russischen Romantikers in seiner 1913 – und damit im selben Jahr wie Stravinskys „Le sacre du printemps“ – fertiggestellten Sonate. Für den Pianisten hat die Musik von Rachmaninoff etwas Naturgewaltiges, also  evoziert Klett in seinem Spiel mit den Elementen Naturbilder „wie ein tosendes Meer oder ganz stille weite Landschaften.“ 

 

Klett ist ein Virtuose des differenzierten Anschlags, ein Meister der Rubati und bei aller Ausdrucksdichte mit einem Quentchen an Sachlichkeit doch ganz klar ein Pianist des Hier und Jetzt. Keine Sentimentalität wässert den spätromantischen Wein, dafür wird das Herz des Hörers mit starken Klangbildern und kraftvoller Energie in den Strudel der Noten gerissen, ja wie in einem Sog miteinbezogen. Das Allegro molto der Sonate ist der Höhepunkt des Albums, temporeich fliegt der Pianist in die Zielgerade, das Naturgesetz der irdischen Schwerkraft durch die vielen ineinander greifenden Emotionen für Momente außer Kraft setzend. Lassen Sie sich von dieser Musik entführen aus dem Alltag, den Sorgen, den lästigen Wehwehchen. Eine klare Empfehlung!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

 

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