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CD MARGARITA HÖHENRIEDER und ANTTI SIIRALA spielen MOZART und CHOVEAUX; Solo Musica SM497

29.01.2026 | cd

CD MARGARITA HÖHENRIEDER und ANTTI SIIRALA spielen MOZART und CHOVEAUX; Solo Musica SM497

Von Stefan Pieper

solo

Mozart und Tango auf einer CD – das klingt nach Marketingstrategie, nach dem Versuch, zwei Welten künstlich zu verkuppeln, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Doch bei Margarita Höhenrieder greift dieser Verdacht nicht. Die Münchner Pianistin verfügt dafür über zu viel künstlerische Integrität, ihre Weltoffenheit ist echt und was hier zusammenkommt, ist über Jahrzehnte gewachsen: Mit dem finnischen Pianisten Antti Siirala verbindet sie eine Freundschaft seit 1997, als dieser als jüngster Preisträger der Geschichte den Internationalen Beethoven-Klavierwettbewerb Wien gewann. Heute unterrichten beide als Professoren an der Münchner Musikhochschule.

Im Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 wählen Höhenrieder und Siirala vergleichsweise ruhige Tempi, was dem wärmenden Atem dieser Musik zugutekommt. Das ist keine Vorsicht, sondern Souveränität. Hier spielen zwei Pianisten, die nichts mehr beweisen müssen. Höhenrieders zupackender Anschlag trifft auf Siiralas nordische Klarheit – zwei komplementäre Temperamente, die einander bereichern, statt zu konkurrieren. Das Orchester des Wiener Concert-Verein unter William Garfield Walker zeigt sich achtsam und lebendig, ohne sich je in bloße Begleiterfunktion zu ducken. Der abschließende Rondo-Satz kommt in Schwung, mit funkelnder Feinmechanik, die auch als Sprungbrett für die solistischen Kadenzen fungiert.

Höhenrieders Affinität zu Argentinien währt schon lange, ebenso die Freundschaft zur französischen Komponistin Françoise Choveaux, die der Pianistin zuvor bereits fünf Werke gewidmet hatte. Choveaux, Jahrgang 1953, studierte wie Höhenrieder am Peabody Institute in Baltimore und hat mittlerweile nahezu 300 Kompositionen vorgelegt. Das hier als Weltpremiere eingespielte Concerto for Piano, Bandoneon and Orchestra „Cristián en el Café Tortoni Buenos Aires“ op. 261 ist eine Hommage an das legendäre Café Tortoni in Buenos Aires, jenes 1858 gegründete Künstlerlokal, in dem einst Carlos Gardel und Jorge Luis Borges verkehrten.

Hier wird gezeigt, wie das Format des Tangos, aus allen modischen Stereotypen befreit, in das unerwartete Terrain eines sinfonischen Klavierkonzerts vordringen und dessen Dramaturgie mühelos bewältigen kann. Der fabelhafte Bandoneonspieler Sébastien Innocenti eröffnet einen Raum, in dem sich das Klavier willkommen fühlen darf. Orchester und Soloinstrument wetteifern um die Vorherrschaft beim Pathos. Höhenrieder spielt mit fast jazziger Freiheit, wobei die Ingredienzien klar definiert bleiben: absteigende Chromatik, agogisch ausgereizte Stimmungswechsel. So klingt Tango Nuevo, wenn er seine Wurzeln kennt, sich aber, ganz im Geiste seiner einstigen Erfinder, frei und offen im Heute gebärdet.

Die Aufnahme entstand im November 2024 im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins, der sich als akustisch idealer Rahmen für diesen intimen Zusammenklang erweist. Die Gegenüberstellung dieser beiden ungleichen Werke und ihre tief gründende Interpretation auf diesem Tonträger demonstriert außerdem: Mozart und Tango teilen mehr, als es trennendes gibt. Es geht um die Fähigkeit, komplexe Emotionen in wenige Töne zu fassen bei gleichzeitiger Notwendigkeit einer intensiven Kommunikation zwischen den Musikern. Diese Aufnahme macht hörbar, dass solche Verbindungen umso besser gelingen, je mehr persönliche Geschichte in die Musik fließt. Eine Wunscherfüllung für alle Beteiligten dieser Aufnahme – und ebenso für alle, die zuhören.

Stefan Pieper

 

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