CD MARC-ANTOINE CHARPENTIER: MISSA ASSUMPTA EST MARIA – Gaétan Jarry dirigiert das Ensemble Marguerite Louise; Château de Versailles Spectacles

Zur Eröffnung der Tagungsperiode des Parlaments 1698 schrieb Charpentier den damaligen Gepflogenheiten und seiner Stellung als musikalisch Verantwortlicher der Sainte-Chapelle gemäß neue geistliche Musik. Das Zeremoniell war formal streng gegliedert. „Mit der religiösen Feier sollten die Verbindungen zwischen Parlament und Kirche, Justiz und Religion bekräftigt werden“ (Catherine Cessac). Von dem, was musikalisch genau zur Aufführung kam, ist historisch nur gesichert, dass die auch auf dem Album zu hörende „Motet pour une longue offrande“ auf dem Programm stand.
Die Missa Assumpa est Maria dürfte wie oben genannte Motette kurz nach Charpentiers Ankunft in der Sainte-Chapelle zwischen Sommer 1698 und Frühjahr 1699 entstanden sein. Wie unschwer zu erraten, ist die chorisch sechsstimmige Messe (zwei Dessus, Haute-contre, Taille, Basse-taille, Basse) der Jungfrau Maria gewidmet. Die Solisten kommen fast nur in Terzetten zu Ton, sie „spielen mit den unterschiedlichen Klangfarben sowie mit der Verbindung oder dem Gegensatz der hohen und tiefen Register.“
Jubelnde Polyphonie, hymnische Feierlichkeit, Innerlichkeit, eine prunkvoll huldigende Gläubigkeit, kontrastreiche Tempi und doppelchörige Wirkungen gehen diesem Meisterwerk, der letzten aller Messen des Charpentier Profil und eine höchst abwechslungsreiche, reizvolle Klanglichkeit.
Gaétan Jarry, Dirigent und Organist der Einspielung, seinem Ensemble Marguerite Louise sowie den Solisten Louise Champion (Dessus), Nicolas de la Fortelle /Dessus), David Tricou (Haute-contre), Romain Champion (Taille) und Nicolas Brooymans (Basse) gelingt es, die Brücke zwischen vokalem Virtuosentum und lichtfestlich spiritueller Atmosphäre in glühender Andacht und expressiv beredter Artikulation eindringlich zu gestalten. Ein weiterer unverzichtbarer Meilenstein in der schon sehr beachtlichen Charpentier-Diskografie.
Dr. Ingobert Waltenberger

