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CD MALIN BYSTRÖM: Orchesterlieder von BERG, DUPARC und RANGSTRÖM; Swedish Society

Spätromantischer Sinnenrausch - echter jugendlich dramatischer Prachtsopran zu entdecken

25.12.2019 | cd

CD MALIN BYSTRÖM: Orchesterlieder von BERG, DUPARC und RANGSTRÖM; Swedish Society

 

Veröffentlichung: 10.1.2020

 

Spätromantischer Sinnenrausch – echter jugendlich dramatischer Prachtsopran zu entdecken

 

„Your great silent house is sleeping. But my fate cannot stay.“ Bo Bergmann ,Wings in the Night‘

 

Von allen dramatischen Sopranistinnen prunkt die Schwedin Malin Byström mit dem üppig- reichsten Timbre und der fülligsten Mittellage. Cremig sehnsuchtsvoll verführerisch wie einst Renée Flemings Luxusstimme, taucht Byström die impressionistisch spätromantischen Preziosen des frühen Alban Berg und des Henri Duparc in ein glühendes Dämmerlicht. Ihre Höhen blühen, die Piani lassen träumen. Bei Byströms bruchlos geführtem Sopran kommen zum oftmals ein Quentchen melancholisch verhangenen Ton als Draufgabe ein (hoch)dramatischer Kern, Strahlkraft und – was so rar in diesem Fach geworden ist – eine fundierte Tiefe.

 

Byströms Initialerlebnis hin zur klassischen Musik war das fünfte Klavierkonzert Beethovens in der Helsingborg Concert Hall 1985. Genau in dieser Halle hat Byström nun das wunderschöne Sollo-Debüt-Album mit Orchesterliedern von Alban Berg, Henri Duparc und Ture Rangström eingespielt. Urerlebnis hin zur Oper und großes Sängeridol war Marias Callas. Der ursprüngliche Traum von Malin Byström, Bibliothekarin zu werden, hat sich augenblicklich in Luft aufgelöst. 

 

Die CD widmet sich den Gefühlen des Weggehens und Heimkommens, von Weggabelungen und Lebensentscheidungen. So hat der César Franck-Schüler Henri Duparc zwischen einem Jusstudium und der Musik geschwankt und Ture Rangström lieber Strindberg gelesen als Kontrapunkt zu pauken. Alban Berg schließlich, nachdem er 1902 die doppelt so alte Hausangestellte Maria am Berghof in Kärnten geschwängert hat (die Tochter Albine wird im selben Jahr geboren), flüchtet sich nach Wien zu Studien bei Arnold Schönberg, wo die „Sieben frühen Lieder“ Auskunft über sein Seelenleben geben.

 

Malin Byström verlässt Schweden, um in der Musik weiter zu kommen, während der 37-jährige, zeitweise geistig umnachtete Henri Duparc lange Zeit zuvor plötzlich mit dem Komponieren aufhörte, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Alban Berg kehrt in den 30-er Jahren nach Kärnten zurück, um am Violinkonzert zu arbeiten. Genau so wie Berg regionale Töne in sein Werk einfließen lässt, ist Rangström neben der Poesie Bo Bergmanns von dem wilden Gedicht der Karin Boye über Amazonen, Kriegerinnen und tödlichen Wunden in nächtlichen Schlachten fasziniert. 

 

Lassen auch wir unsere Imaginations-Flügel weiten, und verlassen mit der Stimme Byströms den sicheren Hafen ins Unbekannte. Ihre rauschhaft dichte Interpretation folgt nicht immer dem Pfad der höchsten Textdeutlichkeit, wichtiger sind Byström Stimmungen, Klangfarben und Dramatik. Der erzählerische Faden ist locker gespannt, der Hörer darf sich ganz diesem Sopranwunder hingeben, sich fallen lassen in die schwankende Brücke der eigenen Lebensbahn, die vielleicht parallel zu den Biographien der drei Komponisten und der Sängerin unerhörte Haken geschlagen hat. 

 

Vom Repertoirewert interessant und des Kennen wert sind vor allem die Lieder Ture Rangströms, der unter anderem Schüler von Hans Pfitzner in Berlin war. Rangström schrieb Opern, Orchesterwerke und ca. 300 Lieder (davon hat er ca. 60 orchestriert). Die hier aufgenommenen Lieder streifen opernhaft wirkungsvoll das hochdramatische Fach. Weisen sie den Weg hin zum künftigen Repertoire der bislang vor allem mit Mozart, Richard Strauss und Verdi erfolgreichen Sopranistin? 

 

Ein faszinierende CD vor allem für Liebhaber üppig timbrierter Sopranstimmen. Warnung: Der Sopran Malin Byströms kann süchtig machen. Das Helsingborg Symphony Orchestra unter der Leitung von Stefan Solyom sorgen für eine  klangverliebte, detailreich dramatisch zugespitzte Orchesterbegleitung.

 

Inhalt der CD

 

Alban Berg: 7 frühe Lieder

 

Henri Duparc: Au pays ou se fait la guerre; Chanson triste; Le manoir de Rosemonde; La vie anterieure; Extase; L’Invitation au voyage

 

Ture Rangström: Den mörka blomman (The dark Flower); Sköldmön (The Amazon); Melodi; Vingar i natten (Wings in the Night); Vinden och träger (The Wind and the Tree); Bön till natten (Prayer to the Night)

 

Auf dem Kalender der Sopranistin sind eine „Salome“-Premiere an der Mailänder Scala unter Riccardo Chailly im März 2020 und das Rollendebüt in „La Fanciulla del West“ im Mai/Juni 2020 an der Königlichen Oper in Stockholm vermerkt. 

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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