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CD:  LISE DAVIDSEN „VERDI“ – EDWARD GARDNER und das London Philharmonic Orchestra; DECCA

13.09.2026 | cd

CD:  LISE DAVIDSEN „VERDI“ – EDWARD GARDNER und das London Philharmonic Orchestra; DECCA

Majestätischer Spintosopran im richtigen Fach!

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Ein unverkennbares Timbre hat sie, eine enorme Höhe, die bis in die höchsten Akuti mühelos flutet, die Piani strömen, phrasieren kann sie und erst recht die hohen Noten in vokal meisterlich gestaltete Legatobögen einbinden.

Lise Davidsens neue Platte „Verdi“, bereits im Jänner 2025 in der Londoner Henry Wood Hall aufgenommen, weist die auf die Ring des Nibelungen- Brünnhilden zusteuernde dramatische Sängerin als einen sublimen, echten Spintosopran aus. Ich vermag keine stimmliche Verwandtschaft zu Flagstad und noch weniger zu Birgit Nilsson zu erkennen. Eher erinnert ihre furchtlose, breit geführte obere Lage an die Gwyneth Jones der 60-er Jahre, die Stimmfarben hingegen sind freilich viel näher beim brokatenen Samt einer Jessye Norman auszumachen.

Auf ihrem Verdi-Album stellt Lise Davidsen berühmte Arien passend zu einigen der kommenden Rollen auf der Bühne, wie die Lady Macbeth oder die Leonore aus „La forza del destino“, vor. Dazu gesellen sich die üblichen Sopran-Hits aus „Un ballo in maschera“, „Don Carlo“ und „Aida“. Am einfachsten dürften für Lise Davidsen in ihrer aktuellen, keine Limits kennenden stimmlichen Verfassung dramatisch aufgeputschte Szenen wie die Auftrittsarie der Lady Macbeth, „Ecco l’orrido campo“ der Amelia aus „Un ballo in maschera“ bzw. Aidas triumphales „Ritorna vincitor!“ sein.

Davidsen singt ihre Arien bruchlos ganz auf Linie bedacht, dunkle Brusttöne in der tiefen Lage meidet sie. Was ihr allerdings zu einer im italienischen Sinne großen Verdi-Interpretin noch abgeht, ist mit „parola scenica“ am besten umschrieben. Diese Text, Emotionen, handlungssituative Stimmgestik und Klangvaleurs auf eine Ebene hievende Verdi-Stilistik verlangt nach einer speziellen Wort- Tonausdeutung, die ein präzises deklamatorisches Timing inludiert. 

Da gehen mir – Renata Scotto hat das alles hinreißend vorbildlich vorgeführt – besonders in der Nachtwandlerszene der Lady „Una macchia é qui tuttora“ oder in der Arie „Morrò, ma prima grazia“ der Maskenball-Amelia ausreichend prononcierte Konsonanten und Akzente ab, die den luxuriösen Klangfluss gliedern und dramaturgisch aufladen. Auch das Lesen des Briefes vor der ersten Lady Arie aus „Macbeth“ hätte schauspielerisch theatralischer ausfallen können.

Großartig gelingen Davidsen die beiden Ausschnitte aus „La forza del destino“: „Son giunta!“ aus dem zweiten Akt und unerwartet beeindruckend die meditativ dahinströmenden obertonreichen Piani von „La Vergine degli Angeli“, die ich mir im Traum nicht schöner von der als kühl geltenden Künstlerin hätte vorstellen können. Insgesamt ist „Verdi“ somit ein Album für Genießer und Freunde opulenter Stimmen geworden.

Edward Gardner erweist sich als die instrumentale Seite zupackend, klanglich austariert und gestalterisch feinchirurgisch auskostender Partner. Das in den Soli und Tutti mit der Solistin reflexiv interagierende, wie in den großen sinfonischen Vorspielen zur Arie der Elisabetta im 5. Akt des „Don Carlo“ „Tu che le vanità“ und zum zweiten Akt von „Un ballo in maschera“ luxuriös aufspielende London Philharmonic Orchestra macht seine Sache derart bewundernswert und stilistisch untadelig, dass mir als Vergleich nur die vollkommensten Verdi-Lesarten, die ich erleben durfte, von Dirigenten wie Riccardo Muti oder Claudio Abbado, einfallen.

Die exzeptionelle Tontechnik wird nicht nur der Riesenstimme der Davidsen gerecht, die hier natürlich und ohne jede Schärfe ‚eingefangen‘ ist, sondern stellt auch das Orchester in durchhörbarer Weise mit allen agogischen Feinheiten strahlend und prunkend heraus.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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