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CD „LES PLAISIRS DU LOUVRE“: Ensemble Correspondances, Sébastien Daucé; harmonia mundi

Königliche Musik für royale Vergnügungen zur Zeit Ludwig XIII.

27.04.2020 | cd

CD „LES PLAISIRS DU LOUVRE“: Ensemble Correspondances, Sébastien Daucé; harmonia mundi

Königliche Musik für royale Vergnügungen zur Zeit Ludwig XIII.

Hochbarocke Musik aus Frankreich, insbesondere aus der Zeit Ludwig XIV., ist schon seit längerer Zeit in der Mitte des an klassischer Musik interessierten Publikums angekommen. Opern und Instrumentales von Lully, Rameau, Campra und Charpentier, um nur einige zu nennen, erfreuen sich nicht zuletzt wegen der klanglichen Opulenz und der auf die Spitze getriebenen Raffinesse einer zunehmenden Beliebtheit bei Veranstaltern und Musikbegeisterten aus aller Welt. Aus der Sphäre französischer Spezialistenfestivals sind die bekanntesten Hits aus Versailles längst heraus. Außerdem haben exzellente Ensembles und Musiker (u.a. William Christie, Christophe Rousset, Hervé Niquet) dafür gesorgt, dass zudem wesentliche Werke exemplarisch auf CD zur Verfügung stehen.

Anders steht es um die viel weniger bekannte höfische Musik der Spätrenaissance, die während der Regentschaft von König Ludwig XIII. 1610-1643 ihre Blüte feierte. Die vorliegende CD stellt die Hauptwerke dieser Epoche vor, sogenannte „Airs de Cour“ oder polyphone Lieder, die nicht nur die Lustbarkeiten und öffentlichen Feste im Louvre unterhaltend zierten, sondern auch das tägliche Hofzeremoniell symbolisch versüßten oder für die Tanzkünste u.a. von König und Königin (damals Anna von Österreich) die klangliche Kulisse boten.

Schon unter Heinrich IV. wurde das Goldene Zeitalter der galanten Kultur eingeläutet, deren musikalische Sinnbilder die erwähnten „Airs de cour“ bildeten, die die „Salons, Gänge und Alkoven der aristokratischen Residenzen der Hauptstadt zum Klingen brachte. Solche „Airs“ wurzeln in der humanistischen Debatte der ausgehenden Renaissance und dienten als Ausschmückung der instrumentalen Divertissements und königlichen Ballette, indem sie ihnen durch lange solistische Récits und theatralische, lobpreisende Chöre Glanz verlieh.“ (Thomas Leconte)

In Paris war das polyphone Lied Privileg der „Musique de la Chambre du roi“. Diese bestand aus etwa zehn professionellen Sängern, einigen Kinderstimmen und wenigen Instrumentalisten (Flöten, Lauten, Violine, Spinette). An weniger offiziellen Anlässen waren auch Frauenstimmen beteiligt. Auf dem neuen hervorragenden Album werden Vokalkompositionen der Stars der damaligen Chambre du roi, Pierre Guédron, Étienne Moulinié und vor allem Guédrons Schwiegersohn Antoine Boesset (14 der insgesamt 28 Nummern sind ihm gewidmet) vorgestellt. Unter seiner Ägide entwickelten sich die polyphonen Gesänge hin zu einfacher strukturierten Stücken für Solostimme und basso continuo.

Aber auch reine kurze Ballettmusiken aus den Jahren 1635/36 sind zu hören, nicht zuletzt von Ludwig XIII. selbst – das Ballet de la Merlaison „Les Gascons“. Einige Stücke für Cembalo in Violenbearbeitung, etwa von Jacques Champion de Chambonnières, vervollständigen dieses so andächtig schön musizierte Album. Neun Gesangsolisten, die auch chorisch bestens miteinander harmonieren, sorgen für einen Kunstgenuss der Sonderklasse. Besonders erwähnen möchte ich den Tenor Marc Mauillon, der ebenfalls bei harmonia mundi das höchst empfehlenswertes Liedablum „Fauré et ses poètes“ herausgebracht hat. Beim Anhören ist zu erahnen, welch unendliches plaisir Ludwig XIII. und sein Hof bei dieser wie mit Goldfäden gewirkten Musik empfunden haben. Tun wir es ihnen nach. Bei der musikalischen Zeitreise ohne Grenzkontrolle in die Spätrenaissance ist das französische Ensemble Correspondances unter der musikalischen Leitung von Sébastien Daucé garantiert der beste Reisebegleiter. First class!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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