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CD LEO FALL: DIE DOLLARPRINZESSIN – mit Wagner-Star Christiane Libor als glutvoller Operettendiva, cpo

30.07.2019 | cd

CD LEO FALL: DIE DOLLARPRINZESSIN – mit Wagner-Star Christiane Libor als glutvoller Operettendiva, cpo

„Ein wahres Selfmaed-Mädel hier in der neuen Welt, die hat in Herz und Schädel Verlangen nur nach Geld… und kommt die Laune just ihr, den Ehestand zu porbier’n, so sagt sie sich: du musst dir ein Mannsbild acqurir’n.“

In der Lainzer Straße 127 in Wien Hietzing steht heute noch die „Villa Dollarprinzessin“, die Leo Fall nach einem Umbau locker aus den Tantiemem  seiner 1907 im Carltheater uraufgeführten Operette berappen konnte. So erfolgreich lief das Stück, bis heute ist es sogar ein Dauerbrenner in Südamerika, nicht zuletzt wohl wegen der „Eigenarten der Gringos“ so überaus beliebt. Und tatsächlich brachte es dieses walzer-melodienselige gesellschafts“kritische“ Stück, wo die Adeligen Diener und die Frauen Chefs sind, rasch auf beachtliche internationale Aufführungszahlen. Alleine in Berlin wurde die Dollarprinzessin 1908/1909 in 16 Monaten 500 mal gespielt, 428 Aufführungen gab es zu dieser Zeit in London; 288 waren es im New Yorker Knickerbocker Theater.

Alfred Maria Willner und Fritz Grünbaum mischen in ihrem schräg die Auswüchse des Kapitalismus auf die Schaufel nehmenden, dennoch wohl bis heute gültigen Plot Sinn mit Hinter- und allerdurchlauchtigsten Unsinn. Alles und jedes ist hier käuflich,  selbst die Kerls: Der steinreiche exzentrische und nach seiner Scheidung überaus gelangweilte US-Kohlenbaron John Couder will eine  adelige Frau. Er sammelt mit Vorliebe verarmte europäische Adelige wie den Deutschen Hans Freiherr von Schlick, die für ihn schuften müssen. Die luxusverwöhnte Tochter Alice, ein echtes Selfmade-Mädel von echter Yankeerass‘, wiederum findet nichts dabei, ihren Fredy für 50 Mio. $ als „Mannsbild acquirir’n“ zu wollen. Der aber will bis knapp am Schluss so gar nicht was Alice will (Reminiszenzen an die „Lustige Witwe“ werden wach), geht nach Kanada, bohrt nach dem schwarzen Gold und weiß nach erlangten Ölmillionen, dass nur ein Selfmademan ein Selfmadegirl bekommen kann. Heiraten aus Liebe gibt’s nicht.  Und die so gar nicht adelige Chansonette Olga Labinski von der Wolga schnappt sich „hipp hipp hurra“ derweil den alten Couder („seine Monet’n, net’n, net’n hab ich von Nöt’n, Nöt’n, Nöt’n“), der sie wie Sir Henry Morosus in der Schweigsamen Frau aber gar rasch wieder loswerden will.

Drei Soprane und fünf Tenöre verlangt die parodistische Reise nach New York und in die Welt der silbernen Wiener Operette mit allerlei Sätzen wie „Ich schmachte nicht wie Tasso, schwing lieber meinen Lasso“. Also gibt es drei Paare und ein bissl was, die sich eine gewaschene Gaudi à la „Ratatata tatatatata tschin“ machen, Ordnung hin oder her.

Wigl wagl wigl wak my monkey“ darf die wagnergestählte,  mittlerweile zu Brünnhilde, Kundry und Senta gereifte Christiane Libor als Alice singen. Dass die Berliner Sopranisten auch eine glutvolle Operetten-Diva sein kann, wissen manche bereits seit der hinreißenden Aufnahme von Franz Lehars „Giuditta“ mit Tenorpartner Nikolai Schukoff. Ihr Dollarprinz Fredy Ferdinand von Bothmer steht ihr in tenoralem Glanz und erotischer Gewieftheit nicht nach. Das zweite Paar bilden unser verarmter Adeliger Hans und die Nichte Daisy, deren strenger Reitlehrer er sein darf. Ralf Simon undMagdalena Hinterdobler machen auf große Nummer, während Thomas Moor als Kohlen-Couder und die falschadelige Russin Angela Mehling hörbar Spaß an der etwas patschert inszenierten Verwechslungskomödie haben. Tobias Haaks und Marko Cilic als nach Europa erfolglos auf Adeligensuche entsandte Dummköpfe Dick und Tom bewähren sich als tenoraler Nachwuchs.

Ulf Schirmer, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor der Musikalischen Komödie Leipzig schlugen in diesem Mitschnitt aus dem Jahr 2012 mit spürbarer Begeisterung aus der mit Instrumentierungsfinessen und gekonnt, wenngleich vorhersehbar gebastelten Partitur alle zündbaren Funken. Das größte Amüsement bereiten heute noch die eine zynische Welt veralbernden Nonsens-Texte der Schlager, an der auch der Komponist selber größte Freude gehabt haben soll. Das sind die Dollarprinzessen, die ärmsten Schönen der Welt!“

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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