CD: Legros, haute-contre de Gluck (HAUTE-CONTRE #3) • Reinoud van Mechelen, A nocte temporis
Französische Klassik allerfeinst dargeboten!

In seiner dritten CD zum Thema «Haute-Contre» befasst sich Reinoud van Mechelen mit Joseph Legros (1739-1793), dem führenden Haute-Contre seiner Zeit, in dessen Karriere sich Glucks «Opernreform» ganz praktisch niederschlug. Dabei begleitet ihn das 2016 von ihm gegründete Ensemble A nocte temporis.
Zur Illustration der Karriere Legros hat van Mechelen ein vielfältiges Programm von Vokal- und Instrumentalstücken zusammengestellt. Da er auch weniger bekannte Komponisten berücksichtigt, hier das ganze Programm:
JEAN-BENJAMIN DE LA BORDE (1734-1794): THÉTIS ET PELÉE (1765)
1 OUVERTURE
2 AIR QUE MON DESTIN EST DÉPLORABLE
3 AIR CIEL ! EN VOYANT CE TEMPLE REDOUTABLE
PIERRE-MONTAN BERTON (1727-1780) – JEAN-CLAUDE TRIAL (1732-1771): SYLVIE (1765)
4 AIR CONDUISEZ CES CAPTIFS
5 AIR POUR LES CYCLOPES
6 AIR GRACIEUX
JEAN-CLAUDE TRIAL: LA FÊTE DE FLORE (1771)
7 AIR AMOUR, SI TU TE PLAIS À MA DOULEUR MORTELLE
CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK (1714-1787): IPHIGÉNIE EN AULIDE (1774)
8 OUVERTURE
9 AIR J’OBTIENS L’OBJET QUE J’AIME
ORPHÉE ET EURYDICE (1774)
10 AIR ACCABLÉ DE REGRETS
11 BALLET DES OMBRES HEUREUSES
12 AIR QUEL NOUVEAU CIEL PARE CES LIEUX !
13 AIR MALHEUREUX, QU’AIJE FAIT… J’AI PERDU MON EURYDICE
FRANÇOIS-JOSEPH GOSSEC (1734-1829): ALEXIS ET DAPHNÉ (1775)
14 AIR LOIN DE CES BOIS CHARMANTS À REGRET ENTRAÎNÉ
15 AIR VERS LE SOMMET DE LA MONTAGNE
ANDRÉ-ERNEST-MODESTE GRÉTRY (1741-1813): CÉPHALE ET PROCRIS (1773, RÉVISION DE 1777)
16 AIR PARAIS, MORTEL AMOUREUX
17 BALLET DES NYMPHES DE DIANE
18 CONTREDANSE
19 AIR DÉESSE DES BEAUX JOURS
JOSEPH LEGROS (1739-1793): HYLAS ET ÉGLÉ (1775)
20 AIR C’EST ICI QUE J’AI VU POUR LA PREMIÈRE FOIS
NICCOLÓ PICCINNI (1728-1800): ATYS (1780)
21 AIR Ô FUNESTE AMITIÉ ! CONFIANCE ACCABLANTE !
JOHANN CHRISTIAN BACH (1735-1782): AMADIS DE GAULE (1779)
22 LARGO
CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK: IPHIGÉNIE EN TAURIDE (1779)
23 AIR QUEL LANGAGE ACCABLANT POUR UN AMI QUI T’AIME !
Joseph Legros wurde 1739 im picardischen Monampteuil geboren und war Sängerknabe an der Kathedrale von Laon, bevor er als Page in die Chapelle royale eintrat. Rasch wurde man auf seine musikalischen Fähigkeiten, so auch das Singen schwierigster Partituren vom Blatt, aufmerksam. Im März 1764 wurde er dann von der Opéra als Haute-Contre angeworben.
Seine Stimme soll ein grosser Stimmumfang, brillante Höhen, ein ausdruckstarkes Timbre, grosse Virtuosität und eine perfekte Aussprache charakterisiert haben. Zu Beginn seiner Karriere sang Legros die grossen Rollen Rameaus, für ihn durch eingefügte Stücke ergänzt. Rasch überstrahlte er seinen Vorgänger Pierre de Jéliote und weckte bei den zeitgenössischen Komponisten ein neues Interesse am Stimmfach des Haute-Contre.
Mit der Ankunft Glucks in Paris 1774 kam dann der grosse Wendepunkt in Legros Karriere. Durch eine, so man der Überlieferung glauben will, längst nicht immer einfache Zusammenarbeit mit Gluck, veränderten sich seine stimmlichen und schauspielerischen Leistungen. Aus seinem Haute-Contre wurde, nachzuhören in den entsprechenden Gluck-Aufnahmen, allmählich ein ausdruckstarker, lyrischer Tenor, der seine Rollen immer inspirierte verkörperte. In den frühen 1780er-Jahren begann Legros Stimme nachzulassen: 1783 trat er an der Opera in den Ruhestand. Seit 1777 aber war Legros als Konzert-Veranstalter aktiv: bis 1791 leitete er den Concert spirituel und bewies einen Spürsinn für moderne Musik, in dem er «angesagte» Komponisten aus ganz Europa, so auch Mozart, nach Paris einlud.
Van Mechelens Stimme befindet sich in Top-Form und mit hellem, silbernen, frischen Klang führt er mustergültig von seinem kernig, subtil klanggewaltig aufspielenden Orchester durch das mehrheitlich unbekannte Programm.
Französische Klassik allerfeinst dargeboten!
23.09.2023, Jan Krobot/Zürich

