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CD „LANDSCAPES“ – YUVAL ZORN auf dem Flügel mit Werken von MESSIAEN, ODEH-TAMIMI, JANACEK, VILLA-LOBOS und BACH/BUSONI; Rubicon

31.05.2020 | cd

CD „LANDSCAPES“ – YUVAL ZORN auf dem Flügel mit Werken von MESSIAEN, ODEH-TAMIMI, JANACEK, VILLA-LOBOS und BACH/BUSONI; Rubicon

Der israelische Dirigent und Pianist Yuval Zorn hat in den kanadischen Rocky Mountains, konkret im Banff Centre for Arts and Creativity in Alberta, ein klingendes Reisealbum aufgenommen. Der an zeitgenössischer Musik interessierte und auch pädagogisch aktive Künstler hat sich passend zum Aufnahmeort für seine CD das Motto „Landschaften“ gewählt: „Die Stücke dieses Albums spiegeln die Welt des jeweiligen Komponisten, der sie geschrieben hat, sowohl innerlich als auch äußerlich wider. Sie entstanden in unterschiedlichen Kontexten, verschiedenen Ländern, unter unterschiedlichen historischen Umständen und sind mit unterschiedlichen Mitteln pianistischen Ausdrucks gestaltet, aber alle repräsentieren – jedes auf seine Weise – die menschliche Haltung des Komponisten in diesem Kontext. Dieser Kontext ist das, was ich als Landschaft bezeichne, nicht nur im physischen Sinn, sondern auch in einem viel Weiteren – eine Landschaft, die das Muster des eigenen inneren Wesens widerspiegelt, eine Landschaft, die ihre Bedeutung und ihren Sinn aus der menschlichen Reflexion darüber bezieht.“

Es sind Raritäten, die Yuval Zorn zu einer tief empfundenen, exquisiten und spannungsreichen CD zusammengestellt hat. Seine ganz persönliche Sicht auf das Programm hat er im Booklet festgehalten. Zum Verständnis des Hörers trägt diese Auswahl an Fakten und die individuelle Sicht auf das Gespielte wesentlich bei.

Den Beginn macht französisches Repertoire, nämlich Messiaens „Blaudrossel“ („Le Merle bleu“) aus dem „Catalogue d’oiseaux“. Das schöne lautmalerische Stück erkundet die blaue Farbe des Vogels, seine Spiegelung von und die Wechselwirkung mit dem Blau des Meeres, die Umgebung, die er mit anderen Vögeln in der Region (Banyul-sur-mer) teilt, sowie seine Töne, seinen Gesang, seine Geräusche und die Interaktion mit den verschiedenen Elementen der Natur. Besonders wichtig ist für Yuval Zorn aber, dass die Musik den menschlichen Blick auf die Natur reflektiert, die Ehrfrucht und das Staunen vor den Naturphänomenen.

Der Zeitgenosse und Landsmann des Pianisten Samir Odeh-Tamimi ist mit seiner Komposition „Skiá“ („Schatten“ oder „Silhouette“) vertreten. Natürlich erlaubt die Musik keine konkrete Darstellung des Themas, aber die unmittelbaren Verschiebungen zwischen Registern, die Sprünge zwischen Stimmungen und Klanggestalten vermitteln des Eindruck eines Objekts, das schwer zu fassen ist und immer wieder wechselnde Konturen hat.

Das Schicksal des von einem Soldaten 1905 in Brünn getöteten tschechischen Tischlers František Pavlik inspirierte Leoš Janáček zu seiner einzigen dreisätzigen Klaviersonate, die der Komponist allerdings vernichtete. Die ersten beiden Sätze, die sich inhaltlich mit der Vorahnung des Todes und einem Trauermarsch konkretisieren, tauchten 1924 wieder auf. Auf jeden Fall spiegelt das Stück die berührenden musikalischen Gedanken um ein Leben, das zu früh zu Ende gegangen ist.

Der Brasilianer Heitor Villa-Lobos widmete das Stück „Rudepoema“ dem polnischen Pianisten Arthur Rubinstein. Er wollte damit „eine mechanische Gravur von Rubinsteins Seele auf Papier wie ein intimes Foto“ hinterlassen. Rude, der Spitzname Rubinsteins ist in dem schönen Titelwort, das etwa „wildes grobes Gedicht“ heißt, enthalten. Natürlich feiert dieses wohl wichtigste Solostück von Villa-Lobos für Klavier auch die brasilianische Musik mit ihren dynamischen Rhythmen und ihrer Freigebigkeit. Für Yuval Zorn ist entscheidend, „dass dieses Stück die unerklärliche brasilianische Kombination von trockener Melancholie und Süße enthält, die ihm seine Dynamik, seine Kraft und Wärme verleiht.“

Die CD klingt mit einer Klavierbearbeitung des Italieners Feruccio Busoni von Bachs Orgelstück „Ich ruf zu Dir“ aus, ein inniger Moment des Gebets und der Selbstreflexion.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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