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CD: Kurpiński • Dobrzyński • Moniuszko – Wrocławska Orkiestra Barokowa, Jarosław Thiel

11.04.2021 | cd

CD: Kurpiński • Dobrzyński • Moniuszko – Wrocławska Orkiestra Barokowa, Jarosław Thiel

World premiere recording (KURPIŃSKI) / First recording on period instruments (DOBRZYŃSKI • MONIUSZKO)

Ignacy Feliks Dobrzynski: Symphonie Nr.2 "Characteristic" (CD) – jpc

Gerne mehr!

Mit der vorliegenden Aufnahme erkundet der Dirigent Jarosław Thiel mit dem Wrocławska Orkiestra Barokowa, dessen künstlerischer Leiter er seit der Gründung 2006 ist, die nach Chopin wohl wichtigsten polnischen Komponisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Karol Kurpiński (1785-1857)., Ignacy Feliks Dobrzyński (1807-1867) und Stanisław Moniuszko (1819–1872). Die Beschäftigung mit der polnischen Musik bedeutet immer auch Beschäftigung mit der Geschichte der Kultur und des Landes, denn die Komponisten lebten in einem Land, das offiziell nicht existierte und das immer wieder von Unruhen erschüttert wurde, in denen viele ihrer Werke verloren gingen. Bis heute ist es nicht gelungen, die Werke dieser Komponisten dem Konzertbetrieb wieder zugänglich zu machen. Langsam kommt es aber zur Renaissance dieser Komponisten.

Karol Kurpiński war Violinist, Dirigent, Musikalienhändler, Pädagoge und einer der bedeutenden polnischen Komponisten im 19. Jahrhundert. Am 6. März 1785 in Włoszakowice (Luschwitz) als Sohn des Organisten Marcin Kurpiński geboren, erhielt er die erste musikalische Ausbildung vom Vater und mit 12 die erste Organisten-Stelle. Ab 1800 war er durch die Vermittlung seines Onkels Roch Wański (Cellist) 2. Geiger in der Hofkapelle des Grafen Polanowski in Moszkowo bei Lemberg. Seit 1810 zweiter Hofkapellmeister am Volkstheater in Warschau, berief ihn Zar Alexander I. 1819 zum Hofkapellmeister. Von 1825 bis 1842 war Kurpiński Direktor und künstlerischer Direktor der Oper in Warschau. 1833 dirigierte er die Eröffnungsvorstellung des Teatr Wielki und gründete daselbst 1835 eine Gesangsschule. Kurpiński starb am 18. September 1857 in Warschau. Kurpinski, der 26 Opern hinterlassen hat, legte die Grundlagen für die polnische Musik und die Entwicklung der polnischen Oper.

Im Oeuvre Kurpińskis gibt es zwei Werke mit dem Titel «Elegie»: die Harmonische Elegie über den Tod zweier Helden Russlands, die 1819 im grossen Theater von Warschau aufgeführt wurde und die Elégie harmonique à grand orchestre, deren Publikation Breitkopf & Härtel 1824 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung angekündigt hat. Nur das heute als «Elegie in c-moll» bekannte Werk, hat in Fragmenten dank des ukrainischen Dirigenten und Komponisten Mieczysław Krzyński (1901-1987) die Zeiten überdauert. Dabei ist unklar, ob es eine der beiden erwähnten Elegien oder eine Dritte ist, denn Krzyński liess vor dem Zweiten Weltkrieg Werke Kurpiński s auf eigene Rechnung kopieren. Leider ist die Abschrift der Elegie unvollständig geblieben. Jarosław Thiel hat das Werk für die Aufnahme vervollständigt.

Ignacy Feliks Dobrzyński wurde am 15. Februar 1807 in ukrainischen Romaniw (Wolhynien; polnisch: Romanów) geboren Nach dem Besuch der Schulen in Romaniw und Vinnytsia und einer ersten musikalischen Ausbildung bei seinem Vater studierte er ab 1825 gemeinsam mit Frédéric Chopin bei Józef Elsner in Warschau. 1845 unternahm er eine Konzertreise durch Deutschland und wirkte als Opern- und Konzertdirigent. Dobrzyński starb am 9. Oktober 1867 in Warschau.

Dobrzyńskis «Sinfonie» Nr. 2 in c-Moll» op. 15 («Symfonia charakterystyczna», «Sinfonie im Geiste der polnischen Musik») ist vor 1834 entstanden. Die Widmung an Zar Nikolaus I. Pawlowitsch lässt vermuten, dass die Entstehung durch die Ereignisse des Novemberaufstand von 1830/1831 beeinflusst war, denn der Träger der Widmung war zwischen 1825 und 1830 der letzter gekrönte König von Polen (Kongresspolen). Die 2. Sinfonie Dobrzyńskis gewann bei dem im Rahmen der Wiener Concerts spirituels veranstalteten Kompositions-Wettbewerb 1835 den zweiten Preis. Durch die Wiener Aufführung wurde Felix Mendelssohn Bartholdy aufmerksam und dirigierte es dann Gewandhaus in Leipzig.Die vier Sätze der Sinfonie (I. Andante sostenuto – Allegro vivace; II. Andante grazioso (Version 1834); III. Minuetto alla Mazovienna. Allegro ma non troppo – Trio; IV. Finale alla Cracovienna. Vivace assai – Presto – Prestissimo)

Stanisław Moniuszko Herb Krzywda, der «Vater der Polnischen Nationaloper», wurde am 5. Mai 1819 in Ubiel bei Minsk in eine polnisch-armenische Adelsfamilie von Landbesitzern hineingeboren. Moniuszko zeigte früh musische Begabung und nahm 1827 bis 1830 in Warschau privaten Musikunterricht bei Karl August Freyer und setzte danach seine musikalische Ausbildung in Minsk fort. V on 1837 bis 1839 studierte Moniuszko in Berlin an der Akademie der Künste bei Carl Friedrich Rungenhagen, dem Direktor der Sing-Akademie zu Berlin, Komposition. Um 1840 begann Moniuszko intensiv zu komponieren, schrieb erste Opern und andere Bühnenwerke sowie Geistliche Musik und weltliche Kantaten. Um diese Zeit begann er eines seiner populärsten Werke, das 12-bändige «Śpiewnik domowy» («Haus-Liederbuch») für Klavier und Gesang, das 268 Lieder zu Gedichten seiner Epoche umfasst. Stanisław Moniuszko starb am 4. Juni 1872.

Die Überlieferungslage ist bei den auf dieser Aufnahme vertretenen Stücken bei Moniuszkos Ouvertüre zu «Bajka» («Das Märchen») (1848) am besten, denn es liegt nach mehreren Überarbeitungen eine Fassung letzter Hand vor. Das Breslauer Barockorchester hat nun diese Fassung eingespielt, nachdem im 20. Jahrhundert die modernen Instrumenten angepasste Einrichtung von Witold Rowicki (1914-1989) Standard war.

Das Wrocławska Orkiestra Barokowa unter Leitung von Jarosław Thiel musiziert die Musik ihrer Landsleute ganz hervorragend: besonders gut gelingt die Sinfonie Dobrzyńskis mit ihren tänzerischen Melodien.

Gerne mehr, denn hier wird nur ein kleiner Blick auf einen neuen Kontinent der Musik gewährt.

10.04.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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