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CD – KORNGOLD: DAS WUNDER DER HELIANE

Willkommene Gesamtaufnahme des Theaters Freiburg - NAXOS

07.10.2018 | cd

CD KORNGOLD: DAS WUNDER DER HELIANE – Willkommene Gesamtaufnahme des Theaters Freiburg – NAXOS

 

„Die der Liebe sind, sind nicht des Todes! Und aufersteht werden, die dahin gesunken sind um Liebe.“  Seraphische Stimmen

 

Die üppige Jugendstiloper rund um eine freudlose Welt in unbestimmter Zeit liegt bislang nur in einer einzigen Gesamtaufnahme in der DECCA Reihe „Entartete Musik“ unter der musikalischen Leitung von John Mauceri aus dem Jahr 1992 auf. Das Libretto von Hans Müller-Einigen nach „Die Heilige“ des rumänischen Dichters  Hans Kaltneker ist zwar ziemlich kitschig und geschwollen, aber die Musik zählt zu schillerndsten und besten der vielen in den 20-er Jahren komponierten Opern deutsch-österreichischer Provenienz. Die Oper wurde bekanntlich vom Nazi-Regime als dekadent und unmoralisch verboten. In letzter Zeit erlebt das Wunder Heliane jedoch die ihrem kompositorischen Rang entsprechende Renaissance. 

 

Das Theater Freiburg hat in zwei konzertanten Aufführungen am 20. und 26. Juli 2017 im Rolf-Böhme- Saal des Konzerthauses Freiburg konzertante Aufführungen angeboten, die die Basis der gegenständlichen Publikation bilden. Freiburg reiht sich damit in eine Reihe an Städten, wo in den letzten Jahren diese große Oper zu erleben war: 2010 in Kaiserlautern, 2012 in Brünn, 2017 in Antwerpen und in Wien (Volksoper). Besonders der szenischen Premiere an der Deutschen Oper Berlin vom 18. März 2018 mit Sara Jakubiak, Josef Wagner und Brian Jagde war ein überaus großer Erfolg beschieden. Die Aufführung soll dem Vernehmen nach ebenfalls bei NAXOS auf DVD erscheinen.

 

Aber auch Freiburg hat viel zu bieten: Das Philharmonische Orchester Freiburg unter der Leitung des Generalmusikdirektors des Theaters Freiburg, Fabrice Bollon, zelebriert die der Handlung unterlegte Musik wahrlich als „großes symphonisches Gedicht“. Die polytonale Klangsprache mit den vielen harmonischen Neuerungen, der spezielle auf Richard Strauss‘ Stilistik basierende Korngold-Sound, all dass lässt Bollon effektvoll leuchten und flackern, die inneren Spannungsbögen voll dramatischer Kraft sind stets am Anschlag gehalten. Dazu kommt, dass die Tonqualität ganz herausragend ist. Von der phänomenalen Orchester- und Chorleistung her vermag Freiburg mit Berlin durchaus mitzuziehen.

 

Kurz zur Erinnerung, wovon die Oper handelt: Der mordseifersüchtige, einsam verbitterte Tyrann, der von Heliane nicht geliebt wird, will vom Fremden als Preis für die Begnadigung vom Todesurteil nicht weniger als das Kunststück, seine Frau dazu zu bewegen, ihn zu lieben.  Als der Herrscher Heliane aber nackt mit dem Fremden erwischt, wird sie des Ehebruchs angeklagt. Im Prozess erdolcht sich der Fremde, Heliane soll nun zum Beweis ihrer Unschuld den Toten wieder zum Leben erwecken. Vor dem Scheiterhaufen retten sie seraphische Stimmen, die die Auferstehung des Fremden zum Leben ankündigen. Und weil es so schön ist mit der Besiegung des Todes, darf final der Fremde Heliane noch einmal zum Leben wachzaubern, weil der Herrscher zuvor ihre Brust  mit dem Schwert durchbohrt hat. Nun verwandelt sich die Landschaft in einem Tag von überirdischer Schönheit, Schnee fällt von den Blütenblättern. In unerschütterlicher Liebe steigend er Fremde und die von ihm auferweckte Heliane zum Himmel empor. 

 

Die Besetzung weist leider mit dem unsteten, unruhig geführten und ganz und gar nicht intonationssicheren Bariton des Aris Argriris als ,Der Herrscher‘ einen bedeutsamen Schwachpunkt auf. Dafür entschädigt die Niederländerin Annemarie Kremer in der für die Jeritza geschriebenen Titelpartie mit einem herrlichen Spinto. Ein exquisit farbenreiches Timbre, eine glühende Vortragsintensität sowie eine hoch musikalische Gestaltungskraft edeln diese der Kaiserin in Frau ohne Schatten vom Anspruch und Wesen her verwandte Partie. Auch ihr jugendlicher Jubelton ist jedenfalls Anna Tomowa-Sintow auf der DECCA Einspielung weit überlegen, für die diese Partie eindeutig zu spät kam. Ian Storey reüssiert als ,Der Fremde‘ mit wunderbar silbrig höhensicherem Heldentenor. Katerina Hebelkovà als Botin ist eine Alt-Entdeckung. Der Pförtner kann mit dem lyrischen Bass Frank van Hove als sehr gut besetzt qualifiziert werden. Ebenso überzeugt Nutthaporn Thammathi als der blinde Schwertrichter.

 

Insgesamt ist diese Aufnahme vor allem wegen der unglaublichen Orchesterleistung, der exquisiten Leistungen von Frau Kremer und Herrn Storey  eine veritable Bereicherung des in diesem Fall doch so schmalen Katalogs. Die definitive Aufnahme des „Wunders der Heliane“ steht wegen der nicht adäquaten Besetzung der Partie des Herrschers aber noch aus.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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