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CD: Klaviertrios von Ravel und Saint-Saens mit dem Sitkovetsky Trio bei BIS Records erschienen/

01.10.2021 | cd

CD: Klaviertrios von Ravel und Saint-Saens mit dem Sitkovetsky Trio bei BIS Records erschienen/

MELODIK BERÜHRT DIE SEELE

Auf dem vorliegenden Album wird Maurice Ravels Klaviertrio in a-Moll M. 67 mit Camille Saint-Saens‘ Klaviertrio Nr. 2 in e-Moll op. 92 in facettenreicher Weise verwoben. Das Sitkovetsky Trio mit Alexander Sitkovetsky (Violine), Isang Enders (Cello) und Wu Qian (Klavier) interpretiert beide Werke mit untrüglichem Gespür für filigrane Detailarbeit und subtilen Klangfarbenreichtum. Der Geiger Alexander Sitkovetsky betont, dass die Trios von Ravel und Saint-Saens seit vielen Jahren zum Repertoire des Sikovetsky Trios gehören. Übrigens jähre sich 2021 der Todestag von Saint-Saens zum hundertsten Mal. Daher sei es jetzt ein besonders passender Zeitpunkt, sein Klaviertrio Nr. 2 endlich auf CD herauszubringen. Es sei nur 20 Jahre vor dem Ravel-Trio geschrieben worden und repräsentiere dennoch eine völlig andere Ideologie der Komposition. Das Ravel-Trio sei ein Genre-spaltendes Meisterwerk. Es handele sich hier um eine Symphonie für drei Instrumente, mit einer Farbpalette für ein hundertköpfiges Orchester. Das vielleicht weniger bekannte Saint-Saens-Trio sei ein weiteres atemberaubendes Werk von unglaublicher Schönheit und Dramatik. Saint-Saens bleibe hier seinen konservativen Prinzipien und romantischen Idealen von Melodie und Harmonik treu und schaffe üppige und turbulente Texturen – kombiniert mit charmanten Melodien und Rhythmen. Es sei ein tolles Erlebnis gewesen, diese Unterschiede mit Klängen und Farben zu erkunden. Bei Ravels Klaviertrio in a-Moll dominiert in dieser Aufnahme eindeutig die Melodie über den Klang, was in dezenter Weise zum Vorschein kommt. Der asymmetrische Rhythmus beherrscht in erfrischender Weise den ersten Satz. Rhythmische Raffinesse macht sich übrigens auch im zweiten Satz bemerkbar, den das gut aufeinander abgestimmte Sitkovetsky Trio sehr beschwingt interpretiert. Daraus ergibt sich dann ein reizvolles metrisches Wechselspiel. Und die Passacaglia des dritten Satzes wirkt bei dieser vitalen Aufnahme gar nicht so streng, sondern dynamisch ausgewogen. Die beiden Themen des Satzes können sich bei der konzentriert dargebotenen Durchführung jedenfalls gut behaupten. Es gelingt dem Sitkovetsky Trio hier sogar, eine geheimnisvolle Verwandtschaft  zu Saint-Saens‘ Klaviertrio in e-Moll op. 92 aufzuzeigen. Sinnreiche Melodik dringt hier durchaus in die Seele. Manches könnte auch noch detaillierter, durchsichtiger musiziert sein, doch die klangliche Intensität besticht auch bei Saint-Saens. In den ersten beiden Sätzen gibt es deutliche Assoziationen zu Tschaikowsky. Schumann und Chopin sind dann im dritten und vierten Satz nuancenreich herauszuhören. Gelegentlich blitzt auch die Improvisationskunst des Komponisten auf. Eine erfrischend-vitale Musizierweise setzt sich allerdings überall durch. Es handelt sich hierbei übrigens um eine SACD, nicht um eine simple CD.

Alexander Walther

 

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