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CD KLARINETTENTRIOS von Carl Frühling und Alexander von Zemlinsky, Brilliant Classics

09.07.2018 | cd

CD KLARINETTENTRIOS von Carl Frühling und Alexander von Zemlinsky, Brilliant Classics

 Ein neugieriger Italiener und ein Schweizerisch-Finnisches Ehepaar haben sich zusammengetan, um spätromantische Kammermusikliteratur abseits ausgetretener Pfade zu spielen. Davide Bandieri (Klarinette), Joel Marosi (Cello) und Marja-Liisa Marosi (Klavier) haben besonders bei Zemlinskys 1896 geschriebenem Klarinettentrio in D Moll, Op. 3, einen Volltreffer gelandet.

Aber auch das völlig unbekannte viersätzige Trio des in Lemberg geborenen Carl Frühling in A-Moll für Klarinette, Cello und Klavier, Op.40 ist ein charmantes, salonhaftes, in Bezug auf die melodiöse Eingebung reiches Werk. Ein melancholischer Sommerabend ersteht vor dem inneren Auge, alles ist Andeutung, ein bloßes Anstreifen, die Flüchtigkeit des Augenblicks und der Schönheit werden in diesem Trio auf sehr anziehende Weise plastisch ausgedrückt.  Walzerklänge, aparte harmonische Wendungen, eine gewisse Morbidezza, aber auch südländische Sanglichkeit des Cello- und Klarinettenparts kennzeichnen das Werk. 

Alexander von Zemlinsky ist noch ganz Brahms und der Romantik verpflichtet, als er sein frühes Trio verfasste. Ganz der Atmosphäre des Wiener fin de siècle entsprossen, überlappen sich  – wie dies Adorno in einem Essay feststellte – hier bei Zemlinsky Manierismus und Eklektizismus als Gegensatz zu den einem bloßen Klassizismus verpflichteten Charakteristika des Ausgleichs und der Balance. Abseits aller ideologischen Konnotation der beiden Begriffe, spiegelt sich in Zemlinskys Trio das Suchen nach einer neuen Ästhetik eingebettet in eine ungewöhnliche Liebe zu den Meisterwerken der Vergangenheit. Dass aus diesen Ansätzen auch etwas ganz anderes entstehen konnte, zeigt das Werk des Zemlinsky Schülers Arnold Schönberg aber auch das von Alban Berg, der Zemlinsky seine „Lyrische Suite“ widmete. 

Sein Trio Op. 3 hat Zemlinsky aus Anlass eines Wettbewerbs des Tonkünstlervereins in Wien geschrieben, der ein Kammermusikstück mit mindestens einem Blasinstrument zur Aufgabe hatte. Brahms saß in der Jury, Zemlinsky errang damit immerhin den dritten Platz. Auch nicht weiter verwunderlich, dass Zemlinsky sich an Brahms und seine zwischen 1891 und 1894 für den Klarinettistenvirtuosen Richard Mühlfeld komponierten Werke anlehnte. Ein dichter Satzbau, flüssig schimmernde Erzählstränge der Solisten, „eine bedachte Einfachheit der Struktur“ (Adorno) abseits dekorativer jugendstilhafter Ornamentik sind die Markenzeichen eines frühen Wurfs, der schon auf die spätere persönliche Originalität und stilistischen Eigenheiten Zemlinskys verweist. 

Davide Bandieri, der sich mit Vorliebe zeitgenössischer Musik widmet, liefert auf seiner Klarinette eine formvollendete Performance in spätromantischen Fahrwassern. Mir hat es besonders der golden gleißende Celloton von Joel Marosi angetan, Marja-Liisa Marosi spielt das technisch nicht immer auf Augenhöhe geforderte Klavier in bedachter Harmonie mit ihren Partnern.

Nicht nur wegen des großen Repertoirewerts eine Empfehlung wert!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

 

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