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CD KANTATEN DER BACH-FAMILIE: BENJAMIN APPL Bariton, BERLINER BAROCKSOLISTEN unter REINHARD GOEBEL, hänssler Classic

04.06.2020 | cd

CD KANTATEN DER BACH-FAMILIE: BENJAMIN APPL Bariton, BERLINER BAROCKSOLISTEN unter REINHARD GOEBEL, hänssler Classic

Wer dachte, von den Bachs gibt es schon alles, wird staunen: Bei drei von den fünf ausgewählten Kantaten/Sinfonien der im Dezember 2019 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem aufgenommenen CD handelt es sich um Weltersteinspielungen: Besonderes Interesse kommt dabei natürlich der Kantate für Bass, Streicher und basso continuo „Ich bin vergnügt mit meinem Stande, den mir der liebe Gott beschert“ von Carl Philipp Emanuel Bach und seiner semi-anonym überlieferten, den Abnabelungsprozess von Vater J.S. dokumentierenden Sinfonie in F-Dur zu. 

Der fabelhafte bayerische Bariton Benjamin Appl, in Diktion, Phrasierung und akkurat akzentuierten Verzierungen unüberhörbar Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau, gleichermaßen gern gesehener Gast bei der Vorarlberger Schubertiade und in der Londoner Wigmore Hall, ist genau der richtige Sänger für dieses harmonisch exzentrische wie technisch anspruchsvolle Repertoire. Wie gut Appl Bach in der Kehle liegt, hat er schon anlässlich seines bei Sony erschienenen Bach Solo-Albums mit dem Concerto Köln unter Beweis gestellt. Diesmal wird er quicklebendig von den Berliner Barocksolisten unter der musikalischen Leitung der Alte Musik-Legende Reinhard Goebel begleitet. Die Instrumentalisten bestreiten neben der oben erwähnten Sinfonie auch noch die Sinfonie in B-Dur für Streicher & b.c. von ‚Papas Liebling‘ Wilhelm Friedemann Bach.

Die umfangreichste Kantate mit den längsten Arien unter dem Namen „Pygmalion“ stammt von Johann Christoph Friedrich Bach. Der fünfte Sohn von Johann Sebastian schrieb sie 1768. Er war Cembalovirtuose und ein bienenfleißiger Komponist (allein in Bückeburg fanden sich u.a. 147 Sinfonien, 51 Opern und 43 Konzerte), der sich in allen Genres heimisch fühlte. Obwohl er nicht die luxuriöse Ausbildung der frühen Bach-Söhne genoss, erfreuen lautmalerisch kunstvolle Accompagnato Rezitative sowie zwar einfacher gestrickte, nichtsdestotrotz melodisch überaus reizvolle Arien.

Am Schluss des Albums hören wir einen Klassiker: Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 82 für Bass, Oboe (Christoph Hartmann), Streicher & b.c. „Ich habe genug“.  Das ist zwar programmatisch ein klein wenig gemein (klar war der „alte Bach“ unübertroffen), aber die Wiedergabe glänzt – des Riesenangebots im Katalog ungeachtet – durch prächtige Legati und beseelten Ausdruck.

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

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