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CD: JUBILÄUMSKONZERT zum 475. Gründungstag der SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN; Edition Staatskapelle Dresden, Vol. 55, hänssler Profil

31.07.2026 | cd

CD: JUBILÄUMSKONZERT zum 475. Gründungstag der SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN; Edition Staatskapelle Dresden, Vol. 55, hänssler Profil

CHRISTIAN THIELEMANN dirigiert Werke von Weber, Wagner und Strauss

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Am 23. September 2023 jährte sich der Gründungstag eines der ältesten Orchester der Welt. Von Kurfürst Moritz von Sachsen 1548 wurde die Sächsische Staatskapelle Dresden ins Leben gerufen. Mit der Besiegelung der Kantoreiordnung war der formelle Akt abgeschlossen. Auf Kupferstichen von Daniel Bretscheider aus dem Jahr 1582 sind vier bzw. sechs Musiker zu sehen, die mit Fidel, Lauten und Blasinstrumenten einen höfischen Festzug im Dresdner Schloss abbilden. Das damalige Ensemble muss man sich so als eine kleine, aber feine Gruppe von Musikern vorstellen, die die Musik des 16. Jahrhunderts zum Besten gaben. Ein Sinfonieorchester im heutigen Sinne gab es erst im 19. Jahrhundert.

Den 475. Geburtstag des Orchesters beging man in Dresden mit einem feierlichen Galakonzert unter dem damaligen Chefdirigenten Christian Thielelmann mit der „Jubel Ouvertüre“ von Carl Maria von Weber, der Ouvertüre zu Richard Wagners „Tannhäuser“, der Tondichtung für großes Orchester „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss und von ebendiesem Komponisten als krönenden Höhepunkt die Suite aus der Oper „Der Rosenkavalier“

Ich finde, mit keinem Klangkörper, den Thielemann leitete oder den er dirigierte, hat er künstlerisch besser harmoniert und sich zu exquisiteren Highlights der Interpretationsgeschichte gesteigert als mit der Staatskapelle Dresden. Das ist anhand vieler auch auf Tonträger erhältlichen Dokumenten nachzuempfinden, nicht zuletzt am Live-Mitschnitt von Bruckners Symphonie Nr. 9 in d-Moll aus der Semperoper vom 31.8. und 1.9. 2014, in der Edition Staatskapelle Dresden als Vol. 54 erschienen.

Dieses einzigartige Orchester, das die innersten Tugenden der Berliner und Wiener Philharmoniker in und auf sich vereinigt, hat einen wiedererkennbaren unverwechselbaren Klang. Dunkler in den unteren Stimmen als die beiden erwähnten Ko-Stars, dafür in den hohen Streichern flimmernd silbern und unfassbar sinnlich. Das Orchester pflegt den typisch deutschen Klang, „erdig und sehnsuchtsdunkel“, in den hohen Instrumenten direkt im Elysium beheimatet.

Das Konzert vom 23.9.2023 in fulminanter audiophiler Klangqualität gelang künstlerisch vollmundig wie aus einem Guss. Das Wort Sternstunde war an diesem Abend in der Semperoper wirklich nicht übertrieben. Christian Thielemann und Orchester liefen zu top Form auf. Der Berliner Dirigent, der in seiner Heimatstadt zumindest beim Publikum noch nicht 100%ig angekommen scheint, bewies in Dresden, dass er aktuell der versierteste aller Dirigenten im deutschen romantischen Fach ist.

Schon die den musikalischen Reigen eröffnende Jubel-Ouvertüre machte ihrem Namen alle Ehre. Von Weber in nur 10 Tagen vollendet und 1818 zum 50. Thronjubiläum des Königs Friedrich August I. uraufgeführt, überrascht sie in der Coda mit der eingängigen Melodie der sächsichen Königshymne.

In der Tannhäuser Ouvertüre lässt Thielemann die volle Klangopulenz des Orchesters aufrauschen, findet für die janusköpfige Spannung von idealisierter Liebe und sexuell konnotiertem Venusberg den adäquaten lichtglänzenden bis rauschhaften Gestus. Das Orchester spielt dazu teuflisch-sündig gut auf.

Die Wiedergabe der beiden Stücke von Richard Strauss belegt, dass die Dresdner Staatskapelle gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern das Oeuvre von Richard Strauss am klanglich idealsten, sinnlichsten und in den Einzelstimmen transparent differenziertesten darzustellen vermögen. Beim Walzer in der von Artur Rodzinski 1944 mit dem Segen des Komponisten veröffentlichten „Rosenkavalier Suite“ ist so viel Lebenslust und derb eleganter Wiener Dreivierteltakt mit der betonten Eins und den leichteren Zwei und Drei drin, dass einem ein Stück Himmel an der Donau aufgeht. Instrumentaler Überwältigungsfaktor, bodenständiger Humor und operntheatralischer Feinsinn im finalen Terzett, das auch ohne Sängerinnen seine melancholische bis rührselige, am Schluss apotheotische Wirkung nicht verfehlt. Wunderbar!

Für Fans sublimer Orchesterkultur, rauschhafter Klangballungen und atmosphärisch herausragender Interpretationen unverzichtbar!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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