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CD JOSEPH MARX: NATUR-TRILOGIE; Orchesterwerke I, NAXOS

Wienerisch-mediterraner Klangzauber in Harmonie und Orchestrierung

02.12.2018 | cd

CD JOSEPH MARX: NATUR-TRILOGIE; Orchesterwerke I, NAXOS

Wienerisch-mediterraner Klangzauber in Harmonie und Orchestrierung

 

Liedexperten schätzen die spätromantisch lyrischen Kleinode des südsteirischen Komponisten Josph Marx. Aktiver Gegner der von Schoenberg begründeten „Neuen Wiener Schule“, verschrieb sich der im Wiener Musikleben seiner Zeit unglaublich präsente Marx ganz dem tonalen Wohlklang der 20-er und 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Opern schrieb er keine, dafür umso mehr üppig in erfindungsreichen Romantizismen schwelgende Orchestermusik. Nach einer frühen produktiven Schaffensphase, die vornehmlich dem Lied  und Orgel-, Kammer,- Chor,- und Soloklaviermusik gewidmet war, erlangte Marx Ruhm mit seinem virtuosen „Romantischen Klavierkonzert“ und seiner „Herbstsymphonie.“ Die auf dieser CD eingespielte „Natur-Trilogie“ entstand 1922-1925 und besteht aus den Teilen „Symphonische Nachtmusik“, „Idylle“ und „Frühlingsmusik.“ Die Uraufführungen hatte kein Geringerer als Clemens Krauss in Frankfurt und in Wien dirigiert. Später nahmen sich Kaliber wie Karl Böhm oder Fritz Reiner des Werks an. Heute kennt diese Orchesterwerke offenbar kein Konzertveranstalter mehr. 

 

Naxos hat aktuell eine von den Bochumer Symphonikern unter dem amerikanischen Dirigenten Steven Sloane 2002 in opulentestem Cinemascope Klang eingespielte Aufnahme ins Programm genommen. Es handelt sich um das einzige Album, auf dem die drei Teile der Trilogie nacheinander zu hören sind. Das RSO unter Johannes Wildner hat auf einer 2007 aufgenommenen CD (cpo) lediglich zwei Teile der Trilogie (Frühlingsmusik und Idylle) gewählt und sie mit „Feste im Herbst“ kombiniert. 

 

Marx hatte eine italienische Großmutter. Aus dem südlichen Nachbarland zog er hörbar Inspiration, manchmal glaubt man einem Stück von Respighi zu lauschen, voller Grillengezirp und rauschenden Bächen im silbernen Mondlicht. Einen gehörigen Schuss französischen Impressionismus zum Wiener Jugendstil hinzugefügt, und schon sind wir beim ureigensten Individualisten Marx, der auch seinen Kontrapunkt perfekt beherrschte. Die traumhaft schöne „Idylle“ kann als geniale Hommage an Debussys „Prélude á l‘après-midi d‘un faune“ gelten. Sie beschwört klangbildvoll einen nebligen, südeuropäischen Herbstwald zur Morgendämmerung. Über die „Frühlingsmusik“ meinen Berkant Haydin und Martin Rucker: „Auftauende Bäche, tanzende Waldgeister, Vogelgesänge, zartgrüne Knospen und himmlische Düfte scharen sich im Einklang zu einer urmusikalischen Hymne.“ 

 

Wer sich also von solchen Natur-Stimmungen berauschen lassen will und ein schäumendes Vollbad in spätromantischen Wonnen einem musikalischen Kosmos ähnlich denjenigen von Mahler, R. Strauss, Korngold, Schreker, Hausegger oder Respighi nehmen will, dem sei diese CD ans Herz gelegt. Die Bochumer Symphoniker und ihr Dirigent lassen keinen Wunsch offen. Warum die Wiener Philharmoniker oder Wiener Symphoniker nicht schon längst dessen Musik für sich entdeckt haben, ist mir ein Rätsel. Bei Franz Schmidt, der übrigens oft zu Gast bei Marx in dessen Haus bei Graz war, sind sie ja auch nicht zimperlich.  

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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