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CD JOSEPH HAYDN: SYMPHONIEN Nr.1-5,10,11,15-20,26,27,32,33,35,37-39,41-52,54-60,63-69

11.04.2024 | cd

CD JOSEPH HAYDN: SYMPHONIEN Nr.1-5,10,11,15-20,26,27,32,33,35,37-39,41-52,54-60,63-69

DEREK SOLOMONS dirigiert das Originalklangensemble L’Estro Armonico

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Antal Dorati und Adam Fischer waren die Pioniere in Sachen zu Ende gebrachter Gesamteinspielungen aller Haydn Symphonien auf modernen Instrumenten. Der eine mit der Philharmonia Hungarica bei DECCA, der andere mit einem Hungarian Haydn Orchester (aktuell bei Brillant erhältlich) und mit dem Danish Chamber Orchestra mit Naxos noch einmal auf sinfonischen Haydn-Spuren wandelnd.

Dass ausgerechnet die Originalklangpioniere Christopher Hogwood mit der Academy of Ancient Music und Derek Solomons mit L’Estro Armonico, um nur zwei zu nennen, ihre groß dimensionierten Haydn-Projekte aus verschiedenen Gründen nicht abschließen konnten, ist besonders in Bezug auf Solomons schade. Hogwood, so finde ich, hat nach der sensationellen Aufnahme aller Symphonien, einiger Konzerte und Serenaden von W.A. Mozart zu Haydn nicht (mehr) einen ähnlich zündenden Draht gefunden.

Sony hat nun in einer 18 CD-Box die verfügbaren Studioeinspielungen von Derek Solomons Rumpf gebliebener Haydn-Erkundung der 80-er Jahre editiert und den Großteil davon klangtechnisch auf Vordermann gebracht. Das Außergewöhnliche der Box ist u.a., dass 38 dieser Haydn-Symphonien überhaupt noch nicht auf CD erhältlich waren sowie ein paar nun sogar zum allerersten Mal  auf Tonträger veröffentlicht werden. 

Es handelt sich bei den nun 49 erhältlichen Werken grosso modo um frühe Symphonien, die für den Grafen  Morzin geschriebenen wurden und die meisten der ab 1761 im Auftrag der Fürsten Esterhazy der „Sturm und Drang“ Periode zuzurechnenden Symphonien Haydns. 1759 bis 1761 wirkte Haydn als Kapellmeister von Graf Ferdinand Maximilian von Morzin auf Schloss Lukavec in der Nähe von Pilsen. In dieser Funktion stand ihm nur ein 16 Personen umfassendes Orchester zur Verfügung. Solomons, der gerade Haydn als ideales Experimentierfeld für sein historisch informiertes Musizieren betrachtete, übernahm die kleine „Morzin-Besetzung“ nach den Forschungen von H.C. Robbins Landon auch für seine Aufnahmen der frühen symphonischen Versuche Haydns. 

Was an der Interpretation Solomons sofort auffällt und gefällt, sind die Duftigkeit, Lust und Leichtigkeit, mit der dieser gelernte Geiger und Dirigent an Haydn herangeht. Das Spielerische und die selbst in den nachdenklicher formulierten Sätzen feinst gewebte Struktur dieser so unendlich vielseitigen wie gekonnt ausbalancierten, abwechslungsreichen Musiken kommen so wunderbar zur Geltung. Stets nimmt Solomons auf das Gleichgewicht zwischen Streichern und Blasinstrumenten Bedacht, lässt die Rhythmen elastisch federn und die melodischen Eingebungen tänzerisch schwingen. 

Den Höhepunkt der Box bilden nach einem noch etwas zurückhaltenden Einstieg sicherlich die schon reiferen Symphonien, wo der Hörer den Eindruck gewinnt, Solomons und L’Estro Armonico gewinnen musikalisch immer mehr an Fahrt, an expressivem Mut und an ausgefeilteren Ausdrucksnuancen, ohne das artikulatorische Element allzu sehr zu strapazieren, wie das einige andere „Originalklangler“ mit Prädilektion taten.

Solomons war sicherlich DER und wahrscheinlich heute am wenigsten bekannte Vorreiter in Sachen zyklisch gedachter Haydn-Symphonien auf historischen Instrumenten. Ihn gebührend in aller Sorgfalt in Erinnerung zu rufen, ist Sony wahrlich gelungen. Es gibt kaum eine andere CD-Box in der aktuell allseits herrschenden Durchstöberungswelle der Backkataloge auf Künstler-Ebene, die interpretationsgeschichtlich wichtiger, vergnüglicher anzuhören und klanglich besser geglückt ist als diese äußerst empfehlenswerte Solomons-Edition.

Hinweis: Aktuell ist Giovanni Antonini mit den Orchestern Il Giardino Armonico und dem Kammerorchester Basel im Rahmen des von der Joseph Haydn Stiftung Basel organisierten Projekts „Haydn 2032“ dran, alle Symphonien aufzunehmen. Auch dies ist ein musikalisch hochinteressantes Projekt, das im Auge zu behalten sich lohnt. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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