Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD: Josef Bohuslav Foerster – Symphony No. 2 / Cyrano de Bergerac Hradec Králové Philharmonic Orchestra, Marek Štilec (Naxos 8.574654)

05.12.2025 | cd

Josef Bohuslav Foerster – Symphony No. 2 / Cyrano de Bergerac
Hradec Králové Philharmonic Orchestra, Marek Štilec (Naxos 8.574654)

for

Josef Bohuslav Foerster gehört zu den wichtigen, heute jedoch vergessenen Stimmen der großen tschechischen Musikblüte um 1900. Geboren 1859 in Prag, geprägt von einem musikalischen Elternhaus, stand er früh in Kontakt mit Dvořák, Smetana, Tschaikowsky und Grieg. Seine Laufbahn verlief ungewöhnlich vielseitig. Organist, Musikkritiker, Kompositionslehrer und musikalischer Netzwerker in Hamburg und Wien. Dort verband ihn eine enge Freundschaft mit Mahler. 1918 kehrte Foerster nach Prag zurück und prägte das Musikleben der jungen Tschechoslowakei als Lehrer und Autor. Er komponierte an die zweihundert Werke, darunter fünf Sinfonien, zahlreiche Orchesterstücke, sechs Opern, reichlich Kammermusik und hunderte Lieder. Sein Stil blieb stets persönlich und unaufgeregt modern. Er kannte die Entwicklungen der Zeit, sah sich aber nicht gezwungen, sich an Moden anzupassen. Sein Blick auf Musik blieb humanistisch und seelisch orientiert.

Die zweite Sinfonie entstand 1892 und 1893 und ist seiner früh verstorbenen Schwester Marie gewidmet. Diese Widmung prägt den Grundton. Foerster schrieb das Werk in F-Dur, also jener Tonart, die bei Beethoven und Dvořák gern pastoral verwendet wurde. Doch hier bleibt die Idylle nur Oberfläche, denn die Sinfonie trägt einen ernsten Kern.

Der erste Satz öffnet mit warmen Hörnern und Holzbläsern, die ein ruhiges Thema zeichnen. Die Musik fließt natürlich, ohne harte Brüche. Foerster arbeitet mit klaren Themen, legt Wert auf lange Phrasen und eine geschmeidige Instrumentation. Der zweite Gedanke klingt nach innen, beinahe schmerzlich. Die Durchführung kreist lange um diese weichere Idee und steigert sie zu einem kurzen Höhepunkt, bevor der Satz in einer stillen, abgeklärten Coda endet.

Der langsame Satz vertieft die Trauer. Tiefe Streicher eröffnen ihn mit einem schweren, choralartigen Thema. Es wirkt wie ein Trauermarsch, ohne dabei äußerlich zu werden. Holzbläser bringen kleine Lichtpunkte ein. Die Musik steigt in einem breiten Bogen auf, getragen von den Streichern und mit festem Rückhalt im Blech. Der emotionale Höhepunkt hat echte Tragkraft. Danach bricht die Spannung nicht abrupt ab. Sie zieht sich langsam zurück, als würde ein Vorhang zugehen.

Das Scherzo schafft die nötige Balance. Es tänzelt leicht, zeigt Rhythmuswitz und klare Farben, besonders in den Holzbläsern. Im Trio taucht das choralartige Motiv des langsamen Satzes wieder auf, was dem Satz Tiefe gibt, ohne seine Leichtfüßigkeit zu stören. Das Finale sammelt alle Themen des Werks und führt sie mit entschlossenem Gestus zusammen. Soli für Cello und Violine geben der Musik einen beinahe szenischen Charakter. Am Ende steht ein hymnischer Aufschwung, der nicht triumphiert, sondern das Werk würdevoll schließt.

Cyrano de Bergerac entstand ein Jahrzehnt später. Foerster schuf keine Schauspielmusik, sondern eine eigenständige Suite in fünf Bildern, die dennoch klar Bezug auf Rostands Drama nimmt. Das Werk wurde 1905 in Prag uraufgeführt und wurde zu einem der größten Orchestererfolge seines Schaffens.

Das erste Bild zeigt Cyranos heimliche Liebeserklärung an Roxane. Cello und Oboe führen einen intimen Dialog, der sich kurz weitet und dann wieder in ein stilles Nachdenken zurückfällt. Das zweite Bild, eine Szene der Dankbarkeit und Zuneigung, bleibt verhalten und von zarten Divisi-Streichern getragen. Am Ende bricht ein Hauch Schmerz durch.

Das dritte Bild ist ein geschmeidiges Scherzo. Ein wendiger Beginn führt in eine elegante, leicht mondäne Walzerfigur. Beide Elemente verschmelzen und erzeugen lebendige Theaterspannung. Das vierte Bild ist der dramatische Höhepunkt der Suite. Energie und lyrische Momente wechseln sich ab. Eine Harfe öffnet zur Mitte hin einen neuen Raum, in dem Holzbläser und hohe Streicher mit feinen Linien arbeiten. Diese Episode verbindet sich später mit der vorherigen Unruhe. Das fünfte Bild fasst alles zusammen. Es beschließt die Suite mit resignierter Klarheit. Der Ton bleibt warm, aber von Trauer gefärbt. Die Musik gleitet leise aus, als würde Cyranos Geständnis im Moment seines Todes in den Raum gestellt werden.

Das Hradec Králové Philharmonic Orchestra zeigt sich in beiden Werken hoch präsent. Die Blechbläser setzen klare Akzente, die Holzbläser besitzen Charakter, und die Streicher führen mit feinem Klang. Marek Štilec leitet dies mit Übersicht und spürbarem Engagement. Er formt Foersters breite Bögen konzentriert und hält die Transparenz in den dichten Passagen. Die Aufnahme ist klar, komprimiert nichts weg und lässt jedes Detail gut erkennen.

Diese Veröffentlichung macht deutlich, wie viel Qualität in Foersters Werk steckt. Sie zeigt einen reifen Sinfoniker mit eigener Stimme und einen feinsinnigen Klangerzähler, der heute wieder entdeckt gehört.

Dirk Schauß, im Dezember 2025

 

 

Diese Seite drucken