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CD: JOSé COCA LOZA: BASSO FURIOSO • La Cetra Basel, Andrea Marcon

06.11.2026 | cd

CD: JOSé COCA LOZA: BASSO FURIOSO • La Cetra Basel, Andrea Marcon

Erhältlich ab dem 6. November 2026

«Eine Stimme wie eine Kanone »

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Sowohl bei Antonio Caldara (1670-1736) wie Georg Friedrich Händel (1685-1759) war die ewige Stadt während des Pontifikats von Clemens XI. (1700-1721) eine Station ihrer Karriere. Beide wurden vom Marchese Francesco Maria Ruspoli (1672-1731) gefördert: 1709 löste Caldara Händel als Kapellmeister des Fürsten ab. Und beide Komponisten schrieben im Auftrag von Carlo Kardinal Colonna (1665-1739) für die jeden Juli in der römischen Kirche Santa Maria ai Monti stattfindenden feierlichen Vespern des Karmeliter-Ordens. So ist es durchaus plausibel, dass sich Caldara und Händel begegnet sein können und sich kollegial ausgetauscht haben. Nach dieser Zeit in Rom entwickelten sich die Karrieren unterschiedlich: Wien wurde für Caldaras Schaffen, das noch weitgehend zu entdecken ist, zum Mittelpunkt, für Händel wurde es London.

Nach Stationen in Venedig (Ausbildung bei Giovanni Legrenzi), Mantua und Rom kam der Cellist und Komponist Caldara 1716 nach Wien, wo er unter Johann Joseph Fux erster Vizekapellmeister der Wiener Hofmusikkapelle wurde und bis zu seinem Lebensende blieb und sowohl Werke weltlicher wie geistlicher Natur komponierte.

Händel liess sich 1712 als freischaffender Musiker nieder. 1720 wurde er Direktor der neuen «Royal Academy of Music», der bis 1728 tätigen italienischen Operngesellschaft mit Sitz im King’s Theatre. Händel, der 1727 britischer Staatsbürger wurde, blieb bis zu seinem Tod in London. Sein weiteres Schaffen war geprägt von der schwankenden Popularität der italienischen Oper, die ihn später zur Aufführung von «Oratorien» in englischer Sprache wechseln liess.

Auf seinem ersten Soloalbum präsentiert der in der Schweiz lebende Bass bolivianischer Herkunft José Coca Loza mit La Cetra Basel unter Leitung von Andrea Marcon Arien für Bass dieser beiden Komponisten. Mit mehreren Ersteinspielungen leistet diese Aufnahme einen wichtigen Beitrag zur Wiederentdeckung des barocken Repertoires für Bass.

In «Sì, perfida gente» aus Caldaras «Le profezie evangeliche di Isaia» wird die erbitterte Auseinandersetzung mit und empörte Zurückweisung mit der fiktiven Figur Sobna in Coca Lozas Interpretation beeindruckend direkt hörbar. Wie «Di timpani e trombe» aus «Scipione nelle Spagne» (mit reichlichst Pauken und Trompeten, deren virtuose Läufe Coca Loza behende imitiert) und «Ecco il dì, che di gigli e di rose» aus «Gioseffo, che interpreta i sogni» ist auch diese Arie eine Weltersteinspielung. In «Occhi, che vi fissate nel sole» aus «Gionata» faszinieren die beiden konzertierenden Fagotte.

Händels Serenata «Aci, Galate e Polifemo» (UA 19.07.1708) entstand noch währen der Jahre, in denen er sich in Italien aufhielt, für die Hochzeit von Herzog Tolomeo Saverio Gallio von Alvito mit Prinzessin Beatrice Tocco di Montemiletto. In «Fra l’ombre e gl’orrori» vergleicht sich der Zyklop Polifemo mit einem Nachtfalter, der nach dem Erlöschen einer Fackel orientierungslos umherschwirrt. Coca Loza gelingen die vertrackten Intervallsprünge über teils mehr als zwei Oktaven virtuos mit stupender Leichtigkeit. Als um 1730 die englische Masque «Acis and Galatea», die Händel 1718 für den Earl of Carnarvon wieder vermehrt aufgeführt wurde, bearbeitete der Kompomist sein Werk für Aufführungen am Haymarket (UA 10.06.1732), worauf eine zweisprachige Serenata entstand, die auf der vorliegenden Silberscheibe mit dem Accompagnato «Mi palpita il cor» und der Aria «Affanno tiranno» vertreten ist. Ebenfalls noch in Händels italienischen Jahren entstand die Oper «Agrippina» (UA 26.12.1709), die hier mit dem Beginn der 4. Szene des 2. Akts (Recitativo «Nella Brittania vinta» und Aria «Cade il mondo soggiogato») vertreten ist. Auch hier beeindruckt der Bass mit mächtigen, voluminösen Tiefen. In der Uraufführung von «Il Floridante» (UA 09.12.1721) sang Carlo Maria Boschi, der einzige Sänger, der an jeder Saison der «Royal Academy of Music» mitwirkte, die Basspartie. Coca Loza und La Cetra haben hier die vollständige Da Capo-Fassung der Schlussarie «Che veggio? Che sento?» (inklusive des dazugehörigen Rezitativs «Ah, traditor Coralbo»), in der sich Oronte seinen Untergang eingestehen muss, eingespielt. Händel hatte die Arie noch vor der Uraufführung auf eine Cavatina reduziert. In der 7. Szene des 3. Akts von «Tamerlano» (UA 31.10.1724) fügte Händel bei der Wiederaufnahme am 13.11.1731 die Arie «Nel mondo e nell’abisso» (inklusive dem Rezitativ «Principessa infelice») aus «Riccardo I.» (UA 11.11.1727) ein, um dem Interpreten eine Paradeszene zu bieten. Von Antonio Montagnana wird berichtet, er habe «eine Stimme wie eine Kanone» gehabt. Ähnliches lässt sich auch von Coca Loza behaupten. Je eine Arie aus «Ezio» (UA 15.01.1732; UA «Gia risonar d’intorno») und aus «Ariodante» (UA 08.01.1735; «Voli colla sua tromba») inklusive der zugehörigen Rezitative sowie das nie aufgeführte Siciliano «Invida sorte avara» aus «Ariodante» rund den höchst informativen Blick auf Händels Schaffen für das Stimmfach Bass ab.

José Coca Loza überzeugt mit einem herrlich agil geführten Bass reich an Farben, der absolut tiefensicher virtuos geführt ist und die zahlreichen, der Barockoper eigenen Effekte, «ohrenfällig» zu Gehör bringt. Die CD gibt einen guten Eindruck, welch Vergnügen es ist, den Sänger live zu erleben.

La Cetra Basel unter Leitung von Andrea Marcon triumphiert mit der von der Formation bekannten, enorm leidenschaftlichen Spielfreude, perfekten Akzenten und herrlich herbem Klang.

Eine Bereicherung jeder CD-Sammlung. Und für Fans tiefer Stimmen ein Muss.

05.11.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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