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CD JOHANN STRAUSS 200 – CAPPELLA MUSICA DRESDEN mit SUSANNE BRANNY, MECHTHILD VON RYSSEL, STEPHAN PÄTZOLD, SIMON KALBHENN und HELMUT BRANNY (Leitung); SACD

27.08.2025 | cd

CD JOHANN STRAUSS 200 – CAPPELLA MUSICA DRESDEN mit SUSANNE BRANNY, MECHTHILD VON RYSSEL, STEPHAN PÄTZOLD, SIMON KALBHENN und HELMUT BRANNY (Leitung); SACD

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Die Vorstellung, Johann Strauss Sohn könne noch Überraschungen bereithalten, wirkt zunächst wenig naheliegend. Schließlich wurde der Walzerkönig vielfach totgespielt, seine Melodien werden in Kaffeehäusern und Neujahrskonzerten zu süßlichem Kitsch zerrieben. Doch die Cappella Musica Dresden liefert mit ihrer neuen Einspielung für das ARS-Label einen eleganten Ausweg aus dieser Sackgasse: Anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauss (Sohn) hat sie die Walzer, Märsche und Polkas ihrer orchestralen Robe entkleidet. Und ja – auf Streichquartett plus Kontrabass reduziert, wirkt plötzlich alles deutlich frischer und unverbrauchter.

In den Parksälen des sächsischen Dippoldiswalde, heute als Kulturzentrum genutzt und mit hervorragender Akustik gesegnet, entstanden dreizehn reizende Miniaturen, die auf dieser klanglich überragenden SACD vor allem eins demonstrieren: Der populäre Unterhaltungsmusiker hatte es drauf, wenn es um kompositorische Raffinesse ging.

Die „Neue Pizzicato-Polka“ entfaltet einen pointierten Schwung, der die tänzerische Eleganz des Originals anmutig konzentriert, während aufblitzende Verzierungen der Violine spielerisch mit dem rhythmisch lebendigen Puls der tiefen Streicher korrespondieren. Stücke wie „An der Elbe“ offenbaren zarte Anflüge melancholischer Tiefe, wenn die singende Violine in höchsten Tönen über dem kammermusikalischen Ganzen schwebt und jedes melodische Detail genug Raum zum Atmen bekommt.

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Diverse frühere Werke sind auf dieser CD zu entdecken, die letztlich auch die vielfältigen Beziehungen des Wieners zu Deutschland belegen – war er doch etwa in Coburg, Dresden, Hamburg und Berlin präsent. So gibt es ein Wiederhören mit der „Zehner-Polka“ aus dem Jahr 1852, die durch die intime Besetzung so viele neue Farben gewinnt, um jede nostalgische Sentimentalität vergessen zu lassen. Humorvolles gehört ebenso zum Potpourri, zum Beispiel  der skurrile „Matilda-Marsch“, gewidmet dem Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha.

Die Spielkultur der Cappella Musica Dresden demonstriert mit natürlicher Leichtigkeit und unaufdringlichem Charme: Weniger ist hier eindeutig mehr. Susanne Branny und Mechthild von Ryssel (Violinen), Stephan Pätzold (Viola), Simon Kalbhenn (Violoncello) sowie Helmut Branny am Kontrabass und als Ensembleleiter verstehen es meisterhaft, mit fein dosierter Dynamik den ursprünglichen Tanzcharakter und die elastische Walzer-Agogik lebendig zu halten.

Stefan Pieper

 

 

 

 

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