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CD: JOHANN ADOLF HASSE: ENEA IN CHAONIA – Enea Barock Orchestra, Stefano Montanari

17.01.2021 | cd

CD: JOHANN ADOLF HASSE: ENEA IN CHAONIA – Enea Barock Orchestra, Stefano Montanari

Enea in Caonia - Enea Barock Orchestra; Stefano Montanari, Johann Adolf  Hasse: Amazon.de: Musik 

F I R S T   W O R L D   R E C O R D I N G

 Eine faszinierende Bereicherung des CD-Markts

Mit Hasses Serenade «Enea in Caonia» («Aeneas in Chaonien») legt das Label cpo eine Weltersteinspielung vor und fügt so der Diskographie des Komponisten eine wichtige Position hinzu.

«Enea in Caonia» ist die letzte der drei Serenaden, die Johann Adolf Hasse in seinen Jahren in Neapel komponierte. Hasse, 1699 im heute zu Hamburg gehörenden Bergedorf geboren, ging 1722, nach einem Gesangsstudium in Hamburg, Engagements am Hamburger Gänsemarkttheater und am Opernhaus Hagenmarkt in Braunschweig und ersten Erfolgen als Komponist zum Kompositionsstudium nach Neapel. Neapel, so der Enzyklopädist Charles de Brosses, war im 18. Jahrhundert die Hauptstadt der Musikwelt: mit vier Konservatorien, unzähligen Klöstern und Kirchen, in den immer Musik zu hören war, einem breiten Angebot an Theatern und einem zuverlässigen Mäzenatentum waren die Möglichkeiten für einen jungen Musiker schier unbegrenzt. Hasse hatte den Beginn seiner Karriere, die dazu führen sollte, dass er an der Seite Porporas und Vinci den «neuen Stil» entwickeln sollte, strategisch klug geplant: die grossen szenischen Arbeiten verfasste er im konventionellen Stil, während er sich, um kompositorische Neuerungen und die Reaktion des Publikums auszuprobieren, der Gattung der «Serenata», der Serenade bediente. Diese wies nur wenige Gesangs-Partien und kaum szenische Aktion auf. «Enea in Caonia», deren Auftraggeber wie auch die Umstände und die Besetzung der Uraufführung unbekannt sind (Hypothesen dazu im Booklet der CD), unterscheidet sich aber von ihren Vorgängerinnen «Marc’Antonio e Cleopatra» (1725) und «La Semele o sia La richiesta fatale» (1726): sie umfasst fünf Gesangspartien und ihr qualitativ höher stehendes Libretto stammt von Silvio Stampiglia, gewesener Hofdichter in Wien und Mitbegründer der Accademia dell’Arcadia und dessen Sohn Luigi Maria. Vor allem aber weist die Partitur jene Charakteristika auf, die Hasses und des «Neuen Stils» Ruhm und Ansehen in Europa begründeten.

Das Enea Barock Orchestra unter Stefano Montanari setzt die elegante Leichtigkeit, das Raffinement und die Gefälligkeit von Hasses Musik höchst konzentriert mit unmittelbarer Spielfreude mustergültig um. Vom ersten Ton an nimmt die Wiedergabe den Zuhörer gefangen.

Dass die Figuren der Ilia und des Enea mit jeweils vier Arien mehr Musik erhalten als die Titelfigur Enea und zusätzlich vom Komponisten mit der Ehre der letzten Arie bedacht wurden, lässt vermuten, dass Hasse für die Uraufführung ein hochkarätiges Ensemble zu Verfügung stand. Carmela Remigio als Ilia und Paola Valentina Molinari als Eleno erfüllen die Anforderungen ihrer Partien weitgehend zufriedenstellend. Der positive Gesamteindruck wird durch einige Schärfen getrübt. Francesca Ascioti brilliert in der Titelrolle des Enea und Raffaella Lupinacci überzeugt als Andromaca: hier bleiben keine Wünsche offen. Celso Albelo in der Nebenrolle des Niso vermag leider nur bedingt zu überzeugen. Die technisch schwache Stimme klingt seltsam dumpf.

Eine faszinierende Bereicherung des CD-Markts!

16.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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