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CD JEAN-PHILIPPE RAMEAU: CONCERTS EN SEXTUOR“ – Thibault Noally und Les Accents; aparte

20.10.2022 | cd

CD JEAN-PHILIPPE RAMEAU: CONCERTS EN SEXTUOR“ – Thibault Noally und Les Accents; aparte

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Manchmal umwehen sanfte Geheimnisse die aufregendsten Werke der Musikgeschichte. So ist es auch mit der Sammlung der sechs Konzerte für sechs Instrumente, die sich in der Bibliothèque nationale de France in Paris, datiert von 1768, befinden und mit dem Namen Decroix gezeichnet sind. Dieser Jacques Joseph Marie Decroix war Rechtsanwalt und auch Finanzbeamter in Lille, nebstbei sammelte er Noten und Partituren von Rameau. Der Mann hatte Geschmack. Seine Leidenschaft erstreckte sich auf alles, was er an Opern auftreiben konnte (u.a. „Hippolyte et Aricie“; Kopie aus 1733), aber auch Instrumentales, wie die hier vorliegenden „Sechs Konzerte“. Die ersten fünf dieser Konzerte sind nichts anderes als die „Pièces de clavecin en concerts“ aus dem Jahr 1741, die später in Saint-Saëns’ umfassender Rameau-Werk-Ausgabe veröffentlicht wurden. Das sechste nicht auf der CD enthaltene Konzert stammt aus einer späteren Schaffensperiode, wurde von anderer Hand kopiert und gibt Ausschnitte aus der G-Dur Suite aus den „Nouvelles Suites de pièces de clavecin“ aus 1728 wieder.

Vier Stücke, hier von einem Streichsextett (3 Violinen, 1 Bratsche, 2 Cellos) eingespielt, weisen drei Sätze auf, nur das zweite bringt es auf vier Sätze. Die aus einer oberflächlichen Perspektive als programmatische Charaktermusik ausgewiesenen Sätze sind mit Titeln versehen, die entweder einen Ort (Le Vézinet), ein Temperament (Die Nervende, die Scheue, die Indiskrete) bezeichnen bzw. einen Personennamen (wie denjenigen der Gönnerfamilie La Lapoplinière, der Cembalistin Anne-Jeanne Boucon oder des Rameau-Schülers Jean-Benjamin de Laborde) tragen.

Für die erste Ausgabe der „Pièces de clavecin en concerts“ hat Rameau selbst Vorschläge der Instrumentierung unterbreitet. Außer dem Cembalo finden wir neben den Violinen vor allem die Flöte. Rameau selbst instrumentierte etwa „La Timide“, „La Pantomime“ oder „L’Agaçante“ und fügte die Stücke in musiktheatralische Kompositionen ein.

Genau wissen wir nicht, wie diese in ihren Linien so kunstvoll ineinander verschlungenen Konzerte damals in der Praxis aufgeführt wurden. Übernahmen fallweise Fagott und Oboe Stimmen? Auf jeden Fall hält sich vorliegende Einspielung an die Fassung von 1741: 3 Violinen, Viola und „Bassstreicher“.

Hoch interessant und unverwechselbar sind die Farben und die Stofflichkeit des Klangs, die aus dieser Zusammenstellung erwachsen. Die Violinen scheinen sich freundschaftlich zu belauern und gegenseitig zu umtänzeln, wobei die erste Violine die unerwartetsten Rösselsprünge absolviert. Die anderen schmiegen sich daran an, spreizen tonumfänglich die Bandbreite der diversen Stimmungen.

Handelt es sich um Kammermusik oder Orchestermusik? Man nimmt an, dass beides möglich war, also die Stücke entweder in solistischer Besetzung (wie auf dem Album) oder mit doppelten Streichern erklangen.  

Auf dem brillant wie temperamentvoll realisierten Album hören wir Thibaut Noally (1. Violine), Claire Sottovia (2. Violine), Paula Waisman (3. Violine), Nicolas Mazzoleni (Viola); Elisa Joglar (Cello) und Aude Vanackere (Cello). Die sechs gehen mit so viel Verve und Präzision an die verschlungenen Pfade der originellen Musik, die mal italienisch inspiriert, mal französisch parfümiert zu sein scheint.

Mir gefällt die komplex verspielte Struktur der Musik und – obwohl sie nicht nach der ersten Note als Rameau identifizierbar ist – ihr typisch verschmitzter und launisch unberechenbarer Charakter.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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