Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD JEAN-BAPTISTE LULLY „Ballet royal de la Naissance de Vénus“ – LES TALENTS LYRIQUES unter CHRISTOPHE ROUSSET; aparte

25.08.2021 | cd

CD JEAN-BAPTISTE LULLY „Ballet royal de la Naissance de Vénus“ – LES TALENTS LYRIQUES unter CHRISTOPHE ROUSSET; aparte

5400863050085

Christophe Roussets Engagement für die französische Barockmusik kann gar nicht genug gewürdigt werden. Sei es als exzellenter Cembalist und Kammermusiker etwa der höfisch kunstreichen Kompositionen von Couperin, Mondonville, Forqueray, Leclair oder aber als Dirigent von Bühnenwerken des Rameau, Mehul, Sacchini oder eben von Lully, dem Allrounder-Superstar am Hofe Ludwig XIV.

Alleine von Letzterem hat der umtriebige Christophe Rousset in den letzten Jahren vokal und instrumental exzellente Gesamtaufnahmen von „Isis“, „Armide“, „Amadis“, „Alceste“, „Phaeton“ und der Acte de Ballet „Pygmalion“ vorgelegt und sich damit den Ruf eines der erfahrensten und besten Lully-Interpreten der Welt hart erarbeitet. Nun erfreut er wieder auf allen Fronten mit der in der Philharmonie de Paris im Jänner 2021 entstandenen Aufnahme des „Ballet royal de la Naissance de Vénus“. Uraufgeführt wurde das Ballet am 26.1.1665.

Lully war ein zuverlässiger und fruchtbarer Lieferant solcher zu Ehren des Sonnenkönigs und des Tanzes verfassten Bühnenmusiken. Alleine zwischen 1657 und 1670 schrieb er 25 solcher unterhaltsamer Werke, tragische gleichwie humorvolle, deren musikalisches Substrat er später in den berühmten tragédies lyriques recycelte. Diese höfischen Ballette bestanden aus Poesie, Vokalmusik und Tänzen, sie wurden auf reich dekorierten Bühnen und in üppigen Kostümen dargebracht. In den Theatern wurde in den Wintermonaten meist unter Mitwirkung prominenter adeliger Persönlichkeiten geprobt und aufgeführt, weil ab dem Frühjahr die Herren wieder in den Krieg zogen, als normale saisonale Beschäftigung der wärmeren Jahreszeit sozusagen. Die akrobatisch schwierigen Tanzrollen wurden selbstverständlich Profis anvertraut.

Die großen Gesangssolos und Choreinlagen fanden sich zu Beginn des Stücks als Einleitung in die mythologische Ausgangslage bzw. am Ende der Entrées dieses aus heutiger Sicht als Mischform zwischen Oper und Ballett zu bezeichnenden Bühnengenres.

Der junge Ludwig XIV. selbst soll ein begnadeter Tänzer gewesen sein. Er stand ab 1651 in 25 „Balletten“ in über 70 Rollen selbst auf der Bühne, wo er die Rolle der Sonne, aber auch von Rittern, Bacchanten oder Musen übernahm. Jean-Baptiste Lully war idZ für den König der erprobte Mann für Alles: Event-Manager, Komponist, Schauspieler, Tänzer, Dirigent und Direktor der Truppe. Ihm stand ein hervorragendes Instrumentalensemble mit fünf Streichergruppen nach dem Modell der „Vingt-Quatre Violons du Roy“ zur Verfügung, dazu Holzblasinstrumente wie Flöten, Oboen und Fagott. Mit ihnen konnte er nach Herzenslust experimentieren und seine Kreativität bei hunderten an Tänzen und Rhythmen wie Bourrées, Menuets, Sarabandes, Gavottes, Gigues und diversen Charaktertänzen unter Beweis stellen.

Das „Ballet royal de la Naissance de Vénus“ war eine von Lullys bedeutendsten Schöpfungen der 1660er Jahre. Das als Hommage an Ludwigs Schwägerin Henrietta von England (die als Vénus umgeben von einem Dutzend Meeresnymphen den Fluten entstieg, ihr Gatte Philippe I., Duc d’Orléans durfte als Morgenstern brillieren) geschaffene Werk hatte viele Väter: den Duc de Saint-Aignan, den Dichter Isaac de Benserade, den Ingenieur Carlo Vigarani (die Bühnenmaschinerie war mindestens so wichtig wie die Musik), und verschiedene Komponisten wie Lully, seinen Schwiegervater Michel Lambert und Louis de Mollier. Das Ballett umfasste 106 verschiedene Rollen, von 96 Personen dargestellt, 20 Instrumentalisten und 14 Vokalisten. Ludwig XIV. übernahm die Rolle Alexanders des Großen.

In der von Christophe Rousset lebendig und rhythmisch präzise geleiteten Aufnahme begeistern „Les Talents Lyriques“ mit 21 Streichern, Flöte, Oboe und Fagott und einem mit Gambe, Laute, Gitarre, Cembalo und Orgel reich bestückten Continuo. Für vokalen Glanz sorgen Deborah Cachet, Bénédicte Tauran, Ambroisine Bré, Cyril Auvity, Samuel Namotte, Guillaume Andrieux und Philippe Estèphe sowie der Choeur de Chambre de Namur.

Ergänzt wird das Ballet durch die Air d’Armide aus dem „Ballet Royal des Amours déguisés“, der ‚Plainte italienne‘ aus „Psyché“, der Air de Barbacola aus „Le Carnaval“ sowie der ‚Chaconne d’Arlequin‘ aus „Le Bourgeois Gentilhomme.“

Dr. Ingobert Waltenberger

 

Diese Seite drucken